Notfallversorgung in Hilden Krankenhaus bewältigt wahnsinnigen Kraftakt

Hilden · Lobende Worte für das Personal des Sankt-Josefs-Krankenhauses findet ein Hildener, der hier Abschied von seiner Mutter nehmen musste. Was den Mann bewegt und warum die Unterstützung durch das Personal in Zeiten wie diesen nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit gewesen sein dürfte.

 Das Sankt-Josefs-Krankenhaus kehrt allmählich zum Normalbetrieb zurück.

Das Sankt-Josefs-Krankenhaus kehrt allmählich zum Normalbetrieb zurück.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Es sind die wohl schwersten Stunden, die ein Angehöriger in seinem Leben durchmachen muss: Das Sterben nahestehender Menschen ist eine Herausforderung, die bewältigt werden will. Den Tod seiner Mutter erlebte Andreas Berger im Sankt-Josefs-Krankenhaus in Hilden mit. Dem 58-Jährigen ist es wichtig, darüber zu sprechen, denn die Unterstützung durch das Personal sei bemerkenswert gewesen.

Berger hatte seine Mutter im September 2022 von Chemnitz in ein Pflegeheim nach Hilden geholt, um sich besser um sie kümmern zu können. Er traf diese Entscheidung auch vor dem Hintergrund der Corona-Jahre. Seine Mutter sei im Zuge härtester Pandemiemaßnahmen teilweise über Monate in ihrem Zimmer eingesperrt gewesen.

In Hilden habe seine Mutter eine gute Zeit gehabt, berichtet Berger weiter. Aufgrund von Darmblutungen musste die 86-Jährige jedoch im März ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zwischenzeitlich lag sie auf der Intensivstation. Es zeichnete sich schließlich ab, dass sie sterben würde. Andreas Berger blieb vier Tage an ihrer Seite. Was bei ihm tiefen Eindruck hinterließ: „Wir haben in dieser Zeit viel Menschlichkeit erfahren. Man hat sich rund um die Uhr um uns gekümmert und man stand mir bis zur letzten Minute bei.“

Berger schildert ein Gespräch mit einer Palliativschwester an dem Abend, bevor seine Mutter starb. Diese habe eine innere Unruhe der alten Frau verspürt und dem Sohn geraten: „Sagen Sie ihr, dass sie gehen kann.“ Man habe eine Duftlampe ins Zimmer gestellt, eine CD mit Musik gebracht und dem 58-Jährigen geraten, sich auch mal einen Augenblick Zeit für sich zu nehmen.

Der bevorstehende Tod eines Angehörigen ist für alle Menschen ein emotionaler Ausnahmezustand. Kleine Gesten oder ein nettes Wort können sich während dieser Zeit tief in die Erinnerung eingraben. Dass die Zuwendung durch das Personal aber tatsächlich keine Selbstverständlichkeit war, wird deutlich, wenn man sich die Situation des Krankenhauses vor Augen hält: Es befand sich nach der Übernahme durch die Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) ebenfalls in einem Ausnahmezustand.

Diesen skizzierte Sven Mitteldorf, kaufmännischer Direktor der GFO-Kliniken Mettmann-Süd, jetzt im Rat der Stadt Hilden. Nach der Insolvenz der alten Betreiberin hatte sich die Nachfolgerin Ende vergangenen Jahres für die Übernahme des Hildener Standortes im Verbund mit dem Sankt-Martinus-Krankenhaus in Langenfeld ausgesprochen. Für diesen „wahnsinnigen Kraftakt“ hätten mehr als 70 Mitarbeiter der GFO und zahlreiche Mitarbeiter des Hildener Krankenhauses ihren Neujahrsurlaub abgesagt.

Zunächst musste die IT des „kaum funktionsfähigen“ Krankenhauses in das GFO-Netzwerk eingebunden werden. Dies sei unmittelbar nach der Übernahme am 1. Januar geschehen, und zwar innerhalb von vier Stunden. Damit war jedoch nur die erste von mehreren Hürden übersprungen. Aufgrund großer personeller Engpässe konnten zunächst lediglich 40 der 180 Betten belegt werden. Die vier Operationssäle waren nicht nutzbar. Vieles sei dabei durch die Kollegen in Langenfeld aufgefangen worden.

Bis April habe man die Lage des Krankenhauses in vielen Bereichen stabilisieren können, berichtete Mitteldorf weiter. Viele Mitarbeiter, die zwischenzeitlich auf der Flucht vor der drohenden Insolvenz waren, seien mittlerweile zurückgekehrt. Stand heute seien drei von vier Operationssälen auch ohne Fremdpersonal im ärztlichen Dienst wieder einsatzfähig, und 140 Betten können belegt werden. „Wir arbeiten jetzt mit Hochdruck daran, die letzten 40 Betten auch noch zu schaffen und natürlich auch den vierten OP wieder in Betrieb zu nehmen“, so der GFO-Vertreter.

Der „wahnsinnige Kraftakt“, der von der breiten Öffentlichkeit gewünscht war, scheint also Früchte zu tragen. Für den Erhalt des Krankenhauses hatten im Oktober Tausende demonstriert. Andreas Berger, dessen Mutter in wenigen Tagen beigesetzt wird, erinnert sich: „Auch ich habe damals die Petition für den Erhalt des Krankenhauses unterschrieben.“ Diese Unterschrift hat sich für ihn offensichtlich bezahlt gemacht.

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