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Hospizbewegung Hilden: Auch die letzte Hilfe gehört zum Leben

Hilden : Auch die letzte Hilfe gehört zum Leben

Die Hospizbewegung Hilden hilft Angehörigen und Freunden unentgeltlich, andere Menschen beim Sterben zu begleiten. Der nächste Kurs findet am 9. Oktober 2021 statt

Wenn der Nachbar schwer krank wird, fühlen sich die meisten Menschen eher hilflos und unsicher. „Man wechselt die Straßenseite“, weiß Silke Jeromin, Koordinatorin der Hospizbewegung Hilden. Beim Thema „Sterben“ wenden sich viele lieber ab, verdrängen oder schieben die Beschäftigung damit von sich weg – bis es zu spät ist und sie mit einem sterbenden Angehörigen konfrontiert werden.

Um diese Unsicherheit zu nehmen und dem Sterben als Teil des Lebens den größten Schrecken zu nehmen, bietet die Hospizbewegung Hilden kostenlose „Letzte Hilfe-Kurse“ an.

„Den Teilnehmern wird das kleine Einmaleins der Sterbebegleitung vermittelt“, erläutert Silke Jeromin, die gemeinsam mit Ingeborg Kirchhoff den ersten Präsenzkurs seit über einem Jahr am Samstag leitete. „Damit das Sterben nicht in eine Ecke gedrängt wird“, sagt Ingeborg Kirchhoff.

Ängste und Unsicherheit verliert man vor allem dann, wenn man sich mit einem Thema beschäftigt und darüber spricht. Deshalb ist der „Letzte Hilfe Kurs“ nicht nur eine Präsentation, sondern bietet auch Frage- und Gesprächsrunden an.

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Behandelt werden die Module „Sterben als ein Teil des Lebens“, „Vorsorgen und entscheiden“, „Leiden lindern“ sowie „Abschied nehmen“.

Neun Teilnehmer haben sich im Büro der Hospizbewegung am Nove-Mesto-Platz eingefunden. Ottilie Pape hat gezielt nach einem Kurs gesucht. „Ich habe vor drei Jahren das Sterben meines Freundes begleitet“, erzählt sie. „Das hat viel hinterlassen.“ Im Internet hat sie vom „Letzte-Hilfe-Kurs“ erfahren und sich angemeldet.

„Ich war an manchen Stellen etwas hilflos“, gibt sie zu. „Wenn ich die Anzeichen der Krankheit besser verstanden hätte, hätte ich meinen Freund vielleicht besser begleiten können.“

Auch in dem Pflegeheim, in dem ihr Freund untergebracht war, fand Ottilie Pape keine Unterstützung. „Ich fand das sehr bedrückend.“ Den Kurs möchte sie nicht nur machen, um im Falle eines Falles gerüstet zu sein, sondern auch für sich selbst. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man das Sterben als Teil des Lebens betrachten kann“, sagt sie. Das vermittle eine innere Sicherheit. Vielleicht dann auch für das eigene Sterben. „Das ist die größte Herausforderung, glaube ich.“

Eine weitere Teilnehmerin aus Hilden hat sich für den Kurs angemeldet, weil eine gute Bekannte sehr plötzlich an Krebs erkrankt ist. „Das ist nicht mehr heilbar“, sagt sie. Nun möchte sie sich in dem „Letzte-Hilfe-Kurs“ Anregungen holen.

Die Bekannte ist nicht der erste Mensch, dessen Sterben sie begleitet. „Meine Mutter war demenzkrank“, erzählt sie. „So ein Kurs hätte mir damals sehr geholfen.“

Annette Knelange-Marx hat gleich zwei Gründe, den Kurs zu absolvieren. „Ich habe meinen Vater gepflegt“, sagt sie, „er hatte Alzheimer.“ Außerdem arbeitet sie beruflich mit Senioren. „Wir sind viel mit älteren Menschen zusammen“, sagt sie, „deshalb hat mich das Thema interessiert.“ Da der „Letzte Hilfe Kurs“ das Basiswissen für eine sorgende Gesellschaft vermittelt, wird die Hospizbewegung Hilden ihn nun regelmäßig anbieten.

. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.hospizbewegung-hilden.de.