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Hilden feiert nach Corona-Pause bei Kaiserwetter mit seinen Schützen

Schützen- und Heimatfest : Hilden feiert mit seinen Schützen

Beim ersten Schützen- und Heimatfest nach zweijähriger Pause strömen Tausende Hildener bei schönstem Wetter in die Innenstadt. „Man merkt, die Leute haben Nachholbedarf“, sagen die Schausteller. Fest endet an diesem Montag.

Popcorn, Autoscooter & Co. locken seit Freitag bei traumhaftem Sommerwetter Tausende Besucher in die Hildener Innenstadt. Rund um den Nove-Mesto-Platz und den alten Markt warten beim ersten Schützen- und Heimatfest seit Ausbruch der Corona-Pandemie zahlreiche Fahrgeschäfte und Buden auf kleine und große Besucher.

Sabrina Draba ist mit Mann und Kind gekommen. Ihre dreijährige Tochter Isabella dreht Runde um Runde im Flugkarussell. „Das ist ihr Highlight“, sagt ihre Mutter. Wie Isabella zieht es viele Kinder auf den Nove-Mesto-Platz, wo mit Autoscooter und Flugkarussell die großen Attraktionen aufgebaut sind. Das freut auch den Pressewart der St.-Sebastianus-Bruderschaft: „Früher war der Platz fast leer, und es fehlten die großen Fahrgeschäfte. Dieses Jahr haben wir sogar einen Gewinn an Schaustellern. Es sind die großen Sachen, die die Leute halten“, sagt Jörg Wiebusch.

 Seniorennachmittag im Festzelt auf dem alten Markt: Jongleur Anthony unterhält die Besucher.
Seniorennachmittag im Festzelt auf dem alten Markt: Jongleur Anthony unterhält die Besucher. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Dennoch hat die Corona-Pandemie die Veranstaltungsbranche hart getroffen und viele Schausteller in ihrer Existenz bedroht. Einige waren gezwungen, ihren Beruf aufzugeben. Simone und Markus Herweg betreiben ihr Kinderkarussell in der vierten Generation. „Vom Berufsverbot waren wir auch unmittelbar betroffen“, sagt Simone Herweg. Ihr Mann hat sich einen anderen Job gesucht. Aufgrund dessen habe der Schaustellerbetrieb keine Corona-Hilfen bekommen. Markus Herweg zieht einen Vergleich zum Besucheraufkommen vor der Pandemie: „Man merkt, die Leute haben Nachholbedarf. Es ist mehr los als die letzten Jahre“.

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Nicht nur die Kirmes erfreut sich großer Beliebtheit, die Schützen haben darüber hinaus ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt. Auch der traditionelle Seniorennachmittag am Samstag im Festzelt auf dem alten Markt erweist sich als großer Erfolg. Rund 90 Senioren, teils aus den umliegenden Seniorenheimen, genossen bei bestem Wetter Kaffee und Erdbeerkuchen, der von der Bruderschaft gestellt wurde. „Wir haben es in der Zeitung gelesen“, erzählt Marianne Frings. Sie verfolgt seit langem die Aktivitäten der Hildener Schützen: „Mein Bruder war schon Schützenkönig.“

Auch Jörg Wiebusch weiß um die tiefe Verwurzelung vieler in dem Brauchtum, das meist von Generation zu Generation in den Familien weitergetragen wird. Der Pressewart ist seit 32 Jahren im Verein aktiv und hat schon viele Schützenfeste miterlebt. „Für mich ist es wie eine Familie. Ich nehme mir auch immer Urlaub für das Schützenfest“, erzählt er. Umso schwieriger war für viele die coronabedingte Zwangspause.

Es habe sich unter den Schützen die „Couchanziehungskraft“ gezeigt, meint Andre Diehl von dem zur musikalischen Unterstützung angereisten Artillerie Fanfarencorps Düsseldorf Oberbilk 1925 mit einem Augenzwinkern: „Nach den ersten Festen im Frühling ist die Stimmung wieder deutlich gestiegen.“

Der Höhepunkt des Schützenjahres findet am Wochenende ohne Corona-Einschränkungen statt und lässt das Geschäft brummen: Die Schausteller registrieren einen verstärkten Ansturm auf ihre Fahrgeschäfte. Schausteller Markus Herweg sieht aber durch die hohe Inflation und die gestiegenen Kosten für Strom, Gas und Personal trotzdem kaum Möglichkeiten, einen höheren Gewinn zu erzielen: „Es bleibt wahrscheinlich sogar weniger übrig als früher. Was mehr reinkommt, wird durch die hohen Kosten gefressen. Wir werden nächstes Jahr außerdem spüren, dass die Leute nicht mehr so viel Geld übrig haben für ihre Freizeit.“ Eine neue Sorge, welche die vor den Corona-Entwicklungen in der kalten Jahreszeit überwiegt. Die beiden Schausteller glauben nicht an einen erneuten Lockdown, rechnen allerdings mit einer Wiedereinführung der Maskenpflicht. Noch steht für die Kirmes-Besucher jedoch die Rückkehr in die Normalität im Vordergrund.

Die Menschen strömen am Wochenende in die Mittelstraße, wo neben Festzelt und Kirmes auch Cafés und Stände von Händlern zum Verweilen einladen. Dort verfolgen viele den Einzug der Majestäten mit dem Bürgermeister Claus Pommer in das Festzelt.

Das Hildener Schützenfest hat bereits am Freitag mit dem traditionellen Fassanstich begonnen. Über das ganze Wochenende verteilen sich die Veranstaltungen der Schützen, darunter der Schützenball und am Sonntag der große Festzug durch die Stadt. Das Schützenfest endet am Montag mit dem Königs-, Prinzen- und Schülerprinzenschießen auf dem Schießstand an der Oststraße 80. Mit der Krönung der neuen Majestäten am Abend im Festzelt wird der amtierende Schützenkönig Wolfgang Erkelenz abgelöst. Er hatte das Amt coronabedingt seit 2019 inne.