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Hilden: Radclub Speiche '94 beschließt Auflösung

Vereine in Hilden : Radclub Speiche ’94 löst sich auf

Nach 27 Jahren Radwandern gibt der Radclub Speiche ’94 seine Auflösung bekannt. Gründe dafür sind Alter und gesundheitlicher Zustand der Mitglieder. Das Vereinskapital geht als Spende an das Evangelische Kinderheim Hilden.

Wenn Egon Müller (73) an die Vereinszeit zurückdenkt, klingt er wehmütig. An jedes kleine Detail der letzten drei Jahrzehnte kann er sich erinnern. Jede Mitgliederversammlung, jede Radwandertour hat sich in sein Gedächtnis eingebrannt. „Das war schon eine tolle Zeit“, sagt er, als er von den Ausflügen der Gruppe erzählt. Eine Zeit, die nun zu Ende geht.

Mit außerordentlicher Mitgliedsversammlung besiegelte der Radclub vor Kurzem sein Aus. Seit 1994 trafen sich die Mitglieder jedes zweite Wochenende zum Radwandern. Doch Alter und Gesundheit der Senioren setzen dem Vereinsleben zu, die Gruppen wurden immer kleiner.

Insgesamt 44 Mitglieder zählte der Radclub zuletzt. Die meisten waren weit über zehn Jahre dabei. Egon Müller selbst trat 1995, ein Jahr nach der Gründung, ein. Seit damals kümmerte er sich gewissenhaft um die Organisation des wachsenden Vereins, der zu besten Zeiten 50 Mitglieder verzeichnete. Damals, 1996, gab es sogar eine eigene Fahrradwerkstatt, die auch mobil bei den Ausflügen zum Einsatz kam.

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In seiner Vereinsgeschichte kann der Club auf hunderte Radtouren zurückblicken. Jedes Jahr entwickelte Egon Müller einen Tourenplan, der die Mitglieder und ihre Zweiräder in die schönsten Ecken Deutschlands führen sollte. „Wir haben alle Flüsse dieses Landes gesehen“, sagt er. Insbesondere im Sommer nahmen 25 bis 35 Hobby-Radler an den Fahrten teil. Sowohl Tages- als auch Wochenendtouren unternahm der Club und überwand dabei Strecken von bis zu 150 Kilometer - in Etappen an bis zu drei Tagen, inklusive geselliger Einkehr.

Die letzte Jubiläumstour fuhr der Verein 2019 und feierte damit sein 25-jähriges Bestehen. „Damals haben wir das Quartier in Boppard am Rhein reserviert. Die Räder haben wir aber zu Hause gelassen, damals wollten wir nur feiern“, erinnert sich Egon Müller.

In den vergangenen Jahren entwickelte sich der Rad-Club zunehmend weiter. Seit 2018 wurden spezielle E-Bike-Touren ins Programm aufgenommen. Bei den Mitgliedern, meist im Alter von 60 bis 84 Jahren, erlangten diese schnell große Beliebtheit. „Bei gesundheitlichen Problemen war das natürlich eine Erleichterung“, sagt Müller.

Durch die Corona-Pandemie waren größere Gruppenfahrten nicht mehr möglich. Im Juli 2020 fand somit die letzte Radwanderung des Clubs statt. 18 Personen begaben sich auf eine gemeinsame Saisontour in Richtung  Leverkusener Rheinbrücke nach Kasselberg. Die Auflösung stand damals noch nicht fest. Doch der Gedanke war da, die Idee nahm Gestalt an. Insbesondere, da sich immer mehr Mitglieder ein E-Bike zulegten, um die anstrengenden Fahrten zu schaffen.

Mit der Auflösung des Radclubs Speiche ‚94 erfolgt auch die Auflösung der Vereinskasse. Einen Restbetrag von 300 Euro spendet der Verein an das Evangelische Kinderheim Hilden. Bereits in der Vergangenheit erreichten Spenden des Clubs das Heim in der Lievenstraße. Eine Herzensangelegenheit? „Jede Spende an Kinder ist eine Herzensangelegenheit“, so Egon Müller. Schon 2006 legte der Club bei einer Versammlung fest, wohin das Geld bei einer Auflösung einmal gehen solle. „Wir stellten damals sechs Möglichkeiten zur Auswahl. 100 Prozent der Stimmen gingen an das Kinderheim. Keine Gegenstimme, keine Enthaltung“, sagt Egon Müller mit einem Hauch Stolz in der Stimme.

Nun, da der Radwanderclub Geschichte ist, widmet sich Müller vermehrt seinen anderen zwei Leidenschaften: Gemeinsam mit seiner Frau ist er Gründungsmitglied des Mazedonisch-Deutschen Kulturvereins „To¨e Proeski“ und pflegt damit die Kultur des Herkunftsstaates Mazedonien. Zudem ist Egon Müller passionierter Mediengestalter für Print. In der Vergangenheit hatte er bereits zahlreiche Vereinshefte erstellt - auch für den Radclub.

Das Aus des Clubs bedeutet jedoch nicht das Ende des Radwanderns: „Viele Mitglieder wollen privat weiterhin Fahrten in kleinen Gruppen planen“, erklärt Müller. Auch er dreht weiterhin seine Runden mit dem Rad. Jeden Tag.

(lauw)