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Hildens Wahrzeichen braucht Förderer

Reformationskirche : Hildens Wahrzeichen braucht Förderer

In Hilden gibt es rund 160 Vereine und Verbände. Nicht alle sind bekannt. Heute stellen wir den Förderverein Reformationskirche vor.

Die Reformationskirche am alten Markt ist das Wahrzeichen Hildens – und ein kulturhistorisches Bauwerk von hohem Rang. Die rund 800 Jahre alte Kirche zählt neben zwei weiteren Kirchen in Neuss (Quirinus Münster) und Essen (Abteikirche St. Ludgerus) zu den bedeutendsten, im romanischen Stil erbauten Emporenbasiliken am Niederrhein. „Die um 1225 erbaute Kirche, die als St. Jakobus bis 1650 ein katholisches Gotteshaus war, steht auf den Grundmauern einer noch älteren fränkischen Langkirche“, erklärt Pfarrer Ole Hergarten. Er hätte die Historie gern künftig wissenschaftlich aufgearbeitet.

Damit dieses bedeutende Denkmal substantiell erhalten bleibt, muss einerseits viel Geld aufgewandt werden, andererseits ist aber auch Engagement von Menschen, die dieses Bauwerk wertschätzen, erforderlich. Dieses Engagement ist im Verein der Freunde und Förderer der Reformationskirche gebündelt, der im Jahr 2000 gegründet wurde. „Unser Ziel und Vereinszweck sind die Erhaltung, die Gestaltung und die Einrichtung der Kirche zu fördern“, sagt Hans-Peter Schulz, der 2017 zunächst neben dem Gründungsvorsitzenden Horst Dieter Bruch zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde und schließlich seit 2019 dem Verein vorsitzt. „Wir schaffen das über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Veranstaltungen“, so Schulz, der das bisherige Spendenaufkommen für die Kirche auf rund 60.000 Euro beziffert.

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Der eigentliche Anlass für die Vereinsgründung lag im sogenannten Sägeausschuss des Presbyteriums begründet. „Damals ging es darum, die durchgehenden Bänke zu teilen, um mit einem Mittelgang liturgischen Anforderungen, etwa bei Hochzeiten, besser gerecht zu werden“, erklärt Pfarrer Ole Hergarten. Nach den eher rustikalen Schreinerarbeiten beteiligte sich der Förderverein ideell und finanziell an zahlreichen weiteren baulichen Maßnahmen wie der Sanierung des Kirchturms, der Erneuerung der Prinzipalstücke wie Altar, Kanzel, Taufbecken und Lesepult sowie Elektrik und Beleuchtung. Auf der baulichen Agenda von Förderverein und Pfarrer Ole Hergarten steht noch die gestalterische Idee einer Erinnerungstaufecke sowie die künstlerische Neuverglasung zweier Fenster im Kirchenschiff rechts neben der Apsis. „Abgesehen von regelmäßigen Reparaturen, etwa an den Fugen der Bruchsteinwände, die übrigens nicht dem Originalzustand entsprechen, sind wir fast durch“, erklärt Pfarrer Ole Hergarten. Die Renovierungsarbeiten dienen jedoch nicht nur der Erhaltung der Substanz, sondern sie sollen auch neue Nutzungsmöglichkeiten für die Kirche eröffnen. „So haben durch den Kontakt zu Peter Baumgärtner, der die Hildener Jazztage leitet, hier auch schon sehr schöne, akustisch beeindruckende Jazzkonzerte stattgefunden. Und wir wollen sehen, ob wir im sanierten Turmraum zukünftig nicht auch kleine Kunstausstellungen veranstalten können“, sagt Schulz, der als promovierter Pädagoge bei jeder baulichen Veränderung auch immer eine Öffnung der Kirche besonders für junge Menschen im Blick hat. Für eine Öffnung haben in der Nicht-Corona-Zeit auch immer ehrenamtliche Vereinsmitglieder gesorgt, die kundige Führungen durch die Kirche angeboten haben. Der größte Wunsch ist jedoch, dass alsbald wieder zu Präsenz-Gottesdiensten zurückgekehrt werden kann. Die alte Kirche verfügt dazu über beste Voraussetzungen. „Wenn wir hoch oben zwei Fenster öffnen, dann erzeugen wir einen kräftigen Luftzug, der eine potenzielle Gefährdung durch Aerosole stark minimiert“, lobt Hergarten schmunzelnd die ausgefeilte Lüftungstechnik des Mittelalters.