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Hilden einfach unglaublich

Hilden : Hilden - einfach unglaublich

Am 1. April schicken viele ihre Mitmenschen in den April. Wir nicht. Wir erzählen Ihnen Geschichten, die einfach unglaublich sind.

In Hilden leben mehr Hunde pro Quadratkilometer als in Berlin, München oder Frankfurt. Klingt unglaublich, ist aber wahr. Die Zeitschrift „Men‘s Health“ hatte vor einigen Jahren die Verwaltungsstatistiken der 50 größten deutschen Städte ausgewertet. Danach kam auf den 1. Rang: Herne mit 136 Hunden pro Quadratkilometer. Auf  Rang 2 stand Berlin mit 113 Hunden pro Quadratkilometer. Hilden war nicht aufgeführt, hätte mit 121 Hunden pro Quadratkilometer aber auf Rang 2 gehört, weit vor Essen (100), München (90), Düsseldorf (87), Köln (71) oder Frankfurt am Main (53). Das zeigt: Hilden ist zwar eine Kleinstadt. Die Hildener haben aber ein großes Herz für Hunde. Laut Stadt leben hier 3150 Vierbeiner.

 Dr. Martin Goldstein war „Dr. Sommer“ aus der „Bravo“. Er starb im Jahre 2012.
Dr. Martin Goldstein war „Dr. Sommer“ aus der „Bravo“. Er starb im Jahre 2012. Foto: Berns, Lothar (lber)

Das historische Rathaus (Mittelstraße 40) ist ein Schwarzbau. Das konnte in der Tat erst nach einem diskreten Hinweis des Landrates im allerletzten Moment vor der feierlichen Einweihung korrigiert werden. Das Alte Rathaus (Mittelstraße 40) mit neugotischer Sandsteinfassade wurde 1899/1900 von Architekt Walter Furthmann erbaut. 1888 wurde die Mittelstraße gepflastert und der Lärm des zunehmenden Straßenverkehrs begann Rat und Verwaltung sehr zu stören. Besonders wenn die eisenbeschlagenen Räder der Fuhrwerke über das Pflaster holperten. Die Stadtverordneten und Bürgermeister Heitland waren es 1898 so leid, dass sie den Abriss des Verwaltungsgebäudes und den Neubau eines richtigen großen Rathauses an gleicher Stelle beschlossen. Architekt Walter Furthmann aus Berlin, ein gebürtiger Hildener, ergatterte den Auftrag und errichtete ein – wie es damals hieß – „Prachtgebäude im Stil der Spätrenaissance“ aus Waiberner Tuff- und Lauterthaler Sandstein, das auf allgemeine Begeisterung stieß. Deshalb sah man über zwei kleine Schönheitsfehler einfach hinweg. Statt der veranschlagten 130 000 Mark kostet das prächtige Rathaus am Ende stattliche 163 633 Mark. Und es war ein Schwarzbau. Drei Wochen vor der offiziellen Einweihung am 18. Dezember 1900 (Hilden zählte jetzt 11.000 Einwohner) machte Landrat von Kühlwetter Bürgermeister Heitland darauf aufmerksam, dass er vergessen hatte, eine Baugenehmigung einzuholen. Das wurde diskret nachgeholt.

 Jacob Frey hat den „Oscar“ in Hollywood in der Kategorie Best Animated Film 2017 für den Film „Zootopia (Deutsch Zoomania) gewonnen. Er arbeitet als Character Animator für Disney Studios in Los Angeles.
Jacob Frey hat den „Oscar“ in Hollywood in der Kategorie Best Animated Film 2017 für den Film „Zootopia (Deutsch Zoomania) gewonnen. Er arbeitet als Character Animator für Disney Studios in Los Angeles. Foto: Jacob Frey
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In Hilden waren mal Flamingos zu Hause. Und das hatte nicht mit dem Klimawandel zu tun. Auf dem Rittergut Horst waren einst die Herren von der Horst zu Hause. Später gelangte es in den Besitz des Düsseldorfer Industriellen Paul Klingelhöfer. Er richtete dort 1927 die größte Hühnerfarm Deutschlands ein. Im Frühjahr 1965 machte dort ein Flamingopark“ Schlagzeilen. Über die Affäre berichtet Wolfgang Wennig in seinem 1977 erschienenen Buch „Hilden gestern und heute“. Damals sei ein zugereister Hotelier aufgetaucht und habe eine Restauration auf Haus Horst eingerichtet. Als besondere Attraktion eröffnete er einen „Flamingopark“, der als Durchgangsstation für den Handel mit exotischen Tieren dienen sollte. Der Park habe zahlreiche Besucher von nah und fern angelockt, berichtet Wolfgang Wennig. Bereits nach wenigen Monaten jedoch im November 1965 sei das Unternehmen gescheitert, weil keinerlei Möglichkeiten für das Überwintern der Tiere vorhanden waren. Der Bankrotteur sei bei Nacht und Nebel verschwunden und habe außer einem Berg Schulden seine armen Tiere zurückgelassen, um die sich dann der Tierschutzverein kümmern musste. Das demolierte Herrenhaus mit allem restlichen Besitz wurde von einer Erbengemeinschaft 1967 an eine Interessengruppe verkauft, die ihrerseits an eine Baugesellschaft weiter veräußerte. Das Herrenhaus wurde bis auf den mittelalterlichen Turmstumpf abgebrochen, daneben die bekannte Seniorenwohnanlage gebaut und 1977 bezogen.

 Hilden ist eine kleine Stadt mit einem großen Herz für Hunde.
Hilden ist eine kleine Stadt mit einem großen Herz für Hunde. Foto: Berns/Lothar Berns

Ein Hildener hat in Hollywood einen Oscar gewonnen. Unglaublich, aber wahr. Jacob Frey (34) aus Hilden lebt schon seit einigen Jahren in Hollywood – und hat 2017 als „Character Animator“ für „Zootopia“ („Zoomania“) einen „Oscar“ für den besten Animationsfilm bekommen. Sein Diplomfilm „The Present“ ist auf mehr als 300 Festivals weltweit gezeigt worden, hat über 75 Preise gewonnen und ist von mehr als 250 Millionen Menschen im Internet gesehen worden – und hat viele zu Tränen gerührt. Zurzeit arbeitet er an „Frozen 2“ („Die Eisköenigin 2“). Und besucht regelmäßig seine Eltern, die in Hilden wohnen.

Der berühmte Dr. Sommer war Hildener. 94 Prozent aller Deutschen kennen die Jugendzeitschrift „Bravo“, aber 98 Prozent kennen Dr. Sommer. Hinter dem Pseudonym verbarg sich Dr. Martin Goldstein. Der Arzt lebte lange in Hilden und war Mitbegründer des „Männerhauses Hilden“. Ab Heft 43/1969 wurde die Sexualaufklärung zu einem wichtigen Element der „Bravo“. „Kann man durch Küssen schwanger werden? Ist Onanieren schädlich?“ Dr. Sommer beantwortete geduldig zahllose solche Fragen. Er und sein Team bekamen 3000 bis 5000 Briefe pro Monat. Zweimal stand die „Bravo“ 1972 wegen Dr. Sommer auf dem Index. 15 Jahre lang bis 1984 schrieb der Autor, Psychotherapeut und Religionslehrer für Jugendliche über Liebe, Sex und Zärtlichkeit - und erreichte ein Millionen-Publikum. Er wurde 85 Jahre alt und starb 2012 nach langer schwerer Krankheit in einem Düsseldorfer Hospiz im Beisein seiner drei Kinder und seiner Lebensgefährtin.