Neue Aufgaben für den BRW Wasserverband warnt vor Extremwetter

Haan/Hilden · Der Bergisch-Rheinische Wasserverband hat viele neue Aufgaben zu bewältigen. Noch kämpft er mit den letzten Spuren des Hochwassers und parallel muss er sich um eigene Energie-Erzeugung kümmern.

  Das Klärwerk Gruiten. Abwasser aus Gruiten soll künftig nach Mettmann gepumpt und dort gereinigt werden. Das Klärwerk Mettmann wird 2023 ertüchtigt.

Das Klärwerk Gruiten. Abwasser aus Gruiten soll künftig nach Mettmann gepumpt und dort gereinigt werden. Das Klärwerk Mettmann wird 2023 ertüchtigt.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Die Flutkatastrophe im Juli 2021 ist unvergessen. Düssel und Itter sind über die Ufer getreten, haben Straßen, Keller und Wohnungen unter Wasser gesetzt. Seither arbeitet der  Bergisch-Rheinische Wasserverband (BRW) an der Beseitigung der Schäden und auch deren Vorbeugung. Und die Arbeit reißt nicht ab.

„Letztes Jahr das Hochwasser, in diesem Jahr viel zu wenig Wasser. Die Zeiten, in denen ein paar kräftige Regengüssen nach einer Trockenperiode Flüsse und Talsperren wieder auffüllen, sind vorbei“, stellte Engin Alparslan, Geschäftsführer des Bergisch-Rheinischen Wasserverbands (BRW),  bei der Verbandsversammlung im Bürgerhaus Baumberg klar. Eine besorgniserregende Tatsache: In diesem Jahr fielen im Vergleich zu den letzten 30 Jahren 15 Prozent weniger Niederschlag im Verbandsgebiet.

Die Aufgaben des BRW: Hochwasserschutzkonzepte müssten umgesetzt werden, Rückhaltebecken saniert und der Durchmesser von Abflüssen vergrößert werden. „Wir müssen mit den Kommunen gemeinsam am Ball bleiben“, forderte Alparslan. Viele Anlagen seien aus den 90er Jahren. „Die müssen erneuert werden. Wir denken jetzt alles neu: Technik, weniger Energie-Zukauf und -Verbrauch, große IT-Sicherheit. Wir müssen weg von fossiler Verbrennung. Die fördert den Klimawandel nur“, so Alparslan.

Ganz frisch aus Brüssel komme außerdem jetzt auf den BRW und die Kommunen eine neue Abwasserregelung zu. Das koste Geld und erfordert eine deutliche Beitragssteigerung, so die BRW-Verantwortlichen. „Sowohl Materialkosten als auch die Dienstleistungskosten zur Aufrechterhaltung aller betrieblich erforderlichen Maßnahmen sind deutlich über 15 Prozent  angestiegen“, sagte der Geschäftsbereichsleiter der Verwaltung Michael Peters.

Welche konkreten Arbeitsschritte der Bergisch-Rheinische Wasserverband  in den nächsten Monaten und Jahren zu bewältigen hat, verdeutlichte anschaulich Kristin Wedmann von der Geschäftsführung. „Den Klimawandel spüren wir an allen Ecken und Enden“, sagt sie. „Wir können viel am Hochwasserschutz tun, aber nicht alles in Zukunft verhindern“, erklärte sie ehrlich. In sechs Kommunen arbeite man am Hochwasserschutz, sei aber zurzeit immer noch mit der Beseitigung der Schäden von 20/21 beschäftigt. Bilder zeigten Kläranlagen und Rückhaltebecken völlig verlandet – voller Schlamm und Sand sowie Treibholz, Ästen, Zweigen. Pflasterungen und Befestigungen wurden zum Teil völlig fortgespült.

Ganz wichtig: Der Bau des so genannten linken „Rhein-Rückstandsdeich“, eigentlich ein Itterdeich vor der Rheinmündung am Benrather Schlosspark. Dort muss bei Bedarf der Rhein noch in seine Schranken verwiesen werden. Dazu dient eine Spundwand, die aber nicht sichtbar sein wird. Baubeginn: Sommer 2023. „Es ist ein immenser Investitionsbedarf in den nächsten zwölf Jahren“, klärte die Fachfrau auf. Umfangreiche Bauarbeiten an den Klärwerken Angertal, Ratingen, Ohligs und Mettmann stehen 2023 an. Die Planungen, künftig das Abwasser aus Gruiten nach Mettmann zu pumpen, laufen weiter.

Auch der BRW braucht für seine Anlagen Energie, die für ihn teuer geworden ist. Der Schwerpunkt liegt deshalb auf Eigenerzeugung, durch Photovoltaik-Anlagen auf den Klärwerksdächern, so Wedmann. Von 16 Klärwerksstandorten eigneten sich acht. Zum Beispiel das Dach des Betriebshofes in Hilden. „Wir müssen außerdem den Verbrauch senken und anders einkaufen als bisher“, so die Fachfrau. In seinem Hauptgeschäft, der Abwasserreinigung, sei es 2022 gelungen, eine Eigenversorgung mit Strom von 50 und mit Gas von nahezu 100 Prozent sicherzustellen.

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