Hilden: Mehrere Verletzte nach Reizgas-Angriff in Schulzentrum

Schulzentrum in Hilden : Mehrere Verletzte nach Pfefferspray-Angriff

Nach Polizeiangaben soll ein 14-jähriger Junge mit Pfefferspray gesprüht haben. 13 Kinder sollen verletzt ins Krankenhaus gebracht worden sein.

Rettungswagen, dazu diverse Streifenwagen-Besatzungen der Polizei – das Hildener Schulzentrum ist am Montag zum Schauplatz eines Angriffs mit Pfefferspray geworden, der heftige Folgen hatte: Nach Polizeiangaben versprühte ein 14-Jähriger am Schulzentrum Reizgas. Mindestens 13 Personen sollen verletzt in Krankenhäuser gebracht worden sein.

Der Vorfall ereignete sich auf dem Gelände des Schulzentrums, das die Evangelische Gesamtschule, das Dietrich-Bonhoeffler-Gymnasium und die auslaufende Fliedner-Realschule beherbergt. Laut Feuerwehr ging der Notruf um 13.26 Uhr ein.

Wie die Polizei auf Anfrage mitteilte, waren 31 Kinder insgesamt betroffen.

Die Leitstelle erklärte am frühen Abend, der mutmaßliche Täter sei identifiziert. Ein Zeuge habe die Polizisten auf eine Gruppe Jugendlicher aufmerksam gemacht, die sich verdächtig verhalten habe. Als die Beamten mit den Schülern sprachen, gab sich ein 14-Jähriger offenbar zu erkennen. Eine Strafanzeige sei bereits geschrieben, hieß es.

Der junge Mann sei in der Zwischenzeit seinen Erziehungsberechtigten übergeben worden. Er habe einen zerknirschten Eindruck gemacht. „In dem Alter ist es einem oft gar nicht bewusst, was man mit solch einer Aktion anrichtet“, hieß es auf Anfrage dazu aus Polizeikreisen.

Wie gefährlich solch ein Reizgas-Angriff sein kann und was er langfristig auslösen kann, beschreibt der Hildener Lungen-Facharzt Klaus Generet. Er ist Chefarzt der Inneren Medizin am Sankt-Josefs-Hospital in Hilden und bestätigt, dass es sich bei einer solchen Attacke keineswegs um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern um Körperverletzung, „die sogar lebensbedrohlich werden kann“. Generet sagt: „Bei der Atmung ist auch die Muskulatur in entscheidender Weise beteiligt. Beim Kontakt mit Reizgas zieht sich diese Muskulatur zusammen, so dass der Betroffene unmittelbar das Gefühl bekommt, nicht mehr atmen zu können. Oder kurz ausgedrückt: nichts geht mehr rein oder raus.“ Diese Symptome können dem Experten zufolge durchaus vergleichbar mit einem Asthma-Anfall sein. „Es gibt aber noch eine zweite Dimension, die deutlich gefährlicher ist“, sagt der Chefarzt. Je nachdem, welches Gas verwendet werden bzw. aus welcher Nähe man betroffen sei, könne der Austausch von Kohlendioxid und Sauerstoff in den Lungenbläschen derart beeinträchtigt werden, dass das Opfer eines solchen Angriffs dringend beatmet werden müsse. „Das kann bis hin zu akuter Lebensgefahr reichen“, sagt Generet.

Der Verkauf von Pfeffersprays in einigen nordrhein-westfälischen Drogerie-Filialen hatte erst im vergangenen Jahr für teils heftige Kritik gesorgt. Abwehrsprays waren unter anderem in unmittelbarer Nähe zum Karnevalssortiment platziert worden, das mit dem Slogan beworben wurde: „Alles, was Sie für die tollen Tage brauchen.“

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