Hilden: Bienenstöcke auf dem Bürgerhaus

Hilden : Bienenkisten in der City sorgen für Wirbel

Am Bürgerhaus wurden Bienenkästen aufgestellt. Allerdings ist der Standort nur für Werbung vorgesehen.

Neun braune Kisten stehen auf den Schaukästen am Hildener Bürgerhaus und sorgen derzeit für viel Aufregung. Es sind Bienenstöcke, die Manfred Kluth dort aufgestellt hat – um der Bevölkerung die Insekten näher zu bringen.

Doch das erfreut nicht jeden: Einer, der sich über den prominenten Standort für Bienenstöcke ärgert, ist Roberto Mattern, der gleich neben den Schaukästen vier Mal in der Woche seinen Obst- und Gemüsestand aufbaut. „Am Wochenende wurden hier viele Kinder gestochen“, erzählt er.

Auch beim Ordnungsamt sind schon Beschwerden über die Bienenstöcke eingegangen, heißt es von der Stadt. Daraufhin sei ein Imker und Mitglied des Bienenzüchtervereins vor Ort gewesen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Nach seinen Einschätzungen gehe von den Bienen aufgrund der Standorthöhe keine Gefahr aus. Die Tiere steigen in der Regel sofort auf und suchen Blüten, an Menschen oder Obst seien sie jedoch nicht interessiert. „Ein Eingreifen des Ordnungsamtes ist daher nicht notwendig und auch nicht möglich“, sagt Dezernent Norbert Danscheidt. Dass aktuell so viele Wespen auf dem Vorplatz des Rathauscenters sind, liegt nach Einschätzung des Experten an der aktuell starken Population, nicht aber an den Bienenstöcken.

Allerdings dürften die Schaukästen laut Stadt nach der Baugenehmigung nur genutzt werden, um darin Werbung für Hildener Betriebe zu machen – und nicht um Bienenstöcke darauf zu platzieren.

Von der Stadt sei Manfred Kluth aufgefordert worden, die Kästen zu entfernen. „Das Bauverwaltungs- und Bauaufsichtsamt ist prüfend tätig“, hieß es am Freitag von der Stadt.

Kluth versteht die ganze Aufregung nicht. So sei schließlich ein Antrag der Grünen im Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz beschlossen worden, der Maßnahmen für eine „insektenfreundliche Stadt“ fordert. Dazu sollen „im öffentlichen Raum sowie an Schulen und Kindergärten exemplarisch Blühangebote, charakteristische Lebensraumstrukturen sowie Nisthabitate geschaffen und gefördert werden.“ In der Ablehnung der Stadt sieht Kluth einen Widerspruch. „Meinen Haus-Bienen fehlt jegliche Aggressivität“, sagt er, „für mich ist es völlig risikolos, ohne die Imkerschutzkleidung die Bienen am Stock zu versorgen. Bienen sterben bekanntlich nach einem Stich und stechen deshalb nur in äußerster Notlage.“ Die Ablehnung könne er nicht verstehen, es solle doch darum gehen, sich auf eine Beziehung zu den Bienen einzulassen, und damit das Verständnis für die Natur zu fördern. Aber gehören Bienen überhaupt in die Stadt? Der Naturschutzbund sagt Ja. Gerade die Honigbiene ziehe es immer mehr in die Stadt, denn auf dem Land finde sie nicht mehr genügend Nahrung. Hecken, Waldstücke und Bachränder würden für die Agrarindustrie systematisch gerodet. Und Bauern würden ihre Wiesen vor der Blüte mähen. In der Stadt sei das Blütenangebot reichhaltiger und es gebe auch weniger Pestizide. Stadtbienen seien also gesünder als Landbienen.

Mehr von RP ONLINE