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Hilden und Haan gedenken der Holocaust-Opfer

Hilden/Haan : Städte gedenken der Holocaust-Opfer

Das Gedenkkonzert der Musikschule fällt in diesem Jahr zwar wegen Corona aus, die „Omas gegen Rechts“ haben aber bereits die Stolpersteine poliert. In Haan gibt es ein interaktives Projekt mit Videobiografien von Überlebenden.

Vor 77 Jahren am 27. Januar 1945 befreit die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz, in dem die Nationalsozialisten mehr als eine Million Juden umgebracht haben. Bilder des Schreckens gehen um die Welt und brennen sich in das Bewusstsein der Menschheit ein. Seit 2005 ist der 27. Januar der internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

Auch die Menschen in Hilden und Haan gedenken rund um dieses Datum der Opfer der NS-Diktatur. In Hilden lädt die Musikschule traditionell zu einem Konzert ein, das in diesem Jahr laut Stadt aber wegen Corona ausfallen muss. Die „Omas gegen rechts“ haben im Vorfeld bereits die Stolpersteine in Hilden poliert. Dabei haben sie Informationen und Details zu den einzelnen Biographien verlesen, um an die Schicksale zu erinnern. „Die meisten Menschen können sich sechs Millionen ermordete Juden  kaum vorstellen, das ist einfach nur eine unvorstellbare große Zahl. Aber wenn man sich hier auf einen Namen, ein Gesicht und ein Schicksal konzentriert, dann kommt einem alles plötzlich doch sehr nah. Und die Details, die zur jeweiligen Lebensgeschichte zusammen getragen wurden, sind teilweise wirklich bedrückend“, sagt Oma Veronika. Oma Dorothee ergänzt: „Viele sagen, das sind doch olle Kamellen, so lange her. Aber Rassismus tötet immer noch. Ob in Auschwitz, in Mölln, Solingen oder Hanau.“ Oma Martina: „Wir alle, jeder einzelne trägt die Verantwortung dafür, dass sich dieser bösartige Wahnsinn niemals wiederholen darf. Wir haben eine Stimme, erheben wir sie.“

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Die Stadt Haan, die Volkshochschule Hilden-Haan, die Bürgerstiftung Haan/Gruiten und die USC Shoah Foundation laden für Sonntag, 30. Januar, zu einer außergewöhnlichen Aktion ins Dieker Carré in Haan ein. „Dimensions in Testimony ist das weltweit erste Projekt, das eine Interaktion mit Videobiografien von Überlebenden des Holocaust ermöglicht“, erklärt Stadtsprecherin Sonja Kunders. Die Zeitzeugin und KZ-Überlebende Anita Lasker Wallfisch wurde bereits 2015 auf Englisch für das „Dimensions in Testimony“-Programm befragt. „Ihr im März 2019 in London aufgezeichnetes Interview ist das erste deutschsprachige interaktive Zeitzeugnis.“ Das von der USC Shoah Foundation entwickelte interaktive Zeitzeugnis-Format ermögliche Benutzern mit vorab und eigens dafür aufgezeichneten Interviews von Überlebenden in eine Frage-Antwort-Interaktion zu treten. „Diese Zeugnisse vermitteln wichtige Erkenntnisse, zeigen individuelle Perspektiven auf und prägen unser Verständnis von Geschichte“, so Kunders. Das interaktive Zeitzeugeninterview wird begleitet von musikalischen Beiträgen der Musikschule Haan. Die Veranstaltung kann am 30. Januar entweder um 16 Uhr oder um 18 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung mit Angabe der gewünschten Uhr wird unter fsj@musikschule-haan.de gebeten.

 Seit wenigen Tagen ist auch ein Projekt des WDR online: Stolpersteine NRW. Im Netz unter der Adresse stolpersteine.wdr.de oder in einer Smartphone-App können Nutzer die rund 15.000 Stolpersteine in Nordrhein-Westfalen finden und die Geschichte hinter jedem einzelnen erfahren: mit Texten, Fotos, Audios, Illustrationen und Augmented-Reality-Elementen. Neben biografischen Texten, die teilweise auch als Audios zur Verfügung stehen, dienen historische Fotos, Mini-Hörspiele und Videos aus dem WDR-Archiv dazu, die Geschichte der Opfer, ihrer Wohnorte und ihrer Zeit so gut wie möglich nachvollziehbar zu machen. „Das ist ein tolles Projekt, weil Schülerinnen und Schüler das Thema mit ihrem Medium, dem Smartphone, erfassen können“, erklärt Karl Hubert vom Arbeitskreis Stolpersteine Hilden.