Hilden: Kooperation ermöglicht G8 und G9 in einem Schulzentrum

Hilden : Ev. Schulzentrum bietet G8 und G9

Zwei, die sich gut verstehen: Gesamtschulleiter Guedo Wandrey und Udo Kotthaus, Leiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, arbeiten seit 2014 eng zusammen.

Seit kurzem ist es amtlich: Das Evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Hilden ist eines von dreien in ganz NRW, die bei G8 bleiben. Udo Kotthaus, der Schulleiter, räumt ein: „Gäbe es nicht die Kooperation mit der Evangelischen Gesamtschule, wären wir wohl auch zu G9 zurückgekehrt.“  Dabei ist er von G8 überzeugt: „Wir sind bereits 2007 zu G8 gewechselt, weil wir den Leerlauf in Klasse 11 ärgerlich fanden, aber G8 war schlecht eingeführt. Es gab keine Lehrbücher, keine Lehrpläne, wir mussten improvisieren.“ Beinahe parallel dazu wurden die Schulstunden von 45 auf 60 Minuten verlängert, der offene und der gebundene Ganztag eingeführt. Er sagt aber auch: „G8 hätte noch verbessert werden können. Stattdessen wird es jetzt im Eilverfahren abgeschafft. Die staatlichen Schulen mussten sich früh festlegen, was sie machen wollen. Wir Ersatzschulen mussten das nicht, haben aber den Eltern Ende 2017 garantiert, dass wir bei G8 bleiben.“

So kurz vor den Osterferien einen gemeinsamen Termin zu finden, ist gar nicht so einfach, aber wenn es um ihr Schul-Kooperationsmodell geht, machen es die beiden Schulleiter möglich. Sie sind zutiefst überzeugt davon, dass es im Sinne der Schüler ist, dass die noch junge Evangelische Gesamtschule  (gegründet 2014/15) und das etablierte evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Hilden kooperieren. Schüler aus Hilden, Haan, Erkrath, Düsseldorf, Langenfeld, Mettmann, Solingen und Wuppertal besuchen die beiden Schulen und können bis Klasse 7 problemlos von G8 zu G9 wechseln, ohne auch nur den Schulhof wechseln zu müssen.

G8 hat beiden Schulen hohe Anmeldezahlen beschert: „Wir hatten 2016/2017 390 Anmeldungen für 220 Plätze und konnten uns die Schüler aussuchen“, erzählt Kotthaus. Und Guedo Wandrey, der auch noch Schulleiter der Evangelischen Wilhelmine-Fliedner-Realschule ist, die Ende dieses Schuljahrs ausläuft, erklärt: „Jeder führt die Anmeldegespräche für beide Schultypen. Wir nehmen uns viel Zeit, reden mit Eltern und Kindern, gucken nicht nur auf die Noten, sondern auch auf das Sozialverhalten, der Glaube spielt keine Rolle, uns kommt es auf die Mischung an.“ Es sei ein Irrglaube, dass nur hochintelligente Kinder von Mittelstandseltern das Bonni besuchen. „Als evangelische Schule sind wir für den Menschen da und wollen Kinder unterrichten, die Hilfe brauchen, nehmen auch gerne Migrantenkinder in unseren beiden internationalen Klassen auf“, ergänzt Kotthaus.

An der Gesamtschule dagegen sind traditionell viele Schüler, die mehr Zuwendung brauchen – und auch bekommen: Die evangelische Kirche finanziert ihre Schulen zwar nur mit 6 Prozent, den Rest zahlt der Staat, sie bezahlt aber drei Sozialarbeiter und eine halbe Stelle für eine Schulpsychologin, die allen drei Schulen zur Verfügung stehen. Das Gymnasium bietet Fördermöglichkeiten für Hochbegabte an, etwa Sprachzertifikate.

Das Kooperationsmodell der beiden Schulen sieht nicht nur den Schülerwechsel bis Klasse 7 inklusive vor: Es gibt auch eine durchlässige Erprobungsphase: „Bei manchen Schülern weiß man schon nach wenigen Monaten, dass sie auf der Gesamtschule besser aufgehoben sind“, sagt Kotthaus.

Wo es fachlich möglich ist, werden auch Lehrer ausgetauscht. Fällt an einer Schule einer aus, springt im Idealfall einer aus der anderen ein. „Unsere Lehrer finden das spannend.“ Realschüler mit entsprechender Qualifikation können leicht ins Gymnasium wechseln, um dort Abitur zu machen. Und wenn die Gesamtschule in zwei Jahren ihren ersten Oberstufenjahrgang hat, sollen die beiden Oberstufen ebenfalls kooperieren:

„Denkbar wäre, dass sich in beiden Schulen nur je acht Schüler für einen Französischgrundkurs interessieren. Die könnte man dann zusammenlegen und so diesen Kurs ermöglichen“, erklärt Wandrey.

Insgesamt sei ein breiteres Kursangebot möglich, mehr noch: „An der Gesamtschule wird Technik unterrichtet. Das könnte man auch den Gymnasiasten anbieten“,  überlegt Kotthaus.

Dieses Jahr gingen die Anmeldezahlen fürs Gymnasium übrigens schlagartig zurück: „Das liegt an G9“, ist sich Kotthaus sicher. Dabei würden Schüler auf ganz andere Dinge Wert legen als auf G8 oder G9. Eine Stichprobe unter Gymnasiasten gibt ihm Recht:

Johanna, 18, und fast fertig mit der Schule, lobt ihr Gymnasium voller Überzeugung: „Gute Lehrer, gute Lernatmosphäre, gutes Umfeld, viele Möglichkeiten, wenig Chaos.“

 Desi, 16, und in der EF, sieht das ganz ähnlich: „Hier ist eine gute Lernatmosphäre, ich mag die Bibliothek. Die Lehrer sind hilfsbereit und erklären gut und alles ist ordentlich und sauber.“

G8 gefällt beiden: Johanna will das gewonnene Jahr nutzen für Praktika und Reisen, Desi sofort mit dem Studium beginnen.

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