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Hilden erneuert alle Poller-Anlagen in der City

Hilden : Stadt erneuert alle Poller in der City

Der Stadtrat will den Verkehr in der Innenstadt neu regeln. Die Ladezeiten in der Fußgängerzone wurden im Januar um eine Stunde verlängert, drei Ladezonen für Paketdienste versuchsweise eingerichtet. Die Ausschreibung für die acht neuen Polleranlagen sollen Ende August fertig sein. Baubeginn voraussichtlich im November.

Paketdienste und Lieferfahrzeuge sind ein gewohntes Bild in der Fußgängerzone, die eigentlich verkehrsberuhigt ist. Das Problem ist komplex, einfache Lösungen gibt es nicht.

Mit 2200 Metern Länge hat Hilden die mit Abstand längste Fußgängerzone in der Region. Zum Vergleich: die in Langenfeld ist nur 500 Meter lang, Ratingen kommt auf 750 Meter. Von den 115 Geschäften in der Hildener Fußgängerzone können nur 30, also nur gut ein Viertel, ohne Fahrt durch die Fußgängerzone beliefert werden. Da die meisten Läden erst ab 10 Uhr öffnen, baten Lieferanten und Zustelldienste um eine Ausweitung der Ladezeiten.

Dem ist die Politik gefolgt. Die Ladezeiten erhöhten sich ab Anfang dieses Jahres von 30,5 auf 36,5 Wochenstunden. Um 11 Uhr sollte mit dem Lieferverkehr allerdings Schluss sein, weil danach die Zahl der Fußgänger in der Innenstadt deutlich ansteigt. Die Praxis sieht häufig anders aus.

Paketdienste und Lieferanten dürfen die Fußgängerzone (Mittelstraße) eigentlich nur bis 11 Uhr (samstags bis 10 Uhr) befahren. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Auf der Bismarckstraße (Einmündung Kurt-Kappel-Straße), am Warrington-Platz und auf der Klotzstraße (Einmündung Mittelstraße) hat die Stadt versuchsweise für ein Jahr Ladezonen für Paketdienste eingerichtet. Sie sind auch nachmittags noch häufig in der Fußgängerzone zu sehen. Das hat auch mit der ständig steigenden Paketflut zu tun. Im vergangenen Jahr wurden knapp 3,7 Milliarden Sendungen durch die Kurier-, Express- und Paketdienst-Branche ausgeliefert. Hauptgrund für die größere Sendungsmenge ist der florierende Online-Handel.

Alle befragten Paketdienste hatten Ladezonen am Rand der Fußgängerzone als nicht praktikabel und wirtschaftlich nicht sinnvoll abgelehnt. Die Fahrer dürften ihre mit wertvollen Paketen vollgestopften Fahrzeuge nicht so lange allein lassen und könnten mit ihren Sackkarren keine langen Wege zurücklegen.

Die von der Stadt befragten Paketdienste lehnen die drei eingerichteten Ladezonen (wie hier an der Klotzstraße) ab. Foto: Christoph Schmidt

Die Politik wollte das aber nicht gelten lassen. Ordnungsamtsleiter Michael Siebert hat derzeit als Leiter des Krisenstabs im Rathaus alle Hände voll mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen zu tun. Der Verkehr in der Fußgängerzone muss da hinten anstehen. „Mein persönlicher Eindruck ist, dass die meisten Paket-Zusteller das Problem verstanden haben“, sagt Michael Siebert: „Mittags und Nachmittags sind nach meinem Eindruck weniger Lieferfahrzeuge zu sehen.“

Das Hauptproblem seien die „zu vielen illegalen Einfahrten“ in die Fußgängerzone. „Ohne neue Poller können wir nichts ausrichten“, so der Ordnungsamtsleiter. Die acht bestehenden, versenkbaren Polleranlagen sind zum Teil schon mehr als 30 Jahre alt und stammen von verschiedenen Herstellern. Ersatzteile müssen extra angefertigt werden. Tiefbauamtsleiter Harald Mittmann: „Die Poller funktionieren alle, aber manchmal auch nicht.“ Die Reparatur dauere zu lange, bis zu vier Wochen.

Deshalb und um den illegalen Verkehr in der Innenstadt in den Griff zu bekommen sollen alle acht Anlagen ausgetauscht werden, hat die Politik beschlossen. Kosten: rund 460.000 Euro. Ein Ingenieurbüro bereitet derzeit die öffentliche Ausschreibung vor. Das soll bis Ende August abgeschlossen sein. Anschließend wird die Ausschreibung veröffentlicht. Anbieter haben dann vier Wochen Zeit, ein Angebot anzugeben. Nach der Prüfung und Wertung der Angebote könnte im Oktober der Zuschlag erteilt werden – vorausgesetzt, es liegen akzeptable Angebote vor. Sonst müsste möglicherweise erneut ausgeschrieben werden. Wenn alles klappt, könnte mit dem Bau der neuen Polleranlagen im November begonnen werden.

Die Innenstadt wird nicht komplett abgepollert. Zwei Zufahrten werden mit Steckpfosten abgesperrt, damit auch Feuerwehren und Rettungsdienste aus anderen Städten im Notfall in die Fußgängerzone einfahren können. Darum hatte die Feuerwehr gebeten. Auch andere Städte wie Düsseldorf oder Velbert hätten ihre Fußgängerzonen nicht komplett abgepollert. Ausnahme: Langenfeld. Erster Beigeordneter Norbert Danscheidt, zuständig für die Feuerwehr: „Unsere Rettungsdienste hatten schon häufiger Probleme dort reinzukommen, weil es mit dem Automatik-Pollern technische Probleme gab.“