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Hilden befindet sich fest in Narrenhand

Altweiber : Hilden befindet sich fest in Narrenhand

Rathaussturm, Party im Zelt auf dem alten Markt, Sturm der Waldkaserne – mit Altweiber beginnt die heiße Phase des Karnevals.

Lange hat der Widerstand Altweiber nicht gedauert – nach wenigen Minuten hatten die Narren am Donnerstag das Tor zur Waldkaserne überwunden und die Feldjäger zur Seite getrieben. Die waren zuvor mit Helm, Schild mit rosa Rose und Schlagstock angerückt, um die Waldkaserne im 65. Jahr vor dem karnevalistischen Volk zu schützen.

„Treten Sie zurück“, riefen die Feldjäger, bevor sogar ein Wasserwerfer als Verstärkung anrückte. Als auch das nicht half, setzte die Militärpolizei „nicht-letale Spaßmittel“ ein: Mehrere Soldaten rückten mit Konfettikanonen an.

Waldkasernen-Kommandeur Oberstleutnant Björn Taube kapitulierte am Ende und gab das Tor frei: „Was sollen wir machen. Die sind in der Überzahl.“ Die Feldjäger standen Spalier, als die Narren in die Kaserne einrückten, um in der Sporthalle auf dem Gelände zu feiern.

Ein paar Stunden zuvor in der Innenstadt: Auf der verrammelten Rathaus-Tür prangt das wohl berühmteste Graffiti der East-Side-Gallery der Berliner Mauer. Der Bruderkuss von Breschnew und Honecker wurde zum Sinnbild des politischen Aufbruchs in der DDR, noch verstärkt durch den Trabi, der die Mauer durchbricht. Was wollte uns das Bürgermeister-Team (Kompliment für die Idee) damit wohl sagen? Dass Hilden auch einen politischen Aufbruch braucht? Am 13. September werden das Kommunalparlament und das Stadtoberhaupt neu gewählt.

Viel Zeit zu überlegen blieb nicht. Ruckzuck waren gestern die Jecken da und wollten die Macht übernehmen. „Wir sind das Volk!“, riefen. „Ihr seid mir ein Volk!“, flachste Altbürgermeister Günter Scheib zurück, einer der verteidigenden Rathauspfeifen. Prinzessin Mareike hatte sich ruckzuck den Weg freigebützt.

Rasch war der Rathausschlüssel gefunden und Bürgermeisterin Birgit Alkenings entmachtet. Sie hat sich gar nicht groß gewehrt und wirkte ein bisschen erleichtert, die Verantwortung los zu sein. Im städtischen Haushalt klafft nämlich kein Finanz-Loch, sondern ein Krater vom Ausmaß des Braunkohletagebaus.

Und der Stadtrat duckt sich weg (will noch keine Beschlüsse fassen). Man will erst im kommenden Jahr mit dem Sparen anfangen. Wenn die Kommunalwahl vorbei ist:  Das kann man so sehen – muss man aber nicht. Eines ist jedenfalls sicher: Die nächsten Tage wird nicht über Geld geredet.

Das hat auch die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert verstanden. Und lädt Altweiber rund 1000 Jecken jedes Jahr ins Festzelt auf dem alten Markt ein. Auf keiner Party wird mehr gefeiert als dort. Hat das vielleicht mit dem Freibier zu tun? Prost, Stößchen, Helau!

Hier geht es zur Bilderstrecke: So feiert Hilden Altweiber 2020