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Hilden: "Hilden bringt's": Marathon für die Ohren

Hilden : "Hilden bringt's": Marathon für die Ohren

Sechs Bands machten sieben Stunden lang Musik. Die Neuauflage des Konzerts riss erneut das Publikum mit.

1984: Helmut Kohl regierte als Bundeskanzler, der VfB Stuttgart wurde Deutscher Fußball-Meister und Hilden bekam ein Brandzeichen: Unter dem Titel "Hilden bringt's" feierte die Musikszene der Stadt eine Monster-Party. 30 Jahre später gab es die Neuauflage: Jetzt startete erneut "Hilden bringt's".

Hat das wilde Ding von damals noch Saft? Und ob: Farfarello-Teufelsgeiger Mani Neumann ignorierte am Samstag alle Altersrunzeln und ließ die Thrombose-Strümpfe einfach weg. Als die gleißende Herbst-Sonne untergegangen war, verwandelte sich die Stadthalle in einen Fetenraum, in dem grauhaarige Herren über Stuhllehnen kletterten. Warum? Ganz einfach, weil sie es noch können.

Sechs Bands machten sieben Stunden lang Musik. Und pflügten dabei ihre Tonspur quer durch alle Stilrichtungen. Von Rockabilly über Hardrock, Blues, Jazz bis hin zur Violinen-Virtuosität reichte das Angebot. De Botschaft dazu hieß: Hurra, wir leben noch!

Irgendeiner musste ja den Anfang machen. Das Los erwischte die jüngsten - Durchschnittsalter: 19 Jahre - die Hildener Band S.PAM. Das war schade. Denn Sängerin Alina Johann und die Rohrschneider-Brüder Marvin, Dennis und Philipp hätten mehr verdient gehabt als die anfangs 100 bis 150 Zuschauer. Eine tolle Stimme, ein guter Drive - vor allem bei den Stücken aus den 50er und 60er Jahren. Eine starke Eröffnung - und überhaupt, muss in 30 Jahren ja noch jemand da sein vom 2014er "Hilden bringt's".

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"Eigentlich wollen wir das jetzt jedes Jahr machen", sagte Mani Neumann grinsend, der für das Festival Stadt, Stadtmarketing und vor allem die Musiker zusammengetrommelt hatte. Rund 700 Karten seien im Vorverkauf weggegangen. An der Abendkasse kamen bestimmt noch ein paar hinzu. Kulturamtsleiterin Monika Doerr sah gelassen zu, wie sich die Norm-Stadthalle in einen Blues- und Rockschuppen verwandelte: "Es war ein legendäres Konzert, damals. Klar, dass wir schnell reagieren wollten und Mani Neumann bestmöglich unterstützt haben."

Bürgermeisterin Birgit Alkenings kam nach Sonnenuntergang in die Stadthalle: "Nicht weitersagen, ich war auch damals dabei..." Sie sah, wie Peter Driessen mitsamt Band den abgeklärtesten Blues nördlich der Itter spielten und hörte, wie Udo Ern bei den Acoustic Blues Companions, zu denen auch Ausnahme-Drummer Ulf Stricker und Bassist Klaus Eisner gehören, im Gitarrenduell mit seinem Sohn ein glattes Unentschieden auf die Bühne zauberte. Will heißen: Vater und Sohn standen sich in nichts nach.

Dann hatte der Saal die richtige Betriebstemperatur für Farfarello erreicht. Geiger Mani Neumann und Gitarrist Ulli Brand rollten jenen Traumklang-Teppich aus, der dem Trio seit mehr als drei Jahrzehnten eine treue Anhängerschaft beschert. Schade, dass am Mischpult der Schalter auf "große Oper" umgelegt wurde. So waren vor allem die Soli der Saiteninstrumente viel zu laut. Wo die Violine zart bis traumhaft hätte schweben sollen, rollte eine tonnenschwere Ton-Walze über das Publikum hinweg. Da wäre weniger etwas mehr gewesen.

Nach dem Abgang des Haupt-Acts wurde das verbliebene Publikum zum Star. Es feierte den Hard-Rock der Moondogs ebenso frenetisch wie den kühl perlenden Jazz von "Lohninger und Phishbacher", die die Unentwegten in die Hildener Nacht entließen.

Es muss nicht noch einmal 30 Jahre dauern bis zur nächsten Ausgabe von "Hilden bringt's".

(dne)