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Hilden gedenkt der Naziopfer aus der Reichspogromnacht

Kranzniederlegung in Hilden : Gedenken an das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte

Stolpersteine reinigen, Sternmarsch zum anschließenden Gedenken im Stadtpark, gemeinsamer Gottesdienst – Hildener erinnern an die Opfer der Nazis.

Das dunkelste Kapitel der Stadt Hilden begann am 9. November vor 83 Jahren. In Hilden zogen die Nazis mordend durch die Straßen, sieben Menschen starben an diesem Tag oder an den Folgen der Misshandlungen. Daran erinnerten am Dienstag viele Hildener, indem sie die Stolpersteine im Stadtgebiet reinigten, gemeinsam im Stadtpark der Opfer gedachten oder abends am ökumenischen Gottesdienst in der Reformationskirche teilnahmen.

Bereits am frühen Nachmittag strömten viele Hildener aus, um die Metallpatten der Stolpersteine zu reinigen. 48 liegen in den Bürgersteigen und erinnern an die Opfer, die von den Nazis ermordet oder in den Tod getrieben wurden. Von den Stolpersteinen aus gingen die Hildener in einer Art Sternmarsch zur zentralen Gedenkveranstaltung am Gedenkstein im Stadtpark. Der Arbeitskreis Stolpersteine, die Evangelische und die Katholische Kirchengemeinde, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie die Stadt Hilden hatten zu dem Gedenken eingeladen.

Bürgermeister Claus Pommer erinnerte am Gedenkstein im Stadtpark an die Anfänge des Judenhasses der Nazis, an die Nürnberger Gesetze, an die Teilung der Gesellschaft in „Wir“ und „Die“. Und er schlug einen Bogen zur Gegenwart: „Unsere Demokratie wird überall dort angegriffen, wo gesellschaftlicher Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus das Wort geredet wird. Ob in Alltagsgesprächen, in Diskussionsrunden oder in Internetforen“, sagte er. „Jede und jeder Einzelne von uns ist gefordert, Zivilcourage zu zeigen. Den Mund aufzumachen. Einzuschreiten, wenn Menschen in die Enge getrieben oder angegriffen werden. Laut und vernehmlich ,Nein’ zu sagen, wenn rassistische Bemerkungen fallen oder antisemitische Witze und Redewendungen die Runde machen.“ Der Kampf gegen Antisemitismus dürfe nicht allein von der Polizei oder Staatsschutz geführt werden. „Wenn wir heute den Opfern des Nazi-Terrors gedenken, geschieht dies nicht nur als Ausdruck unserer tief empfundenen Trauer. In unserem Gedenken bekräftigen wir unsere Entschlossenheit, Rassismus und Antisemitismus klar entgegenzutreten. Heute und in Zukunft.“

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Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus’ geht weiter: Die Musikschule lädt zu einem Konzert ein. Am Sonntag, 14. November, 17 Uhr, erklingen jüdische Lieder im Heinrich-Strangmeier-Saal im Weiterbildungszentrum Altes Helmholtz, Gerresheimer Straße 20. Im ersten Teil des Konzerts wird der Tenor Aron Proujanski, am Klavier begleitet von seiner Frau Olga Proujanskaia, Synagogengebete auf Aramäisch und auf Hebräisch vortragen. Der zweite Teil des Konzertes wird das Publikum durch ein breites Spektrum von Liedern der osteuropäischen Juden führen. Eintrittskarten zum Preis von 13,50 Euro (plus VVK-Gebühr) sind im Reisebüro Dahmen, Mittelstraße 73, oder unter www.neanderticket.de erhältlich. Die Abendkasse öffnet 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn.

(tobi)