Vor 100 Jahren Teures Telefon und billiger Fisch

Hilden · Drei Minuten nach Benrath telefonieren? Das kostete vor 100 Jahren 10 Millionen Mark. In den Zeitungen von damals finden sich noch andere Nachrichten, die aufhorchen lassen...

 Nur ein Stück Papier, aber mit einer stolzen Summe: Notgeld nannte man diesen Schein.

Nur ein Stück Papier, aber mit einer stolzen Summe: Notgeld nannte man diesen Schein.

Foto: Stadtarchiv Hilden

Wie haben die Menschen vor 100 Jahren gelebt? Was hat sie bewegt? Wir haben in der heute vor 100 Jahren erschienenen Ausgabe des Rheinischen Volksblattes Hildener Zeitung und Tageblatt nachgeschaut.

Steigende Arbeitslosenraten – für den Raum Düsseldorf werden 25.000 Erwerbslose angegeben – sind nach dem Abbau der Ruhrhilfe ein zunehmendes Problem. Die Zeitung meldet, dass Telefongebühren weiter steigen: Für Telegramme werden 16 Millionen Mark Grund- und 10 Millionen Mark Wortgebühr erhoben, ein Ortsgespräch kostet 10 Millionen Mark und „ein einfaches Dreiminutengespräch mit Benrath 10 Millionen Mark“, solche mit Solingen, Ohligs oder Opladen das Doppelte. Ziegen verschwanden „auf der Nordseite unserer Stadt“ aus Viehställen. Bei der Bergischen Metallwarenfabrik wurden Leder-Treibriemen gestohlen und das Unternehmen setzt eine Belohnung von 15 Milliarden Mark „eventuell mehr“ aus für Hinweise, die zur Wiedererlangung führen.

Die ungemeine Preissteigerung spiegelt sich auch im Anzeigenteil wider: Da wird eingeladen zu einer „Freiwilligen Versteigerung“– ein Herrenzimmer, dunkel Eichen, bestehend aus Chaiselongue, Tisch, Bücherschrank, Diplomaten-Schreibtisch, Dauerbrenner und zwei Stühlen wird öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert. Die Fischhalle an der Klotzstraße 13 weist auf frische Grüne Heringe, Schellfisch und Rotbarsch hin. Zum Preis heißt es „Billig! Billig!“

Im Zentrum der Seite steht eine Anzeige von Persil. Darin wird der Weg aufgezeigt, das Waschmittel „so zu verwenden, wie es den größten Nutzen bringt“: Mittel in kaltem Wasser auflösen, Wäsche einweichen und langsam zum Kochen bringen. Gut spülen, erst warm, dann kalt. Und im Hildener Theater laufen der Kunstfilm „Der Trompeter von Säckingen“, die Groteske „Butterkohl auf der Schmetterlingsjagd“ oder „Die Geier Wally“.

Und schließlich ist da die Annonce von „Frau Kohnen, Hochdahlerstraße 206“: „Die Äußerung, die ich gegen Frau Loh, Hochdahler Straße, getan habe, nehme ich hiermit zurück“. -dts

(RP)
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