Hilden und Warrington wollen Neustart

Hilden : Hilden und Warrington wollen Neustart

Die Partnerschaft besteht seit 50 Jahren. Und war etwas eingeschlafen. Jetzt soll der Austausch neu belebt werden, sind sich die Stadträte einig.

Nach zwei furchtbaren Kriegen mit Millionen Toten haben Städtepartnerschaften viel dazu beigetragen, dass ehemalige Feinde, die früher aufeinander geschossen haben, sich wieder näher kamen. Soldaten des Lancashire Regiments in der Waldkaserne freundeten sich mit Hildenern an. Daraus entstand die Partnerschaft Hilden – Warrington, die die Bürgermeister Robert Gies und Arthur Boyle am 22. Mai 1968 feierlich besiegelten.

Das ist 50 Jahre her. Europa hat seitdem große Fortschritte gemacht: gemeinsame Währung, freier Waren- und Personenverkehr. Viele halten diese Vorzüge inzwischen für selbstverständlich, empfinden die Regeln der Gemeinschaft jedoch zunehmend als Bevormundung und wollen lieber ihr eigenes, nationalistisches Ding machen. Großbritannien hat sogar für den Ausstieg, den Brexit, gestimmt. Inzwischen wird immer mehr Briten klar, was sie da getan haben. Viele wollen in der EU bleiben. Dazu gehören auch Warringtons Bürgermeisterin Karen Mundry und Russ Bowden, stellvertretender Vorsitzender des Stadtrates. Sie waren am Wochenende mit einer Delegation in Hilden und haben gemeinsam mit den hiesigen Stadtverordneten über die Zukunft ihrer Partnerschaft nachgedacht

. Ergebnis: „Alle wollen weitermachen“, sagt Ludger Reffgen (BA), Vorsitzender des Paten- und Partnerschaftsausschusses: „Wir wollen die Städtepartnerschaft, die unter Ermüdungserscheinungen litt, gemeinsam neu beleben.“ „Wir wollen beide das Gleiche“, bekräftigt Warringtons Bürgermeisterin Karen Mundry. „Durch den Brexit wird die Freundschaft noch wichtiger“, ist Russ Bowden überzeugt, der zum ersten Mal in Hilden ist: „Ich habe versucht zu verstehen, was die Partnerschaft für Hilden bedeutet.“

Der gemeinsame Zug durch die Lokalitäten der Gemeinde soll bis in den frühen Morgen gedauert haben. Kein schlechtes Zeichen: Offenbar hat man sich auch nach 50 Jahren immer noch viel zu erzählen.

„Wir wollen neu durchstarten“, versichert auch Hildens Bürgermeisterin Birgit Alkenings. Mit welchen Projekten? Das müssten jetzt die Stadträte in beiden Städten entscheiden. Klar ist nur: „Die Bürger müssen mehr Nutzen von dieser Partnerschaft haben“, betont Ludger Reffgen. Städtepartnerschaften lebten von der Freundschaft der Beteiligten. Sie werde vor allem von persönlichen Beziehungen getragen und nicht von der Mitgliedschaft beider Staaten in ein- und derselben politischen Gemeinschaft. „Das Geld ist bei uns knapp“, gibt Bowden zu. „Wir müssen mit geringen Mitteln auskommen“, sagt auch Birgit Alkenings. Gefragt sind also in erster Linie gute Ideen.

Warrington liegt ähnlich wie Hilden zwischen zwei Großstädten (Liverpool und Manchester) und ist ein Wirtschaftszentrum mit Eisenbahnknotenpunkt. Aber mit rund 210.000 Einwohnern ist Warrington (durch Eingemeindung) mehr als viermal so groß (Stadtgebiet: 180 Quadratkilometer, Hilden 26).

„Wir können voneinander lernen, Probleme zu lösen“, meint Alkenings. Warrington wolle sich jetzt eine kommunale Bank zulegen: „Als ich erzählt habe, dass wir seit 150 Jahren eine Sparkasse haben, war der stellvertretende Stadtdirektor total überrascht.“ In Warrington gibt es fünf verschiedene Verkehrsbetriebe, jeder mit eigenen Tickets. „Gewinnträchtig sind aber nur wenige Strecken“, hat Hildens Bürgermeisterin beobachtet: „In Großbritannien hat man die Liberalisierung des Marktes sehr weit getrieben. Für mich ist das eher ein Beispiel, wie man den öffentlichen Nahverkehr nicht organisieren sollte.“

Der Jugend- und Kulturaustausch zwischen beiden Städten klappt ganz gut. Gerade ist wieder das „Warrington & District Youth Orchestra“ in Hilden zu Gast. Nach einem gemeinsamen Probewochenende in einer Jugendherberge mit der Jungen Sinfonie Hilden (ein Zusammenschluss der städtischen Musikschule mit den Schulorchestern der beiden Hildener Gymnasien) geben die jungen Musiker am morgigen Mittwoch, 24. Oktober, um 18.30 Uhr in der Aula des Evangelischen Schulzentrums an der Gerresheimer Straße 74 ein Konzert. Die jungen Briten leben für ein paar Tage in Gastfamilien, lernen den „German Way of Life“ kennen und ihre Gastgeber verbessern ganz nebenbei ihre Sprachkenntnisse. Über die Jahre sind so viele persönliche deutsch-englische Freundschaften entstanden. Und bei jeder Begegnung kommen neue hinzu.

Angehende Informationstechnische Assistenten am Berufskolleg Hilden machen regelmäßig acht Wochen Praktikum in Warrington – bei verschiedenen Unternehmen und in öffentlichen Einrichtungen. Die Schüler erhalten einen realistischen Einblick in die IT-Arbeitswelt und verbessern ihr Englisch. Das ist gelebte Partnerschaft.

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