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Hildenerin Nicola Tang kritisiert Entscheidung des Schulministeriums

Dolmetscherin aus Hilden begeistert Kinder für Sprache : Englisch ab Klasse 3: ,Das ist eine Rolle rückwärts’

Nicola Tang bietet erfolgreich spielerische Englischkurse in Kindergärten an. Die Entscheidung des Schulministeriums, Englisch aus den ersten Schuljahren zu streichen, ist für sie ein Fehler: „Mit Sprachen kann man nicht früh genug beginnen.“

Alle Kindergartenkinder können eigentlich schon ein bisschen Englisch. Sie sagen „T-Shirt“ und „Jeans“, kennen „Computer“ und „Pullover“ und benutzen diese Wörter ganz selbstverständlich in ihrem Alltag. Wenn Nicola Tang ihnen verrät, dass sie damit Englisch sprechen, sind sie begeistert – und diese Begeisterung hält das ganze Vorschuljahr an, in denen die Diplom-Kauffrau, Dolmetscherin und Mutter in Hildener Kindergärten auf spielerische Weise Englischkurse anbietet. Die Entscheidung des NRW-Schulministeriums, Englisch künftig erst ab der dritten Klasse anzubieten, war für Nicola Tang ein Schock. „Damit habe ich nicht gerechnet. Das ist für mich eine Rolle rückwärts und die falsche Entscheidung.“ Sie sagt: „Mit Sprachen kann man nicht früh genug anfangen.“

Seit zehn Jahren ist Nicola Tang mit „Sparky“, ihrem Englisch sprechenden Stoffdrachen, einmal pro Woche in mittlerweile vier Hildener Kitas unterwegs. „Damals konnten Vorschulkinder wenige Worte auf Englisch. Die Kinder, die ich jetzt erlebe, können eigentlich alle bis zehn zählen, viele englische Worte sprechen und singen mir ,meine’ Lieder vor.“ Die spielerische Herangehensweise und die Freiwilligkeit, auf der die Kurse beruhen, sind das Erfolgsrezept der engagierten 50-Jährigen, der bei jedem Satz anzumerken ist, wie sehr sie für ihre Sache brennt. Unter Berücksichtigung von Alter und Aufnahmefähigkeit der Kinder habe sie in all der Zeit kein einziges Kind erlebt, das nicht mit leuchtenden Augen ein ganzes Vorschul-Jahr mitgemacht und dann stolz eine Urkunde für seine Kindergartenmappe in Empfang genommen habe.

Nach der Einschulung sollen sich die Kinder nach dem neuen Lehrplan für Grundschulen allerdings dann erst einmal auf die Fächer Deutsch und Mathe fokussieren, für Englisch sei danach noch Zeit. Nicola Tangs Anruf im Schulministerium ergab den Grund für diese Aussage: Einer Studie zufolge seien Neuntklässler, die von Schulbeginn an Englischunterricht bekamen, nicht besser in Englisch als Mitschüler, die dieses ab der dritten Klasse vermittelt bekamen. „Das mag für das Schriftliche stimmen, aber bezüglich der Aussprache auf keinen Fall“, betont Tang. Denn: Je jünger die Kinder seien, desto leichter falle es ihnen, lautmalerisch die neue Sprache nachzuahmen und beispielsweise zunächst Worte wie „Mound“ (für Mond) zu erfinden, da sie schnell ein Gefühl entwickelten, wie die englische Sprache funktioniert.

Ob Kinder mit Lerndefiziten, Verhaltensauffälligkeiten oder Migranten – auch und oft sogar gerade diese Kinder erzielten in der halben Stunde Englisch pro Woche in einer kleinen Gruppe großartige Erfolge. „Mit Lob für auffällige Kinder, wovon sie sonst wenig erhalten, und mit der Sprachbegabung von Kindern, bei denen Deutsch nicht die Muttersprache ist, lässt sich hier viel bewegen.“ Mädchen und Jungen im Kindergartenalter saugten gierig Wissen auf. Und ihren Eltern sei es zunehmend wichtig, dass ihre Kinder früh an die Weltsprache Englisch herangeführt werden. „Oft üben sie zu Hause schon ein wenig und begrüßen das Angebot, das immer mehr Kitas anbieten, sehr.“ Die Entscheidung für Englisch ab der dritten Klasse hinterlasse eine Lücke zwischen dem Englisch im Kindergarten und der Schule. „Außerdem verpasst man die Chance, Englisch in den ersten beiden Schuljahren spielerisch anzubieten. Ab Klasse 3 wird ja direkt benotet.“

Bei ihrem Wunsch, Kindern das Englischlernen ab der ersten Klasse weiter zu ermöglichen, geht es Nicola Tang nicht um sich selbst oder ihren Job. „Mir geht es darum, dass Entscheidungen nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden.“ Sie hofft: „Vielleicht wird die Entscheidung ja wieder rückgängig gemacht, so war es ja auch bei dem Schritt von G 8 zurück zu G 9.“