Hildener Bürger äußern Bedenken Diskussion um Flüchtlingsunterkunft an der Hofstraße

Hilden · Warum braucht die Stadt eine Unterkunft für geflüchtete Menschen an der Hofstraße? Antworten darauf wurden am Dienstagabend im Gemeindezentrum der Erlöserkirche gesucht.

 Die Stadtspitze stellte sich am Dienstag im Gemeindezentrum der Erlöserkirche den Fragen der Bürger.

Die Stadtspitze stellte sich am Dienstag im Gemeindezentrum der Erlöserkirche den Fragen der Bürger.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Die Vorgabe ist klar: Die Stadt muss in der Lage sein, die ihr zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen. Also muss eine Unterkunft gebaut werden und das soll an der Hofstraße 98 geschehen. Die Umsetzung gleicht einem Slalom durch Gesetze und Verordnungen. Aufgrund der schlechten Haushaltslage muss das Projekt durch einen Kredit finanziert werden.

Es gab also viel Gesprächsstoff am Dienstagabend in der Erlöserkirche an der Sankt-Konrad-Allee. Dort stellte die Verwaltung nicht nur die Route durch die nächsten Torstangen vor, sie suchte auch das Gespräch mit den Bürgern, die mit vielen Fragen gekommen waren. Das Gemeindezentrum war jedenfalls fast bis auf den letzten Platz besetzt.

Bürgermeister Claus Pommer skizzierte die Ausgangslage: Zurzeit halten sich in Hilden 832 Flüchtlinge auf. Nach dem Königsteiner Schlüssel gibt es die Verpflichtung, weitere Menschen aufzunehmen. Diese werden, das zeigte eine vorgestellte Grafik, voraussichtlich im April und Mai in hoher Zahl kommen. Das Balkendiagramm erreichte für beide Monate jeweils einen Wert um die 50.

Baudezernent Peter Stuhlträger stellte im Anschluss vor, wie die Stadt auf diese Entwicklung reagieren möchte, aufgrund von Vorgaben letztlich reagieren müsse: An der Hofstraße 98 soll für 7,9 Millionen Euro eine Unterkunft errichtet werden. 180 Personen sollen auf einer Bruttogeschossfläche von rund 2000 Quadratmetern untergebracht werden, und die Ausschreibung soll noch in dieser Woche starten. Bei der Nennung der Baukosten ging ein Lachen durch die Reihen, und so bestätigte sich die Erwartung von Claus Pommer. Der Bürgermeister hatte eingangs deutlich gemacht, dass er mit einem emotionalen Abend rechne.

Tatsächlich wurde es ein Abend, an dem die Bürger viele Fragen stellten...

Zum Beispiel zur Sicherheit. Laut Auskunft von Sven Kraemer, Leiter der Polizeiwache an der Kirchhofstraße, komme es im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften nicht zu vermehrten Einsätzen. Seine Erklärung war die Antwort auf den Hinweis, dass an der Herderstraße in der Nähe zu einer Flüchtlingsunterkunft mehrfach Autoreifen zerstochen worden waren und Anwohner Angst hätten, spätabends alleine mit dem Hund ihre Runde zu drehen. Kraemer versprach: Die Polizei werde im Bereich der Hofstraße Präsenz zeigen.

Oder zum Einfluss auf das Klima. Mit Verweis auf das Starkregenereignis vom Juli 2021 wurde auf die ohnehin schon hohe Versiegelung in Hilden verwiesen. Gerade die Straßen rund um das geplante Flüchtlingsheim stünden nach Regenfällen immer wieder unter Wasser. Ein solches Extremereignis wie vor zweieinhalb Jahren könne nicht der Maßstab sein, erwiderte Stuhlträger. Anhand von Kartierungen stellte er dar, in welche Richtung Regenwasser abfließen würde: auch nach dem Bau der Unterkunft in Richtung der an der Bahntrasse geplanten Streuobstwiese. Auch könne ein dreistöckiges Gebäude – bei diesem Hinweis ging ein Raunen durch die Sitzreihen – kaum der Treiber für einen weiteren Temperaturanstieg im Hochsommer sein. Gegen Ende des Abends fiel noch dieser Satz: „Dieses Objekt wird das Klima in Hilden nicht zerstören.“ Eine Sorge der Anwohner konnte schnell ausgeräumt werden: Sollten die Hofstraße nach den Bauarbeiten sanierungsbedürftig sein, müssten diese Kosten von Land und Kommune getragen werden.

Und immer wieder stand die Frage nach Alternativen im Raum. Laut Auskunft von Peter Stuhlträger hatte die Stadt 16 Standorte geprüft und drei als geeignet eingestuft. Die entscheidende Debatte dazu fand im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung im Dezember statt. Danach sei deutlich gewesen, dass eine Unterkunft an der Düsseldorfer Straße nicht innerhalb des anvisierten Zeitraums entstehen könne. Unabhängig vom Standort erwartet der Baudezernent Klagen gegen den Bau einer Unterkunft. Er sieht jedoch grundsätzlich gute Chancen, dass die Stadt am Ende ihr Vorhaben wird umsetzen können. Nur: Der Bau einer Unterkunft an der Düsseldorfer Straße hätte aufgrund ihrer Größe und der Nähe zum Störfallbetrieb Akzonobel durch eine Klage bis in die höchste Instanz um bis zu vier Jahre verzögert werden können. An der Hofstraße sieht Stuhlträger diese Gefahr nicht.

Viele Bürger hatten, das wurde in ihren Redebeiträgen deutlich, den Verdacht, von der Stadt vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. So stand unter anderem der Vorwurf im Raum, dass die Stadt alternative Optionen nicht ausreichend geprüft habe. Diesem Eindruck widersprach Pommer ausdrücklich. „Ich möchte, dass Sie verstehen, dass wir als Anwohner damit nicht klarkommen“, erwiderte ein Bürger und schloss mit diesem Appell: „Gehen Sie in sich und prüfen Sie andere Optionen.“ Als solche wurden unter anderem eine leere Tennishalle im Hildener Norden und ein einst von der Firma Nilos genutztes Gebäude an der Hofstraße 56 genannt.

Sollte der Verwaltung der weitere Slalom um die Torstangen gelingen, würde die Unterkunft an der Hofstraße 98 im Herbst 2025 nach einjähriger Bauzeit bezugsfertig sein. Der Rat müsste die Entscheidung für den Bau in seiner Sitzung im August oder September treffen. Bis dahin können die Bürger, auch das wurde am Dienstag deutlich, mit sachdienlichen Hinweisen ihren Teil dazu beitragen, dass die geflüchteten Menschen, mit denen Hilden zu rechnen hat, vielleicht doch noch anderenorts untergebracht werden.

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