Historische Lokalzeitungen stehen jetzt im Internet

Dort sind auch historische Lokalzeitungen aus Hilden und Haan zu finden: Fundgrube im Internet für Historiker

Die Stadtarchive Hilden, Haan und Velbert nehmen als erste im Rheinland an dem Landesprojekt teil.

Historische Zeitungen sind eine wichtige Quelle  für die Erforschung der Orts- und Regionalgeschichte. „Allerdings sind sie oft schwer zugänglich und aufgrund des minderwertigen Trägermaterials stark vom Papierzerfall bedroht“, erläutert Heike Bartel-Heuwinkel, wissenschaftliche Referentin beim Archivberatungszentrum des Landschaftsverbands Rheinland.

Deshalb stellt das Land jetzt rund 200\.000 Euro bereit, um in einem ersten Schritt rund 100 verfilmte historische Zeitungen aus den Jahren 1862 bis 1944 zu digitalisieren – und ins Internet zu stellen. Unter www.zeit.punktnrw kann jeder die Zeitungen jetzt zur Recherche nutzen – und das auch noch kostenfrei.

Das seit 1869 erschienene Rheinische Volksblatt ist in Hilden beinahe lückenlos erhalten. „Es sind die Zeitungen, die im Hildener Stadtarchiv am häufigsten genutzt werden“, erläutert Stadtarchivar Wolfgang Antweiler: „Wir wollen kundenfreundlich sein. Deshalb beteiligen wir uns.“

Wer in historischen Zeitungen stöbern will, kann sie nicht mehr in die Hand nehmen. „Das Zeitungspapier war gruselig schlecht“, berichtet Antweiler. Deshalb wurden die Bestände verfilmt. In Hilden kann sich der Archivbesucher einen Artikel ausdrucken lassen. In Haan und Velbert wurden die nötigen Geräte aus Kostengründen gar nicht angeschafft.

In Langenberg erschien ab 1849 die erste und damit älteste Lokalzeitung im Kreis Mettmann, berichtet Velberts Stadtarchivar Christoph Schotten: „Durch Zufall ist ein großer Bestand erhalten geblieben.“

  • Hilden/Haan : Alte Lokalzeitungen kommen ins Netz

In Haan hat Birgit Markley die ab 1891 erschienene Haaner Volkszeitung archiviert: „Bis auf die ersten fünf Jahrgänge ist der Bestand vollständig. 1941 übernahm das NSDAP-Organ „Rheinische Landeszeitung“ die Lokalzeitung.“ Besonders interessant seien die (Geschäfts-)Anzeigen und amtlichen Verlautbarungen: „Im Jahrgang 1917 kann man sehr anschaulich sehen, wie der Erste Weltkrieg das tägliche Leben in der Heimat bestimmt hat. Historische Lokalzeitungen sind eine sehr spannende, lebendige Quelle.“

Amtliche Akten und Dokumente zeigten häufig nur eine Sicht der Dinge, meint Christoph Schotten: „Polizeiberichte etwa oder Vereinsnachrichten findet man nicht in amtlichen Akten. Wenn man aber die Akten und die historische Lokalzeitung zusammen nimmt, bekommt man einen viel besseren Eindruck von den tatsächlichen Ereignissen.“

Bis Mitte 2019 sollen bereits über 100 historische Lokalzeitungen aus Nordrhein-Westfalen im Internet verfügbar sein – sogar mit Suchfunktion. Das neue Zeitungsportal werde nicht nur den historisch interessierten Laien, sondern auch Forschern ganz neue Möglichkeiten eröffnen, begeistert sich Hildens Stadtarchivar Wolfgang Antweiler: „Wie ist ein Ereignis an verschiedenen Orten aufgenommen worden? Solche Fragen lassen sich heute nur mit einer sehr aufwendigen Recherche an verschiedenen Orten beantworten.“

In der ersten Pilotphase sollen rund 5000 Mikrofilme mit sechs Millionen Zeitungsseiten digitalisiert und ins Netz gestellt werden. Sie bilden einen repräsentativen Querschnitt durch die nordrhrein-westfälische Presse von 1800 bis 1945\.

Zu den Titeln, die man jetzt zum Start bereits dort finden kann, gehören unter anderem die Aachener Allgemeine Zeitung, die Bürener Zeitung, die Godesberger Volkszeitung, der Kölner Lokal-Anzeiger, die Mettmanner Zeitung, die Münsterländische Volkszeitung, der Paderborner Anzeiger, das Rheinische Volksblatt, der Sauerländische Anzeiger, die Schwerter Zeitung, der Sieg-Bote, die Velberter Morgen-Zeitung.

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