Hilden und Haan:So stellen sich Banken auf Senioren ein

Altern in Hilden : So stellen sich Banken auf Senioren ein

Hildener soll vier Euro pro Überweisung zahlen, weil er durch Krankheit gehandicapt ist.

Fehlende Affinität zur Technik ist es nicht, vielmehr die mit dem Alter fortschreitende Krankheit, die dem Hildener Probleme am Bankautomaten bereiteten. Er wollte ein paar Rechnungen begleichen und die Überweisungen ausfüllen – doch die Hand blieb nicht ruhig, die Finger verfehlten die Tasten.

Hilfe suchend wandte er sich an eine Mitarbeiterin der Deutschen Bank – doch das sollte ins Geld gehen: Vier Euro Gebühr sollten pro Überweisung anfallen (ab 9. Dezember acht Euro), von denen der Kunde vier Stück hatte. Eine über lediglich elf Euro. „Ich bin erbost und wirklich sauer“, erklärte der Mann.

Solche Kosten sind allerdings gängige Praxis bei vielen Banken und fallen immer dann an, wenn die Überweisung komplett manuell vom Mitarbeiter erfasst werden muss, ohne vorgefertigten Zahlungsbeleg. „Aufgrund der Vielzahl von Möglichkeiten, Überweisungen kostenfrei rund um die Uhr und auch am Wochenende zu erledigen (u.a. über das Online- und Mobile-Banking, am Sprachcomputer oder am SB-Terminal in der Filiale), kommt die Vorlage einer Rechnung oder Überweisung am Filial-Schalter in der Praxis kaum noch vor“, erklärt ein Sprecher der Bank.

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Filiale sind zudem bestrebt, Kunden die gebührenfreie Überweisung am SB-Terminals zu zeigen, indem sie beispielsweise mit älteren Kunden die Erfassung am SB-Terminal gemeinsam ,üben’. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht, Berührungsängste bei älteren Kunden abzubauen.“

In den Kreisstädten sind durchschnittlich jeweils knapp ein Viertel der Einwohner älter als 65 Jahre (Stand 2017). Die Barrierefreiheit in den Filialen der hiesigen Banken, Sparkassen und Volksbanken ist gegeben. Die Terminals sind mit Braille-Tastaturen sowie Sprachausgabe in der Menüführung ausgestattet.

Wie ein Sprecher der Deutschen Bank erklärt, hänge die Auswahl des Bank- und Anlagenprodukts von der persönlichen Situation des Kunden ab, nicht aber von dessen Alter.

Das bestätigt auch ein Sprecher der Sparkasse, die zwei Giro-Konto-Modelle anbietet, die sich an der Intensität der Nutzung orientieren. Beide Banken versichern, eine kompetente und altersgerechte Beratung anzubieten und gerade Senioren ebenfalls an die neuen technischen Möglichkeiten, von Online- und Mobil-Banking, über telefonische Überweisungen bis hin zum Videochat für Beratungsgespräche, heranzuführen.

Diese neuen Optionen unterstützen zum Beispiel Menschen mit geringer Mobilität oder körperlichen Einschränkungen, weshalb auch die ältere Altersgruppe zunehmend ort- und zeitunabhängige Services in Anspruch nehme, so die Sprecher.

Spezielle Termine in zum Beispiel Senioreneinrichtungen stehen allerdings nicht auf der Agenda der Banken. Doch Beratung in den eigenen vier Wänden gehöre, so die Sprecher der Deutschen Bank und der Sparkasse, zum allgemeinen Servicepaket. Zielgruppe sind dabei nicht nur Senioren, sondern auch Eltern mit Kind.

Eine Besonderheit bietet zudem die Sparkasse: Bargeldtransporte nach Hause. Seit fünf Jahren besteht das Angebot in Hilden, die Nachfrage sei allerdings „sehr gering“, so der Pressesprecher. „Oft werden innerhalb des Freundes- oder Familienkreis Lösungen gefunden.“

Die Mehrheit der Älteren hat heute ein Smartphone. Mittels Sparkassenapp können auch Fotos von Überweisungsscheinen gemacht werden, die dann automatisch ins System übertragen und per Tan autorisiert werden. Diese Funktion haben die anderen Banken in ihren Apps ebenfalls integriert. Damit lassen sich Überweisungen schnell und unkompliziert erfassen. Die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert bietet für ihre Kunden kostenfrei Bedien-Kurse für die App an. Sie sind sehr begehrt und meist schnell ausgebucht.

Auch die Volksbank im Bergischen Land geht besonders auf Senioren ein. Wie die Unternehmenskommunikation versichert, werde „immer eine Lösung gefunden“. So arbeite der Konzern flexibel genug, um zum Beispiel auch Zuhause Beratungen anzubieten. Ferner sei der Volksbank daran gelegen, gerade ältere Kunden an die technischen Möglichkeiten heranzuführen, die oft eine Vereinfachung mit sich bringen. „Gerne auch mehrfach und vor allem kostenfrei“, erklärt der Sprecher. Dennoch solle Technik keine Barriere darstellen: „Alle Kunden kriegen alle Produkte auch am Schalter in der Filiale. Es ist uns wichtig, niemanden auszusperren.“

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