Karitatives in Hilden Verkaufte Kalender helfen Kindern

Hilden · Zwei Projekte unterstützen die Lions mit dem Erlös aus dem Verkauf ihrer Adventskalender aus dem vergangenen Jahr. Neben dem Kinderschutzbund ist das Friedensdorf ein Nutznießer. Die Einrichtung in Oberhausen steht vor besonderen Herausforderungen. Was die Situation der Krankenhäuser in unserer Region damit zu tun hat.

 Thomas Remih, Präsident der Hildener Lions, freute sich, Nadine Lichtenwimmer und Wolfgang Mertens (von rechts) die Erlöse aus dem Kalenderverkauf übergeben zu können.

Thomas Remih, Präsident der Hildener Lions, freute sich, Nadine Lichtenwimmer und Wolfgang Mertens (von rechts) die Erlöse aus dem Kalenderverkauf übergeben zu können.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Der Adventskalender der Hildener Lions ist, wenn man ihn so nennen möchte, ein Kassenschlager. 4000 Exemplare wurden in der vergangenen Vorweihnachtszeit verkauft. Und diese Nachfrage spült zwei Monate später Geld in die Kassen des Kinderschutzbundes in Hilden und des Friedensdorfes in Oberhausen. 28.000 Euro nahmen die Lions durch die verkauften Kalender ein, nach Abzug aller Kosten gehen 7700 Euro zum Kinderschutzbund, 6000 Euro unterstützen die Aktivitäten des Friedensdorfes.

Um diese Zahlen der Öffentlichkeit zu präsentieren, hatten die Lions jetzt ins Rathaus eingeladen und beiden Einrichtungen die Gelegenheit gegeben, die Projekte vorzustellen, für die das Geld verwendet werden soll. Den Anfang machte Wolfgang Mertens, der daran erinnerte, dass die Lions das Friedensdorf bereits seit Anbeginn, also seit 57 Jahren unterstützen. Ins Leben gerufen wurde die Einrichtung im Vorfeld des Sechtageskrieges 1967 zwischen Israel und seinen drei Nachbarländern Ägypten, Jordanien und Syrien. Man habe damals nicht nur für Juden beten, sondern seiner historischen Verantwortung durch Taten gerecht werden wollen, warf Mertens den Blick zurück auf eine ähnlich brisante geopolitische Lage wie zurzeit mit dem Israel-Gaza-Konflikt.

Kinder aus dieser Region werden gegenwärtig nicht durch das Friedensdorf unterstützt, jedoch aus acht anderen Nationen. Sie kommen vor allem aus Afghanistan und etwas überraschend aus Angola. Zwar befindet sich der Staat im Süden Afrikas seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr im Bürgerkrieg, doch die Not in diesem rohstoffreichen Land an der Atlantikküste mit Diamanten und Öl ist geblieben. Man finde dort Bettler neben Prunkbauten, berichtete Mertens. „Da ballt man als Helfer die Faust in der Tasche.“

4,5 Millionen Euro nimmt das Friedensdorf in die Hand, um 180 bis 200 Kinder in Deutschland medizinisch zu versorgen. Früher seien es bis zu 300 Kinder gewesen, berichtet Mertens, heute sei diese Zahl nicht mehr stemmbar. Die Einrichtung verteilt Kinder, die in Extremfällen schon bis zu vier Jahre stationär behandelt werden mussten, bundesweit auf Krankenhäuser. Und genau das bekommt durch die Insolvenz der Kplus-Gruppe in unserer Region eine besondere Note: Mit der Schließung weiterer Krankenhäuser wäre die Versorgung dieser Kinder in Deutschland gefährdet. Das Friedensdorf versucht dieser Entwicklung entgegenzuwirken und richtete einen sogenannten Eingriffsraum ein, in dem mittwochs und samstags nicht ganz so aufwendige Operationen durchgeführt werden können. Jeder Eingriff kostet im Schnitt 700 Euro und würde regulär im Krankenhaus 5000 bis 10000 Euro kosten, berichtet Mertens.

Um ganz andere Nöte von Menschen in den ersten drei Lebensjahren kümmert sich der Kinderschutzbund in Hilden mit einem Projekt unter dem Titel „Real Play statt Display“, das in diesem Jahr ebenfalls unterstützt werden soll. Darüber berichtete Nadine Lichtenwimmer, Geschäftsführerin der Einrichtung an der Schulstraße. Es gehe darum, die Aufmerksamkeit von Eltern weg vom Smartphone und verstärkt zu ihrem Nachwuchs zu lenken. Es seien gerade die Interaktionen zwischen Eltern und Kindern, die die Entwicklung fördern würden, berichtete Lichtenwimmer und wies auf die Folgen der Vernachlässigung hin: „Wir sehen Entwicklungsverzögerungen bei Kindern.“

Diese werden zum Beispiel durch Kindervorsorgeuntersuchungen dokumentiert. Sprachlich und motorisch seien die Kinder der Gegenwart schlechter entwickelt als frühere Generationen. Um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, möchte der Kinderschutzbund in diesem Jahr Eltern an zwei Terminen vor den Sommerferien und acht weiteren danach über die Problematik informieren. Es gehe darum, Mütter und Väter für die Auswirkungen digitaler Ablenkungen auf die Beziehung und die Interaktionen zu ihren Kindern zu sensibilisieren. In fünf Kursen soll aufgezeigt werden, wie man gemeinsam den Alltag ohne Smartphone möglichst gewinnbringend für die Kinder gestalten kann.

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