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Analyse: Hildener AfD sieht "keinen Rechtsruck"

Analyse : Hildener AfD sieht "keinen Rechtsruck"

Beim Bundesparteitag in Essen verlor der Haaner Parteigründer Bernd Lucke den Machtkampf mit Frauke Petry. Sie vertritt den nationalkonservativen Flügel und ist jetzt alleinige Chefin. Was heißt das?

Beobachter sind sich einig: Der Sieg von Frauke Petry über Bernd Lucke sei als "Rechtsruck" der "Alternative für Deutschland" zu werten. Davon wollen AfD-Fraktionsvorsitzender Ralf Bommermann und AfD-Stadtverbandsvorsitzender Heimo Haupt nichts wissen. Zwar habe die Führung der AfD gewechselt, nicht aber das Programm. "Ich sehe aktuell keinen konkreten Rechtsruck", sagt Bommermann. "Im Moment gibt es viel Mediengetöse, um schlechte Stimmung zu verbreiten. Man muss erst einmal abwarten, was Frauke Petry macht." "Ich bin gelassen", betont auch Heimo Haupt: "Mit uns wird es in Hilden keinen Rechtsruck geben." Bei der Kommunalwahl 2014 erhielt die AfD 1,2 Prozent der gültigen Stimmen (285). Das reichte für einen Sitz im Stadtrat. Gewählt war Bernd Hoppe. Er wusste kaum, wie ihm geschah. Politisch ist der Jurist (45) ein unbeschriebenes Blatt. Deshalb war von der AfD anfangs nichts zu hören. Das änderte sich, als Ratsmitglied Ralf Bommermann die Allianz für Hilden verließ, sein Mandat mitnahm und der AfD beitrat.

Dadurch bekam die AfD Fraktionsstatus - und einen Fraktionsvorsitzenden: Ralf Bommermann. Im Gegensatz zu Hoppe tummelt sich der promovierte Jurist bereits seit 20 Jahren in der Kommunalpolitik. Er war schon Bürgermeister-Kandidat der CDU, wechselte dann mit Mandat zu den "Unabhängigen" und von dort zur "Allianz für Hilden". Sie zog mit ihm 2014 als Spitzenkandidat in den Wahlkampf. Mit Bommermann hat die AfD-Fraktion zweifellos politisch an Profil gewonnen. Kein Kunststück, würden böse Zungen behaupten: Vorher hatte die AfD überhaupt kein kommunalpolitisches Profil. Seit 14 Tagen gibt es auch einen Hildener Stadtverband der AfD. Die genaue Zahl der Mitglieder will Vorsitzender Heimo Haupt (zugleich auch Vize-Kreisvorsitzender) nicht nennen ("noch keine 100"). "Hilden ist der zweitgrößte Stadtverband im Kreis." Er sei immer noch ein Liberaler, betont Haupt: "Das ist meine Grundhaltung." Bekannt wurde er durch das erfolgreiche Bürgerbegehren gegen die Umgestaltung des alten Marktes. Er trat der FDP bei, wechselte dann zu den Freien Liberalen und von dort zur Allianz für Hilden. "Wir sind Lokalpolitiker. Für uns sind Hildener Themen entscheidend", betont Haupt. "Wir wollen eine bürgernahe Politik, die auf die Bürger hört und sie mitnimmt." Das klingt fast so, als wenn die AfD Hilden kaum etwas mit der Bundespartei und ihrem neuen Kurs zu tun habe.

Das fällt schwer zu glauben.

(RP)