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Hilden: Kreative Ideen für Winter-Gastronomie

Hilden/Haan : Kreative Ideen für Winter-Gastronomie

Die Wirte in Hilden und Haan bereiten sich auf die Wintersaison vor. Eine Nutzung der Außenflächen in der Kälte verlangt Kreativität – und Investitionen. Die Städte wollen Cafés und Restaurants unterstützen.

Diana Münze hat viele Pläne für den Winter. Wenn die Terrasse geöffnet bleiben könnte, wäre das eine große Erleichterung für die Gastronomin, die die „Kleine Olive“ am Markt führt. Decken liegen bereits parat, auch in neue Polstergarnituren hat sie investiert. Zudem würde sie gern mehr Heizpilze aufstellen als bisher, auch über Strandkörbe hat sie schon nachgedacht: „Die könnte man mit Abstand aufstellen und sie wären recht gut isoliert.“

Diana Münze hat beobachtet: „Unsere Gäste trauen sich nicht rein, sie haben Angst, sich anzustecken.“ Dafür habe sie Verständnis, sei das Restaurant doch recht klein. Sie selbst ginge mit einem Schwerkranken in der Familie auch nicht aus. Mit der Stadt Hilden wird die Gastronomin im Laufe der Woche Kontakt aufnehmen und ihre Ideen vorbringen. Im Rathaus zeigt sich Ordnungsamtsleiter Michael Siebert offen für kreative Lösungen: „Wir lassen die Gastronomiebetriebe auch in den Wintermonaten nicht allein.“ Unter ordnungsamt@hilden.de seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichbar. Ausnahmen, was möglicherweise gewünschte größere Außenflächen für den Winter angeht, sind laut Michael Siebert bisher nicht geplant.

Offen ist noch, ob der Weihnachtsmarkt in Hilden in diesem Jahr möglich ist. „Die Gespräche mit dem Veranstalter, ob und in welcher Form es den Weihnachtsmarkt geben wird, werden in der kommenden Woche stattfinden“, informiert Siebert. Für die Restaurants am alten Markt spielt diese Entscheidung eine große Rolle, befindet sich der Weihnachtsmarkt doch üblicher Weise da, wo derzeit noch Tische und Stühle stehen.

„Ohne die Terrasse könnten wir nicht überleben“, formuliert es Tino Jantz ganz klar. Der Inhaber des Cafés „Overstolz“ hat in Heizpilze investiert, unzählige Decken stapeln sich auch bereits im hinteren Bereich des Cafés. Außerdem hat er bei der Stadt eine Markise für den Außenbereich beantragt. Denn: „Sobald das Wetter schlechter wird oder es regnet, sinkt unser Umsatz auf vielleicht 30 Prozent.“ Ohne die Investitionen könne er das Overstolz gleich schließen, sagt Jantz mit Blick auf eine gut gefüllte Terrasse, aber einen fast leeren Innenraum zur Mittagszeit an diesem Tag. „Zum Glück ist unser Café sehr groß. Wir werden innen noch neue Spuckschutzwände anbringen und hoffen, dass sich der Winter trotz der gestiegenen Kosten lohnt.“

Investiert hat auch der neue Inhaber des Restaurants „Becherhus“ in Haan. Nach der Schließung im März eröffnet das Restaurant am Donnerstag, 8. Oktober, komplett neu. Der neue Inhaber möchte nicht mit Nachnamen, sondern nur mit dem Vornamen Alex genannt werden, „weil ich hier nicht der Chef bin, sondern genauso mitarbeite wie jeder andere im Team“. Für den Winter hat Alex ungewöhnliche Ideen: „Wir haben ja den riesigen Biergarten und werden dort Mitte November einen Weihnachtsmarkt mit Heizpilzen und Decken aufbauen.“ Gemütliches Zusammenkommen mit Familie oder Freunden  soll auf diese Weise auch im Winter  an der frischen Luft möglich sein. Die Atmosphäre im Innern sei allerdings auch traumhaft und durch die Größe des Hauses auch dort ein sorgenfreier Restaurantbesuch möglich. „Wir möchten mit unserem Konzept mehrere Zielgruppen erreichen.“

Die Stadt Haan möchte  ihre Gastronomen  auch im Winter unterstützen, betont Paulina Betthaus von der Haaner Wirtschaftsförderung. Cafés und Restaurants müssen keine Gebühren bezahlen, wenn sie städtische Flächen für ihre Außengastronomie nutzen. „Zudem kann diese Fläche erweitert werden, um bei dem bestehenden Abstandsgebot mehr Tische aufstellen zu können“, informiert Paulina Betthaus. Den Wunsch nach einer solchen Erweiterung können Gastronomen per E-Mail an ordnungsamt@stadt-haan senden.

In einem Schreiben, welches die Haaner Gastronomiebetriebe in diesen Tagen von der Stadt erhalten und das der Rheinischen Post bereits vorliegt, steht zudem: „Alle in diesem Jahr erteilten Genehmigungen für das Betreiben der Außengastronomie gelten bis zum 31.12.2020, auch wenn die Genehmigungen auf ein früheres Datum in 2020 befristet sind.“ Ein Antrag auf ganzjährige Außengastronomie müsse nur dann gestellt werden, wenn die Gastwirte bisher noch gar keinen gestellt  haben.

Frank Lohmann, für den Hotel- und Gaststättenverband Dehoga zuständig für den Kreis Mettmann, betont: „Die Gastronomie im Kreis geht mit Respekt und professioneller Energie in die Wintersaison. Kreative Lösungen in Form von Zelten, zu Wintergärten umgebauten Biergartenbereiche oder Almhütten werden umgesetzt.“ Auch die generellen Erwartungen der Gäste an die Corona- Schutzverordnung würden umgesetzt und somit böten Restaurants sichere Möglichkeiten, Freunde, Familie und Verwandte zu treffen. Als weitere Verbesserung stünden Luftreinigungs-Systeme im Fokus.

Lohmann, der das „Romantik Hotel Gravenberg“ in Langenfeld führt, erklärt: „Wir setzen vieles um, aber ohne Unterstützung wird es nicht gehen. Wir dürfen erwarten, dass unsere Gäste uns und unsere Mitarbeiter schützen, indem sie die Maßnahmen respektieren und unterstützen.“ Außerdem appelliert er: „Buchen Sie Ihre Tische vor, denn die Schutzmaßnahmen haben deren Anzahl deutlich reduziert.“ Und noch wichtiger sei: „Stornieren Sie unbedingt, wenn Sie nicht kommen. Tische, die nicht besetzt werden, sind unfair und können Kollegen in den Ruin treiben.“ Es sei eine große Chance, dass Gäste begrüßt werden dürfen. „Diese Chance können wir nur gemeinsam nutzen und aufrechterhalten.“