Hildener Schüler singen von Freundschaft und Toleranz

Musical : Schüler singen von Freundschaft und Toleranz

Die Aula des Helmholtz wird Schauplatz für eine Geschichte, die aufräumt mit Vorurteilen. Der Grundschulverband Schulstraße, die Arche und das Mäusenest führen mit der Musikschule das Musical Tuishi Pamoja auf.

Eine jener klassischen Geschichten: Sich fremd sein, dem Fremden begegnen, gegenseitige Wertschätzung. Diese einfache Dreisatzformel, sie ist von höchster Aktualität, gegenwärtig gesellschaftlich und politisch brisanter denn je. Und weil Erwachsene dazu neigen, Einfaches noch komplizierter zu machen, posaunen etwa 300 Grundschüler der GGS Schulstraße und der Walter-Wiederhold-Schule samt einigen Kindern des Familienzentrums „Die Arche“ und der Kita „Mäusenest“ in der Aula des Helmholtz-Gymnasium ihre Botschaft hinaus in die Halle: „Tuishi Pamoja (Swahhili) – Wir wollen zusammen leben“.

Doch zurück an den Anfang. Es ist die Bongo von Kiki Hansen-Freitag, die, zunächst ungehemmt und wild, dann zart und zurückhaltend, im Foyer des Gymnasiums die kleinen Äffchen in Stimmung bringt. Ungezähmt springen die heranwachsenden Primaten im dumpfen Rhythmus um die charismatische Musikpädagogin herum. Sie sind bereit, sie sind in Stimmung. Im selben Moment schleicht sich – fast unbemerkt – der in Lehrer- und Schülerfachkreisen berühmt berüchtigte Leisefuchs unter die Wilden: Die Trommeln verstummen, die zappelnd süßen Giraffen, Zebras und Löwen in der Pausenhalle halten den Atem an. Die Türen der Aula öffnen sich. Einmarsch. Stille.

Und plötzlich sind sie wieder da, die tänzelnden Affen, diesmal angeführt von ihrem Affenoberhaupt Ina van Stiphaut, schrilles Brüllen, heiße Beats. Das Publikum klatscht hemmungslos mit. Und schon das Eingangslied, das der Chor der Einheimischen einfühlsam brachial, unterstützt von der „Savannen-Band“ unter Leitung von Michele Nigliazzo, in die Gesichter der Mitschwingenden hineinsingt, lässt das Ende der Erzählung erahnen: Wir erzählen euch hier und heute die Geschichte der Freundschaft.

Und da es weiterhin nicht unnötig  kompliziert werden soll an diesem Samstagvormittag, jedoch alle Großen wissen wollen, wie genau das funktioniert mit der Grenzen überschreitenden Freundschaft, erklärt Raffi, das Giraffenkind – gespielt von Leon Pasoglu – es ganz einfach auf seine Weise: „Eigentlich finde ich Streifen gar nicht so hässlich. Mal was anderes, als immer nur diese Punkte.“ Ein erstauntes Raunen wabert für einen kurzen Moment durch das Herz des Helmholtz. Eine Giraffe befreundet mit einem Zebra? Geht das denn? Die Möglichkeit des Unüberwindbaren scheint zum Greifen nahe. Theoretisch.

Wenn da nicht die gierigen Löwen wären, die, mit aggressiv antreibendem Progressivrock in ihrer Mähne, die Zebraherde schlagartig auseinandertreiben und den Traum eines freundschaftlichen Miteinanders zunichtemachen. Vorerst. Aber allen Hindernissen und Steinen, die im Wege liegen, zum Trotze, kommt es am Ende der Geschichte, wie es kommen muss: Mithilfe der drei Erdmännchen Tatu, Mbili und Moja – gespielt von Matti Gottfried, Jwana Al Obaisi und Max Schumann –, schaffen es die mit vielen Vorurteilen belasteten Herden der Giraffen und Zebras zusammen mit den doch gar nicht so gefährlichen Löwen miteinander auf der Bühne zu stehen, ohne sich zu zerfleischen.

Und während sich im Foyer der Aula die kleinen Äffchen im Takt der Bongo auf die zweite Vorstellung einschaukeln, fällt jedwede Anspannung im Saal, bahnt sich für einen magischen Moment die fundamentale Erkenntnis ihren Weg: „Tuishi Pamoja! Lasst uns Freunde sein.“