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Hilden: Kita-Start wird eine große Wundertüte

Kinderbetreuung : Kita-Start wird eine große „Wundertüte“

Ab Montag startet der reguläre Betrieb in den Kindertageseinrichtungen. Das Hildener Familienzentrum Kunterbunt/Traumquelle hat sich mit umfassenden Hygienemaßnahmen auf die Rückkehr der Kinder vorbereitet.

Die Matschhosen hängen noch genauso am Haken wie vor vielen Wochen, die Gummistiefel stehen im Regal, als wenn nichts passiert sei: Seit März scheint im Familienzentrum Kunterbunt/ Traumquelle die Zeit stehen geblieben zu sein. Am Montag aber wird sich das völlig ändern. Nach der Corona-bedingten Pause kehren nach den Kindern in der Notbetreuung und den Vorschulkindern nun auch alle anderen in die Kita zurück.

Sämtliche Einrichtungen müssen sich dann den besonderen Herausforderungen stellen, die die strengen Hygieneauflagen mit sich bringen. Schon beim Weg zum Eingang des Familienzentrums fällt auf, dass sich einiges geändert hat: Auf dem Boden sind Abstandsmarkierungen aufgemalt, damit die Eltern beim Bringen und Holen ihrer Kinder nicht zu eng zusammenstehen. Klingelt es an der Tür, holen die zuständigen Betreuer „ihr“ Kind am Eingang ab und bringen es direkt in den Gruppenraum. Die „blauen Kleckse“ werden über das Außentor hereingelassen, weil das der kürzeste Weg in ihren Raum ist.

 Die Kleinsten sollen auf Termin gebracht werden, damit es am Eingang nicht zu voll wird. Die Eltern haben nach wie vor Betretungsverbot, dürfen nur im Notfall mit Mundschutz bis in den Flur. Alle Kinder bleiben den Tag über in ihrer jeweiligen Gruppe zusammen. „Die offene Arbeit, bei der die Kinder in unterschiedlichen Räumen Angebote wahrnehmen konnten, müssen wir aktuell aufgeben, weil sich die Gruppen nicht mischen dürfen“, erzählen Kita-Leiterin Claudia Wendt und ihre Stellvertreterin Nicole Thelen.

Das wird auf dem Außengelände sofort sichtbar: Mit rot-weiß gestreiften Flatterband sind verschiedene Areale abgesteckt, in denen sich die Gruppen aufhalten dürfen. Auch die Gruppenräume mussten in den letzten Wochen umstrukturiert werden – jeder ist wieder voll ausgestattet zum Beispiel mit allen Werk- und Bastelmaterialien, weil dort alles stattfindet. „Wir gehen davon aus, dass die erste Woche wie eine Wundertüte wird“, sagt Nicole Thelen. Man wisse noch nicht, welche Eltern ihre Kinder wieder schicken würden, wer lieber zu Hause bleibe. Wichtig sei, dass die neuen Abläufe mit der Zeit in Fleisch und Blut übergingen. „Wir haben die Eltern deshalb gebeten, mit ihren Kindern darüber zu sprechen“, betont Claudia Wendt. Bei den Jungen und Mädchen, die schon länger wieder in der Kita betreut werden, war es offenbar nur anfangs schwierig. „Jetzt aber leben sie es, halten Abstand, kennen die Niesetikette, waschen sich die Hände, drücken den Lichtschalter mit dem Ellbogen an und aus“, erzählt Thelen.

Für die Erzieherinnen ist der Aufwand indes enorm: Beim Essen beispielsweise dürfen sich die Kinder die Speisen nicht mehr nehmen, sondern sie müssen ihnen auf dem Teller angereicht werden. Ihre Getränke sollen sie sich in Trinkflaschen mitbringen, Einschütten ist verboten. Vier Mal täglich muss zehn Minuten durchgelüftet werden, Stühle und Tische werden mit Spülmittel gereinigt. Die Putzkräfte desinfizieren am Abend.

Selbst beim Spielen wird es Einschränkungen geben. Verkleiden geht nicht mehr und Bällebecken auch nicht. „Wir freuen uns auf die Kinder, wenn sie am Montag zurückkehren. Aber wir sind auch angespannt“, fasst Wendt die Stimmung zusammen. Der Infektionsschutz stehe nun an erster Stelle, die Pädagogik dahinter zurück. So unbefangen wie bis März wird es mit Hygieneschutzmaßnahmen wohl nicht mehr sein. „Am liebsten würde ich ,„Schnipp’ machen und Corona ist vorbei“, sagt Claudia Wendt. Aber die strengen Regeln gelten auf jeden Fall bis zum 31. August.