Im Gespräch mit Thorsten Böer Waldkaserne unter neuem Kommando

Hilden · Thorsten Böer ist seit Anfang des Jahres Kommandeur der Waldkaserne. Welchen Eindruck der Oberst aus Sonthofen von Hilden hat und welche Herausforderungen er für die Bundeswehr sieht.

 Für mindestens drei Jahre übernimmt Thorsten Böer das Kommando in der Waldkaserne.

Für mindestens drei Jahre übernimmt Thorsten Böer das Kommando in der Waldkaserne.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Seit gut drei Monaten ist Thorsten Böer Kommandeur der Waldkaserne und mittlerweile aufgestiegen in den Rang eines Oberst. Das erste Vierteljahr in Hilden – tatsächlich war der 52-Jährige einen Großteil dieser Zeit auf Dienstreise in Deutschland unterwegs – ist geprägt von vielen neuen Eindrücken. Was ist davon im Gedächtnis geblieben? Böer nennt den Sturm auf die Waldkaserne an Weiberfastnacht. Aufgewachsen ist der Soldat in Sonthofen, also im tiefsten Allgäu, mit Fasching. Das närrische Treiben im Rheinland ist wohl doch eine Spur toller, so das Fazit des neuen Kommandeurs, der die Menschen in unserer Region als herzlich, offen und unkompliziert wahrnimmt. „Wir sind ausgesprochen gut in der Stadt und im Landkreis integriert“, beschreibt er die Verbindung zwischen der Kaserne und der Region.

Mehr als drei Jahrzehnte dient Böer als Soldat. 1992 ging es für ihn in seiner Heimatstadt los. „Zur damaligen Zeit war in Sonthofen unter anderem die Schule für Feldjäger und Stabsdienst stationiert und insofern auch die Blaulichtfahrzeuge der Feldjäger durchaus präsent. Damit lag es auch für mich nahe, mich für diese Truppengattung zu interessieren.“

Karneval 2024 in Hilden: Sturm auf Waldkaserne an Weiberfastnacht
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Sturm auf die Waldkaserne war erfolgreich

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Foto: Tobias Dupke

Es folgten weitere Stationen in Bayern, ehe es in den Norden ging: Als Major wurde der Vater von zwei Söhnen 2005 Kompaniechef der Feldjäger in Hannover. „Wir sind als Familie nach Hagenburg ans Steinhuder Meer gezogen, wo wir seitdem leben.“ Ein Hinweis auf die neue Heimat findet sich auch in Böers Büro in der Waldkaserne. An der Wand hängt ein Trikot vom Fußballzweitligisten SV Hannover 96. Die Unterschriften auf dem grünen Stoff kommen nicht von Fußballern, sie stammen von den Kameraden aus seiner Zeit in München.

Seine Aufgaben bei der Bundeswehr führen Böer nicht nur durch Deutschland. Ende der Neunzigerjahre war er in Bosnien und Herzegowina sowie in Nordmazedonien im Einsatz. Zu dieser Zeit führte die Nato unter dem Decknamen „Operation Allied Force“ den Luftkrieg gegen Serbien. In seinen Erinnerungen geblieben sind die Zerstörungen in Bosnien aus dem Krieg von 1992 bis 1995. Ins kollektive Bewusstsein gebrannt hat sich vielleicht das Bild der zerstörten Brücke von Mostar, Hauptstadt von Herzegowina. Böer erinnert ein ganz persönliches Bild an den Aufenthalt in dem Land, das einst Jugoslawien war: In seinem Büro in der Waldkaserne hängt ein Zeitungsartikel an der Wand, ein Foto zeigt ihn bei seiner Rückkehr nach Deutschland. Neben ihm steht seine Frau mit einem Kinderwagen.

„Meine Frau und meine zwei Söhne mussten durchaus so einiges mittragen und ertragen“, sagt Böer, der später zu zwei Einsätzen nach Afghanistan flog, einem Land, das sich seit dem Einmarsch der Sowjetunion im Dezember 1979 im permanenten Kriegs- und Krisenzustand befindet. Nahezu jeden zweiten Tag sei irgendwo in Kabul eine Bombe hochgegangen, berichtet er. Soldaten aus dem Westen waren potenzielle Ziele für Selbstmordattentäter. Wie geht man mit einer solchen Extremsituation um? Es habe für Fahrten durch die Hauptstadt Vorgaben für eine Mindestzahl an Soldaten, Fahrzeugen und Waffen gegeben, es galt diese Devise: Sicherheit durch Abschreckung.

Die Zukunft liegt für mindestens drei Jahre in Hilden, tatsächlich aber sind die Feldjägerkompanien des Regimentes über sechs Bundesländer verteilt. Der neue Kommandeur wird einen großen Teil seiner Zeit also nicht am Standort verbringen. Böer: „Letztendlich wurde ich für diese Aufgabe und die damit verbundene Förderung und Beförderung in den Dienstgrad Oberst auch aufgrund meines Werdeganges und der damit verbundenen vielfältigen Erfahrungen ausgewählt.“ Für die Feldjäger ist Hilden neben Berlin und München einer von lediglich drei Standorten eines solchen Regimentes.

Es dürften jedenfalls drei, vielleicht sogar fünf herausfordernde Jahre werden. Böer: „Die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen Deutschlands entwickeln sich derzeit dramatisch, das ist allen sehr bewusst. Nach dem völkerrechtswidrigen und brutalen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine haben wir leider wieder Krieg in Europa.“

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