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Hilden/Haan: Erste Senioren im Kreis gegen Corona geimpft

Hilden/Haan : Erste Senioren gegen Corona geimpft

Die erste Impfung erhielt gestern um 11.17 Uhr eine 79-jährige Bewohnerin einer Pflegeeinrichtung in Monheim. Drei Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein und medizinisches Fachpersonal impften 122 Senioren mit Biontech/Pfizer-Impfstoff. Am 29. und 31. Dezember sind weitere Impfungen vorgesehen. Damit können 4300 Personen im Kreis noch 2020 geimpft werden.

In welcher Einrichtung begonnen wurde, wollte der KV-Sprecher auf RP-Anfrage nicht sagen: „Wir haben uns mit den Sprechern der Kommunen darauf verständigt, so ausführlich wie möglich zu informieren, den Einrichtungen und ihren Bewohnern aber in dieser ohnehin komplizierten und aufregenden Phase Vor-Ort-Besuche soweit zu ersparen, die aufgrund der Corona-Schutzverordnung des Landes- und den Zutrittsbeschränkungen ohnehin nicht gehen.“

Im Kreis gibt es fast 150 Pflegeeinrichtungen. Dort leben und arbeiten rund 12.600 Menschen. Wenn sich jeder impfen lässt, wären dafür rechnerisch mehr als 25.000 Impfdosen nötig. Denn jede Person muss zweimal im Abstand von etwa drei Wochen immunisiert werden. „Bis also die Pflegeeinrichtungen durchgeimpft sind, können durchaus mehrere Wochen vergehen“, rechnet Landrat Thomas Hendele vor.

Wer in welcher Reihenfolge geimpft wird, hat die Bundesregierung in einer Rechtsverordnung am 18. Dezember entschieden. Wer ein hohes Risiko für eine schweren Krankheitsverlauf hat beziehungsweise einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt ist, soll zuerst dran kommen.

Beate Linz-Eßer ist Geschäftsführerin der Seniorendienste Stadt Hilden, die zwei Seniorenheime betreiben. Dort betreuen 270 Mitarbeiter rund 218 Senioren. „Ich weiß nicht, wann wir dran sind“, sagt Linz-Eßer: „Darüber bin ich aber nicht unglücklich. Die Impfung bedeutet viel Vorbereitung. Das verschafft mir etwas Luft.“ Die Geschäftsführerin will in ihren beiden Heimen aktiv für die Corona-Impfung werben. Hintergrund: Rund 60 bis 70 Prozent der Heimbewohner wollen sich wohl impfen lassen, ist bei vielen Einrichtungen hinter vorgehaltener Hand zu hören – aber bislang nur geschätzt etwa 30 Prozent der Mitarbeiter. Es gebe viel Sorge und diffuse Ängste, weil der Impfstoff so schnell zugelassen worden sei. Geschäftsführerin Beate Linz-Eßer nimmt diese Stimmung ernst und setzt auf Aufklärung und Information: „Die aktuelle Situation ist unklar, das ist die Corona-Krise aber auch. Der neue Impfstoff ist unsere einzige Chance aus der Pandemie heraus zu kommen.“

In der nächsten Ausgabe ihrer Hauszeitung „Kurier“  sagen 28 Prominente, Angehörige und Bewohner mit Foto auf sieben Seiten, warum sie sich ganz persönlich impfen lassen. Etwa Landrat Thomas Hendele: „Weil ich die Schwachen, aber eben auch meine Familie und mich selbst schützen möchte!“ Hildens stellvertretende Bürgermeisterin Marianne Münich: „Weil ich möchte, dass Pflegerinnen und Pfleger endlich wieder stressfreier und ohne Angst um Ihre Gesundheit arbeiten können und nicht noch mehr Menschen um ihre Existenz bangen.“ Oder CDU-Landtagsabgeordnete Claudia Schlotmann: „Nur durch Impfen können wir das Virus eindämmen.“ Bodo Keißner-Hesse, Leiter der Bildungsakademie Mettmann: „Weil ich das Leben liebe.“ Besonders berührt das Statement von Hedwig Pauly. Die 99-Jährige lebt im Hildener Wohn- und Pflegeheim Hummelsterstraße: „Weil ich meinen 100. Geburtstag im nächsten Jahr gerne mit Gästen feiern möchte.“

Ute Franke-Hesse ist Leiterin des Wohnstifts Haus Horst in Hilden. Sie geht davon aus, dass sich der überwiegende Teil der Mitarbeitenden impfen lässt: „Wenn sie entsprechend aufgeklärt sind. Daran arbeiten wir intensiv.“

Das Impfzentrum des Kreises in Erkrath ist einsatzbereit. Der Betrieb dort kann aber erst dann anlaufen, wenn genügend Impfstoff zur Verfügung steht. Wann das sein wird, lässt sich noch nicht sagen. Deshalb vergibt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein auch noch keine Impftermine.

„Für die allermeisten Bürgerinnen und Bürger im Kreis heißt das, dass sie sich noch in Geduld üben müssen“, betont Landrat Thomas Hendele. Aber jeder, der an der Reihe ist, werde das auf jeden Fall erfahren. Die Impfberechtigten erhalten Post und Informationen, welche Unterlagen sie zum Impftermin mitbringen sollen.