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Hilden: Neuer Begräbniswald ist gefragt

Friedhofskultur in Hilden : Neuer Begräbniswald ist gefragt

Die erste Beisetzung fand dort am 21. Mai 2019 statt. 61 Bürger erwarben 2019 auf dem Nordfriedhof ein Nutzungsrecht, 68 waren es 2020. Die Nachfrage nach dieser Bestattungsform ist weiter hoch, teilt die Verwaltung auf RP-Anfrage mit.

Der neue Begräbniswald auf dem Nordfriedhof ist etwa 1200 Quadratmeter groß und eingezäunt. Der Waldboden ist naturbelassen, ein Pfad aus Rindenmulch führt durch das kleine Wäldchen. Es gibt einen Ruheplatz mit Sitzbank und Schaukasten. Kleine, runde Holztafeln mit Namen und Sterbetag geben Auskunft über die Lage der Urne. Trauerschmuck, Gedenksteine und Kerzen sind nicht erlaubt, weil es den natürlichen Gesamteindruck stören würde. Das sollten Erwerber wissen. Die Urnen sind biologisch abbaubar.

Der Begräbniswald wird von der städtischen Friedhofsverwaltung gepflegt. Das ist für viele wichtig, weil Kinder und Angehörigen nicht mehr in der Nähe wohnen. Sie wollen ihre Lieben nicht mit der Grabpflege belasten.

Die Beisetzung im Begräbniswald kostet mit Erwerb, Grabbereitung und Unterhalt ab 2021 1986,09 Euro, das sind 240 Euro oder 12,09 Prozent mehr als 2020. Auch die Beisetzung auf dem Aschestreufeld wird um 16,52 Prozent oder 175,59 Euro teurer und kostet jetzt 1062, 59 Euro. Andere Bestattungsformen wie etwa Reihen-Gräber für Erwachsene werden 2021 um 13,26 Prozent günstiger (774,34 Euro).

Das hat mit der Kalkulation der Gebühren zu tun. Sie müssen kostendeckend sein. Die Stadt darf mit dem Betrieb ihrer Friedhöfe dauerhaft keinen Gewinn erzielen, aber eben auch keine Verluste machen. In die Gebührenkalkulation 2021 geht ein Überschuss aus den Vorjahren von 214.970 Euro in die Berechnung ein.

Der Unterhalt und Betrieb der drei städtischen Friedhöfe kostet 2021 rund 1,167 Millionen Euro. Weil die Friedhöfe auch öffentliche Grünflächen sind, übernimmt die Stadt „im öffentlichen Interesse“ knapp 430.000 Euro und trägt damit 36,81 Prozent zu den Unterhaltskosten bei.

612 Menschen wurden 2019 auf dem Haupt-, dem Nord- und dem Südfriedhof bestattet: 189 in Särgen, 423 in Urnen. Das illustriert den radikaler Wandel in der Begräbniskultur. Ein Erdgrab benötigt 3,25 Quadratmeter Fläche, ein Urnenreihengrab nur 0,64 Quadratmeter. Gebraucht wird nur noch ein Teil der Friedshofsflächen: Auf vielen Friedhöfen wachsen die Grünflächen zwischen den Gräbern. Sie müssen mit unterhalten werden. Friedhöfe kann man aber nur in den seltensten Fällen verkleinern. Das bedeutet hohe Unterhaltungskosten. Und sie können noch steigen, wenn weniger Tote bestattet werden. Denn die Nutzer müssen für den Gesamtaufwand aufkommen.

Früher gab es im Prinzip nur zwei Möglichkeiten, sich zur letzten Ruhe zu betten. Im Sarg oder in der Urne. Heute bietet die Stadt Hilden dazu noch zahlreiche andere, neue Varianten an: anonym, pflegeleicht, als Baumbestattung, Kolumbarium, Aschestreufeld oder jetzt auch einen Begräbniswald. Das steigert die Attraktivität der drei städtischen Friedhöfe in Hilden. Und wie die Zahl der Bestattungen zeigt, werden diese neuen Angebote auch gut angenommen. Das sorgt für eine gute „Auslastung“ der kommunalen Friedhöfe in Hilden und günstige Gebühren – weil die anfallenden Kosten auf viele Schultern verteilt werden.

Die drei städtischen Friedhöfe haben eine Gesamtfläche von knapp 217.000 Quadratmetern. Dort gibt es 21.795 Gräber, davon 17.366 Sarg- und 4429 Urnengräber. Knapp 80.000 Quadratmeter Friedhof gelten als öffentliche Grünfläche. Zwischen 1800 und 2300 Quadratmeter Grabfläche pro Jahr werden auf den Hildener Friedhöfen nicht mehr benötigt, hat die Verwaltung ausgerechnet. Hilden zählt mit mehr als 2100 Einwohnern pro Quadratkilometern mit zu den dichtbesiedelten Städten Deutschlands. Nicht mehr benötigte Friedhofsflächen könnten genutzt werden, den Anteil der öffentlichen Grünflächen zu erhöhen und das Stadtklima damit positiv zu beeinflussen.