Hilden Baurecht geht vor Baumrecht

Hilden: Baurecht bricht Baumrecht

An der Ecke Händelstraße/Zelterstraße sollen in diesem Herbst mehrere alte Bäume gefällt werden. Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) will dort 38 neue Wohnungen bauen.

Ein besorgter Leser meldet sich bei der Redaktion: „Ich habe gehört, dass hier im Oktober Bäume gefällt werden sollen. Die LEG will dort bauen. Da stehen mehrere uralte Bäume, sechs oder sieben, mit einem Stammdurchmesser von etwa zwei Metern. Das finden hier alle Anwohner schrecklich. Wir haben sowieso zu wenige Grünflächen in Hilden. Die sollen doch für unsere Enkel erhalten bleiben.“

Bei dem besagtem Grundstück handelt es sich um eine Grünfläche an der Händelstraße/Zelterstraße. Unbebaute Flächen sind rar in Hilden, noch dazu solche, auf der alte Bäume stehen. Das ist es, was die Anwohner aufregt.

Sprecherin Judith-Maria Gillies erklärt, was die LEG vorhat: „Auf der Freifläche zwischen Händelstraße und Zelterstraße in Hilden planen wir, im Zuge des Wohnungsbedarfs in NRW drei neue Gebäude mit 38 Wohnungen zu bauen. Da hierzu die Bäume auf dem Grundstück gefällt werden müssen, haben wir dazu einen Antrag bei der Stadt gestellt, den das Amt für Grünflächen genehmigt hat. Unter strenger Berücksichtigung der gesetzlich festgelegten Vogelbrutzeiten werden wir Anfang Oktober mit den Baum- und danach mit den Bauarbeiten beginnen. Die gefällten Bäume werden wir durch 17 neue Bäume auf unseren Flächen ersetzen.“

Über diese Pläne habe man die Mieter schon vor einiger Zeit informiert, „auch darüber, dass die angrenzenden Gärten natürlich erhalten bleiben und von den Mietern wie gewohnt genutzt werden können. Einen alten Bolzplatz auf dem Baufeld ersetzen wir außerdem durch einen modernen Spielplatz mit mehreren neuen Spielgeräten. Die Fertigstellung der neuen Häuser ist für Frühjahr/Sommer 2020 vorgesehen.“

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Der Leser trauert schon jetzt um die alten Bäume, „um Igel, Maulwürfe, Frösche und Vögel. Wo sollen die denn hin?“ Der Ersatz durch junge Bäume ist für ihn kein Trost. „Ich verstehe nicht, dass die alten gefällt werden dürfen. Ist das überhaupt erlaubt?“ Es ist erlaubt. Stadt-Sprecherin Hendrike Ludes-Loer verweist auf die Hildener Baumschutzsatzung von 2010. Dort steht zwar: „Geschützt sind Bäume mit einem Stammumfang von mindestens 90 cm, gemessen in einer Höhe von 100 cm über dem Erdboden. Stadtbäume sind wichtig für Mensch und Natur, sie erhöhen die Luft- und Lebensqualität und sorgen so für ein besseres Klima.“

Gemäß Hildener Baumschutzsatzung dürfen allerdings mit vorheriger Genehmigung der Stadt Bäume gefällt werden, „wenn eine nach den baurechtlichen Vorschriften zulässige Nutzung sonst nicht oder nur unter wesentlichen Beschränkungen verwirklicht werden kann.“ Somit gilt hier: „Baurecht bricht Baumrecht“. Im Gegenzug sind die Eigentümer aber verpflichtet, Ersatz zu pflanzen und zu erhalten. – Genau das tut die LEG.

Die Wohnungen, die dort entstehen, sind übrigens nicht für jedermanns Geldbeutel erschwinglich: „Die Grundmiete in den Wohnungen der Neubauten wird nach Fertigstellung rund elf Euro pro Quadratmeter betragen“, teilt LEG-Sprecherin Gillies mit. Dafür sind sie aber auch vom Feinsten.

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