1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Hilden: Eindrucksvolle Ausstellung zeigt „Feindbilder“

Hilden : Eindrucksvolle Ausstellung zeigt „Feindbilder“

Die prominente Publizistin Alice Schwarzer und Sandra Abend vom Kulturamt übernahmen die Einführung. Die Fotoskulpturen und Bilder sind bis 8. November 2020 im Gewerbepark Süd (Hofstraße 64) zu sehen. Eintritt frei.

Wer ist ihr Feind? Was würden Sie mit ihm tun? Verändert sich das Verhalten der Feinde, wenn man sie mit ihrem Verhalten konfrontiert? Eine Doppelausstellung im Gewerbepark-Süd thematisiert seit gestern eindrucksvoll den Umgang mit Feinden und Feindbildern: Die deutsch-mexikanische Malerin Sandra del Pilar zeigt ihre vielschichtigen „Feindbilder“, die Kölner Fotografin Bettina Flitner die Ausstellung „Mein Feind“. Gestern übernahmen die Feministin und Publizistin Alice Schwarzer und Sandra Abend vom Hildener Kulturamt die Einführung in die Werke.

Die zwölf Fotografien von Bettina Flitner entstanden bereits vor 28 Jahren und sorgten schon damals für Aufsehen: Passantinnen stellte sie damals die Fragen „Haben Sie einen Feind? Und wenn ja, was würden Sie mit ihm tun – wenn Sie es ungestraft tun dürften?“ Zur Visualisierung ihrer Antworten konnten die Frauen Spielzeugwaffen wählen. Die Bilder mit Zitaten machen auch heute noch betroffen: „Unser Feind? Der Papa, wa? Der kümmert sich überhaupt nicht mehr um die Kleine“, sagen eine Mutter und ihr Kind mit Schwertern in den Händen. Eine Frau mit Einkaufskorb und Gewehr wird mit den Worten zitiert: „Mein Feind ist mein Mann. Ich sag´ immer, der ist schlimmer wie Hitler.“ Die Bilder wurden länger nicht gezeigt. Sind sie noch relevant? „Ja, aber heute würden sie möglicherweise andere Reaktionen hervorrufen“, sagte Bettina Flitner. „Ich denke, die Männer haben früher deutlich aggressiver auf die Bilder reagiert.“ Zumindest öffentlich würde sich so heute wohl niemand mehr äußern. Vielleicht habe ein Bewusstseinswandel stattgefunden, die Verleugnung der Gewalt gegen Frauen sei weniger geworden, beschrieb die Fotografin den aktuellen Umgang mit den Aufnahmen und Statements. Auch die Feministin und Publizistin Alice Schwarzer betonte: „Darüber zu sprechen ist die Voraussetzung der Veränderung.“ Flitner habe es in ihrem Werk geschafft, dass sich die Frauen über Gewalt vor allem durch Väter und Ehemänner bewusst würden und darüber redeten. Durch die Bilder werde es nahezu unmöglich, weiter einfach wegzuschauen.

 Sandra del Pilar lebt und arbeitet in Deutschland und in Mexiko.
Sandra del Pilar lebt und arbeitet in Deutschland und in Mexiko. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Die Werke Sandra del Pilars sind im Gegensatz dazu erst in jüngster Zeit entstanden: Während des Corona-Lockdowns habe sie arbeiten können wie noch nie, berichtete Sandra Abend. Die „Feindbilder“ zeigen die gewaltvollen Strukturen einer sich ständig verändernden, globalisierten Gesellschaft. In ihren Bildern beschreibt die Malerin oftmals beklemmende Gefühlszustände. „Sandra del Pilar greift in ihrer Arbeit das Zeitgeschehen und die Politik auf und fragt „Wer ist der Feind?“, machte Abend auf die Ausstellung neugierig. Ein junger Besucher der Vernissage war gestern begeistert von den Werken der Deutsch-Mexikanerin: „Das ist Kunst, die etwas aussagt und dabei noch gut aussieht. Das ist eher selten.“ Extra aus Lübeck angereist war der Archäologe Hans-Ulrich Cain, um im Vorfeld an der Tagung „Feindbilder“ und nun an der Ausstellungseröffnung teilzunehmen. Cain suchte den Diskurs mit anderen Disziplinen und sagte: „Das Thema „Feinde“ und „Feindschaft“ zieht sich durch alle Zeiten.“ „Restlos begeistert“ war auch er von Sandra del Pilars Werken: „Die Aussagen und ihre Umsetzung stimulieren und regen auf.“ Die Sängerin und Pianistin Lucie Benavides hatte dazu passende Songs ausgewählt. Für ihre tolle Performance bekam sie viel Beifall.