Hildens „Krone“ hat eine bewegte Geschichte

Hilden: Hilden hat die „Krone“ verloren

In der Gaststätte tagte lange der Stadtrat, feierten Hildener und Briten.1959 wurde das Fachwerkhaus abgerissen. Heute gehört das Grundstück der Drogerie-Kette Müller.

An der Kreuzung zweier alter Handelsstraßen eröffnete im 17. Jahrhundert der Wirt und Amtsjäger Johann Christian Kemperdiek an der Kuhle die Gaststätte „Krone“. 1825 wurde dort die erste Poststelle eingerichtet. Adolf Bausenhaus war dort bis 1857 Wirt und Postexpediteur. Vor seiner Tür machten die Wagen auf dem Weg von Benrath nach Solingen mehrmals am Tag Station, brachten Neuigkeiten und Reisende mit. Mit immer neuen Ideen sorgte Edmund Bausenhaus dafür, dass ihm die Gäste nicht ausgingen. So ließ er 1869 das erste Fahrrad vorführen und lockte damit zahlreiche Schaulustige an.

Doch erst einer seiner Nachfolger, August Gressard, machte den Kronengarten (an ihn erinnert heute noch der Straßenname) weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Er war Mitbegründer des deutsch-ungarisch-österreichischen Geflügelzuchtverbandes – und stellte ab 1873 zahlreiche seltene Vogelarten (Fasane, Pfauen, Tauben und Perlhühner) in Volieren in seinem Wirtshaus-Garten aus. Das brachte dem Biergarten den Namen „Fauna“, ihm den Spitznamen „Hühner-August“ und seinem Betrieb schöne Einnahmen ein.

Wagen vor dem britischen Offiziersklub „Crossed Keys“ im Hotel zur Krone Mittelstraße 17. Foto: Stadtarchiv Hilden

Im Hotel-Restaurant „Zur Krone“ wurde viele Jahre Politik gemacht. Im Saal tagte ab 1853 der Gemeinderat. Hier arbeitete der junge und sehr energische Bürgermeister Albert Koennecke (1851-1865) an der Erhebung Hildens zur Stadt. Am 18. November 1861 unterzeichnete der preußische König Wilhelm I. in Berlin die Urkunde über die „Verleihung der Rheinischen Städteordnung an die Gemeinde Hilden“. Hilden hatte prominente Fürsprecher wie den Bankier Karl von der Heydt aus Elberfeld. Er bestätigte, dass „die Gemeinde Hilden, begünstigt durch ihre Lage und durch ein ungewöhlich schnelles Aufblühen der Industrie schon seit Jahren in ihrer ganzen Erscheinung das Ansehen einer Stadt gewonnen hat“.

Bürgermeister Albert Koennecke Foto: Stadtarchiv
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Jetzt brauchte die Stadt ein repräsentatives Rathaus. Lange wurde über den Standort diskutiert – wieder im Saal der „Krone“. Erst am 18. Dezember 1900 eröffnete Bürgermeister Karl Wilhelm Heitland die erste Ratsversammlung im neuen Rathaus (heute Bürgerhaus) an der Mittelstraße 40. Es war übrigens ohne Baugenehmigung errichtet worden. Erst im letzten Moment wurde der „Schwarzbau“ nachträglich legalisiert.

Gressards Nachfolger J.P. Jansen richtete in der Krone ein fensterloses Zimmerchen ein, die „Bleikammer“. Dort konnten die Gäste auch nach der Sperrstunde weiter zechen. „Von der Deutschen Bierfass-Automaten-Gesellschaft Lübeck ist mir der Alleinausschank für Hilden und Umgebung übertragen worden“, warb Jansen stolz in einer Anzeige 1898. Nach 1945 richteten die britischen Besatzungstruppen (in der Waldkaserne stationiert) in der Krone den Offiziersclub „Crossed Keys“ ein. Nach ihrem Abzug wurde das Fachwerkhaus an die Stadt zurückgegeben. Am 27. Februar 1959 machten Bagger es dem Erdboden gleich. Die alten Balken konnten sich Bürger für zehn Mark pro Lkw-Ladung als Brennholz nach Hause liefern lassen.

1960 wurde auf dem Krone-Grundstück das Kaufhaus „Central“ errichtet. 1972 musste es Karstadt weichen. 2005 wurde die Immobilie des kriselnden Kaufhaus-Konzerns verkauft – an den europäischen Immobilienfonds Dawnay und Day Principal Investments sowie den britischen Handelsinvestor Hilco. 2007 zog dort das Kaufhaus Hertie ein. Zwei Jahre später war aber schon wieder Schluss. Das City-Kaufhaus, das folgte, konnte sich nur ein halbes Jahr halten. Von 2010 bis 2015 stand das Gebäude leer. Dann kaufte die Drogerie-Kette Müller aus Ulm die Immobilie, investierte und modernisierte. Auf 3122 Quadratmetern, auf zwei Etagen bietet Müller seit Dezember 2015 „Deutschlans größtes Drogeriesortiment“ an. Die obere Mittelstraße hat seitdem wieder einen Besucher-Magneten. Happy End für den Einzelhandelsstandort nach vielen Krisenjahren.

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