Vor 90 Jahren meldete Hans Haupt den pfiffigen Faltschirm zum Patent an. : Ein Knirps beschirmt die ganze Welt

Tempo steht für Papiertaschentücher, Knirps für Taschenregenschirme. Sie wurden in Solingen, Hilden und Haan produziert – und waren lange Kult.

Hans Haupt hatte eine Kriegsverletzung und musste deshalb am Stock gehen. Stockschirme waren für ihn sehr unpraktisch. Deshalb tüftelte der Bergassessor im Ruhestand aus Breslau einen Teleskop-Taschenschirm aus und meldete ihn 1928 unter dem Namen „Knirps“ zum Patent an. Fritz Bremshey, Unternehmer aus Solingen, glaubte an die Zukunft der Innovation. Seit 1905 hatte Bremshey & Co. auch ein Werk in Hilden in der Trotzheide. 1932 begann die Firma mit der Serienproduktion des „Knirps“. Bremshey stellte Verkäuferinnen ins Schaufenster und ließ sie charmant die Vorzüge des Knirps demonstrieren. Der erste Knirps für Damen wurde trotz seines stolzen Preises von 12,50 Reichsmark zum Verkaufsschlager. Zwei Jahre später, am 23. November 1934, erhielt Haupt das Reichspatent. Ab 1938 schützte der Herren-Knirps auch die Männer vor Regen.

Nach 1945 kurbelte Bremshey die Knirps-Produktion wieder an. Haupts Patent war abgelaufen. Frauen nähten den Taschenschirm zusammen: ein kniffelige Arbeit, für die es nur ganz wenig Lohn gab. Die Arbeiterinnen mussten sogar ihr eigenes Garn mitbringen. Die Stockschirm-Konkurrenz spottet über den Mini-Schirm: „Mit Schirm ein Herr, mit Knirps ein Knirps.“ Aber die Technik des zusammenfaltbaren Taschenschirms wurde immer besser. 1953 kam der „Auto-Knirps“, 1965 der Automatik, später perfektioniert mit der Servo-Öffnung, 1968 der Flachschirm „Etui-Knirps“. Bremshey ließ Prominente für den Knirps werben. Petra Schürmann – 1956 zur „Miss World“ gekürt und als Fernseh-Ansagerin bekannt – zeigte publikumswirksam, wie sich im Knauf des „Knirps“ Lippenstift, Parfüm und Strumpfhose verstecken ließen. Beatrix, Kronprinzessin der Niederlande, die Bodyguards von US-Präsident Kennedy oder der Krupp-Erbe Arndt von Bohlen und Halbach erhielten Spezialausführungen. Immer neue Modelle kurbelten Absatz und Nachfrage an.

Gute Produkte finden schnell Nachahmer. Mit dem roten Punkt versuchte Bremshey 1969 sich von Billig-Konkurrenz aus Asien abzuheben. Vergebens. Anfang der 1980er Jahre waren die drei Eigentümer-Familien der Bremshey-Werke nicht länger bereit, weitere Verluste hinzunehmen. Sie ließen Ende 1982 die Bremshey-Fabriken in Hilden (an der Walder Straße), Portugal und Taiwan „in aller Stille“ schließen. In Haan hatte Bremshey ein Verkaufslager am Ende der Landstraße Richtung Autobahn. 1981 hatte die Solinger Firma mit 1800 Mitarbeitern 235 Millionen Mark Umsatz gemacht. Von der Schließung wurden Deutschlands Schirmfabrikanten überrascht. Denn Bremshey fertigte (neben Stahlrohrmöbeln, Auspuffrohren, Autositzen, Heimtrainern und Ladenregalen) die Gestelle für den Knirps, auf die die Schirmhersteller angewiesen waren. Von den Taschenschirmen wurden damals allein in Deutschland rund 1,6 Millionen Stück verkauft. Mit einem Jahresabsatz von rund fünf Millionen Stück galt der „Knirps“ auch als meist verkaufter Markenschirm der Welt.

Auch das gehört zur Geschichte: Die Brachen, die Bremshey in Hilden und in Haan hinterließ, wurden wieder neu belebt. In Haan entstanden dort zwei Schnellrestaurants, eine Tankstelle und das Santitätshause Böge. In Hilden haben sich dort der Automobil-Zulieferer Wielpütz und Qiagen angesiedelt. Qiagen ist eine Erfolgsstory – wie einst der „Knirps“ – und inzwischen zum größten Biotech-Unternehmen Deutschlands und eines der größten Europas gewachsen.