Ben Eumann ist Preisträger bei „Jugend forscht“ Ein ausgezeichneter Chemiker

Hilden · Beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ hat er sich unter die vorderste Reihe gemischt: Ben Eumann wurde für seinen Wissensdrang in Chemie nun ausgezeichnet. Diese Ehre bringt Verpflichtungen. Warum der Kanzler dennoch warten muss.

 Der 18 Jahre alte Ben Eumann hat beim Bundeswettbewerb von „Jugend forscht“ abgeräumt.

Der 18 Jahre alte Ben Eumann hat beim Bundeswettbewerb von „Jugend forscht“ abgeräumt.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Wer auf Google nach „Nelkenduft aus Teer“ sucht, findet gerade einmal vier Dutzend Einträge, die quasi alle zu einem jungen Hildener führen: Ben Eumann entwickelte eine chemische Methode, mit der sich Guajacol aus minderwertigem Holzteer extrahieren lässt. Diese Substanz ist ein wertvolles Zwischenprodukt bei der Synthese von Vanillin und anderen Aromastoffen.

Der 18-Jährige, der das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium besucht, seinem Forscherdrang jedoch im Chemieraum des Helmholtz-Gymnasiums nachgibt, ist nun im Rahmen des Wettbewerbes „Jugend forscht“ ausgezeichnet worden: Ben Eumann ist Bundessieger in der Sparte „Chemie“. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert. Außerdem erhält er einen Preis für sein Forschungsprojekt, weil es sich dabei laut Einschätzung des Verbandes der Chemischen Industrie um eine Arbeit handelt, die den Trend zu mehr Nachhaltigkeit in dieser Branche unterstützt. Dafür gibt es 1000 Euro extra. Was tun mit diesem Reichtum? „Ich habe noch gar keine Idee, wofür ich das Geld ausgeben werde“, sagt Ben Eumann. Also wird es wohl zunächst einmal sparen.

Ist damit der Berufsweg in die Forschung vorgezeichnet? Der Schüler wird im Sommer ein Praktikum beim Düsseldorfer Unternehmen Henkel beginnen. Der Produzent von Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Klebstoffen ist mit einem Jahresumsatz in Höhe von mehr als 21 Milliarden Euro (2023) eines der größten deutschen Unternehmen. Auf LinkedIn sprach eine Vertreterin von Henkel bereits einen Glückwunsch im Namen des Konzerns aus. Und auch bei der Konkurrenz hat der Hildener schon einen Termin: Ein weiteres Praktikum absolviert er bei Bayer.

Aber wie kommt man überhaupt auf die Idee, Nelkenduft aus Teer zu isolieren? Den Anstoß gab wohl die Begeisterung der Mutter fürs Reiten. Zwar sprang diese Leidenschaft nicht auf den Sohn über, doch dafür blieb dessen Blick an einem Detail hängen, und damit war er direkt wieder bei seinem Thema, der Chemie: Pferdehufe werden mit Buchenholzteer behandelt. Es wirkt wundheilend und desinfizierend. Dafür interessierte sich Ben Eumann brennend. „Ich hatte gelesen, dass da Guajacol drin enthalten ist.“

Für Naturwissenschaften habe er sich schon von Kindesbeinen an begeistern können, erzählt Ben Eumann. Zunächst habe er gemeinsam mit seinem Großvater an elektronischen Geräten gebastelt, „obwohl er Deutsch- und Religionslehrer ist“. Sein Vater sei Physiker. Der Forscherdrang scheint also zumindest unter den männlichen Mitgliedern seiner Familie in den Genen zu liegen. Eine wichtige Rolle spielte aber schon ganz früh Walther Enßlin, ein Lehrer für Physik, Chemie und Informatik. Ihn habe er schon im Alter von sechs, sieben Jahren kennengelernt, weil er an der Volkshochschule Kurse in Kinderwissenschaften (Kiwi) gegeben habe.

Gut zehn Jahre später hat Ben Eumann das Ende seiner Schullaufbahn vor Augen. Er baut in diesem Jahr am Helmholtz-Gymnasium sein Abitur. Natürlich mit dem Leistungskurs Chemie und als zweitem Hauptfach Mathematik. Englisch als Nebenfach im Abitur passt dazu, ist doch wissenschaftliche Literatur häufig in dieser Sprache verfasst. 14 Punkte habe er in der mündlichen Prüfung erhalten, verrät der Schüler. Prüfen lässt er sich zudem in Philosophie, denn ganz ohne Geisteswissenschaften geht’s bei der Reifeprüfung halt nicht.

Nach den beiden Praktika im Sommer soll es im Herbst das Studium der Chemie starten. Vermutlich werde er sich für die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf entscheiden, sagt der 18-Jährige, denn die besitze eine der größten und besten Fakultäten in diesem Wissenschaftszweig. „Und ich müsste dann nicht umziehen!“ Und falls doch? Dann würde seine Wahl auf die Universität Münster fallen. In dieser Woche besuchte er in der westfälischen Stadt den BASF-Standort – auch ein potenzieller Arbeitgeber für einen Chemiker.

Und danach? „Für Bayer oder Henkel zu arbeiten, kann ich mir gut vorstellen“, sagt Ben Eumann. „Mich zieht es eher in die Industrie als in die Lehre.“ Und diese Absicht kann er gut begründen. An den Universitäten seien viele Arbeitsverträge nur befristet und der Kampf um eine gut bezahlte Professur hart. Reichen würde ihm schon der Doktortitel, denn ohne „hat man in der Industrie keine Chance als Chemiker“.

Mit der Auszeichnung im Rahmen von „Jugend forscht“ kommen auch die Verpflichtungen. Vor Kurzem wurde Ben Eumann im Rathaus von Bürgermeister Claus Pommer empfangen. Und tatsächlich schwebt auch noch ein Empfang im Bundeskanzleramt im Raum. Das Problem: Dieser Termin in Berlin kollidiere mit einem geplanten Urlaub gemeinsam mit den Eltern auf Bali. Ob die Chemie zwischen Olaf Scholz und Ben Eumann stimmt, wird der Kanzler also womöglich nie erfahren.