Hilden: Pflegekräfte aus Marokko sind hochmotiviert

Ausbildung in Hilden : Pflegekräfte aus Marokko sind hochmotiviert

Seit dem Sommer leben in Hilden sieben junge Marokkaner, die sich zum Altenpfleger ausbilden lassen. Ihren neuen Berufsweg schätzen sie sehr.

Die ersten Klausuren in Fächern wie Körperpflege oder Gedächtnistraining sind geschrieben. Alle Auszubildenden der Altenpflege an der Bildungsakademie Mettmann haben diese überdurchschnittlich gut bestanden – und das, obwohl die jungen Erwachsenen größtenteils aus Marokko stammen und noch nicht lange in Deutschland sind. Beate Linz-Eßer, Geschäftsführerin der Seniorendienste Stadt Hilden, hat ihre Entscheidung bislang nicht bereut, sieben junge Menschen aus Marokko für die Altenpflege gewinnen zu können. Im November haben die fünf Männer und zwei Frauen ihre Ausbildung in den Seniorenheimen Erikaweg und Hummelsterstraße begonnen.

Seit August lebt  Mohamed El Boujemaoui mittlerweile in Deutschland. In seinem Heimatland hat der 22-Jährige sein Abitur mit dem Schwerpunkt Physik gemacht, dann eine Ausbildung zum Informatiker. Dort Arbeit zu finden, war nicht einfach. Nun lässt er sich in Hilden als Altenpfleger ausbilden. Einen Schritt, den der junge Marokkaner wieder tun würde. Wenn er sich um die Bewohner des Seniorenzentrums Hummelsterstraße kümmert, hat er stets ein Lachen im Gesicht.

Eine der beiden Klassen der Altenpflege, die am 1. November an der Bildungsakademie in Mettmann gestartet sind, besteht weitgehend aus jungen Menschen aus Marokko, überwiegend aus jungen Männern. „Die Bereitschaft, in einen Pflegeberuf zu gehen, ist hoch. Das hat für die Muslime auch religiöse Gründe“, erklärt Bodo Keißner-Hesse, Leiter der Bildungsakademie Mettmann. Auch die Bedeutung der Familie sei für die jungen Menschen aus den Maghreb-Staaten eine andere, sie sind stärker verwurzelt und fühlen sich mehr für die älteren Menschen verantwortlich.“ Da die Fachkräfte, die nach Deutschland kommen, über ein hohes Bildungsniveau verfügen und hochmotiviert sind, ist es auch nicht verwunderlich, dass sich das in ihren schulischen Leistungen ausdrückt.

Den Schritt nach Deutschland zu wagen, kam für El Boujemaoui aber nicht plötzlich. Bereits 2016 fing er an, Deutsch als vierte Sprache zu lernen er spricht zudem Arabisch, Französisch und Englisch. Eine Arbeit als Informatiker in Marokko zu finden, war einerseits nicht einfach, als er dann eine Aushilfsstelle fand, war es ganz anders als erwartet. Er fasste den Entschluss Altenpfleger zu werden und intensivierte Anfang des Jahres seine Sprachkenntnisse. „Wir verstehen das meiste, auch alle Fachbegriffe“, erklärt der junge Mann. Denn in Istanbul musste er an einer Sprachschule seine Deutsch B2-Pflege-Prüfung ablegen, die sich an Fachkräfte richtet, die den Pflegeberuf ausüben wollen. In Marokko gibt es ein derartiges Angebot nicht.

 „Meine Mitarbeiter fanden es toll, dass unsere neuen Auszubildenden so viel verstehen und selbst mit Fachtermini etwas anfangen können“, betont Linz-Eßer. Und auch die Bewohner freuen sich über die Höflichkeit und den Respekt, der ihnen entgegengebracht wird. „Selbst Senioren, die generell Vorbehalte gegen Männer in Pflegeberufen haben, freuen sich nun, wenn sie von unseren jungen Kräften betreut werden“, erzählt die Geschäftsführerin der Seniorendienste.

 „In unserem Heimatland ist es selbstverständlich, dass wir beispielsweise im Bus für einen älteren Menschen aufstehen. In Deutschland habe ich beobachtet, dass viele jüngere Menschen das nicht machen“, sagt der Marokkaner. Dass man die Altenpflege ein Knochenjob sei, hat der Auszubildende bislang noch nicht so empfunden.  „Hier in Deutschland gibt es für alles technische Hilfsmittel und der ständige Kontakt mit Menschen, hilft uns bei der Integration.“

(isf)