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Hier schlug das Herz der Wirtschaft in Hilden

Historisches Hilden : Hier schlug das Herz der Hildener Wirtschaft

Hummelster ist ein altes Bauerngut. Dann schlägt mit der Gesellschaft für Baumwoll-Industrie hier das Herz der Hildener Wirtschaft. Die HAT baut dort einen Sportplatz. Heute steht dort ein Wohn- und Pflegezentrum. Hier sind sieben Fakten, die Sie vielleicht noch nicht kennen.

1) Die Gesellschaft für Baumwoll-Industrie (zuvor: Reyscher & Bergmann) ist im 19. Jahrhundert eine Baumwoll-Färberei und Kattundruckerei in Hilden. Die Werksanlagen stehen auf einem Grundstück an der Ecke Hummelsterstraße / Hochdahler Straße und erstrecken sich westlich der Elberfelder Straße bis zur Hochdahler Straße sowie in nördlicher Richtung von der Itter an der jetzigen Berliner Straße bis zur Hummelsterstraße. Deshalb wird die Fabrik auch Hummelster Fabrik genannt.

2) Das Gelände in Hummelster gehörte 1830 noch dem Gutsbesitzer und Kaufmann Theodor Bongard dem Jüngeren, (am 5. Juni 1759 evangelisch-reformiert getauft in Hilden; gestorben 8. Mai 1834 in Hilden), der im Haus Hagdorn, dem ersten Steinhaus in Hilden wohnte. Er war auch Eigentümer des Ritterguts Haus Horst. Das Gelände war Theodor Bongard d. J. durch seine Heirat mit Anna Gertrud Leven zu Hummelster zugefallen. „Hummelster“ ist ein altes Bauerngut, das häufiger in alten Aufzeichnungen auftaucht.

 Das Unternehmen Kampf & Spindler nutzte später die Fabrikanlagen an der Hummelsterstraße.
Das Unternehmen Kampf & Spindler nutzte später die Fabrikanlagen an der Hummelsterstraße. Foto: Stadtarchiv Hilden

3) August Reyscher (1802–1869) und sein Schwager und Gesellschafter Werner Albrecht Henning Bergmann (1810-1870) kaufen 1842 und 1845 aus alten Teilstücken des Hummelster-Geländes ein Grundstück zusammen. Dort errichten sie die Kattundruckerei und Färberei an der Ecke Hummelsterstraße / Hochdahler Straße. Ihr Unternehmen ist sehr erfolgreich. August Reyscher wird im  Oktober 1842 Erster Beigeordneter und leitet kommissarisch die kommunale Verwaltung des Dorfes Hilden.1846 stellt das Unternehmen Reyscher & Comp. die wahrscheinlich erste Hochdruckdampfmaschine in Hilden auf. Das Unternehmen wächst und expandiert. 1859 ist Reyscher & Bergmann nach Gressard & Co. das zweitgrößte Unternehmen in Hilden mit fünf Dampfkesseln, fünf Dampfmaschinen und beschäftigt 1862 etwa 200 Arbeiter. Ab 1864 beginnt der Niedergang, beschleunigt durch einen Brand 1867. August Reyscher setzt sich 1869 zur Ruhe, Albrecht Bergmann übernimmt, stirbt aber schon 1870.

 Vereidigung von Rekruten der Waldkasere am 10. Dezember 1938 auf dem HAT-Sportplatz Hochdahler-/Hummelsterstraße.
Vereidigung von Rekruten der Waldkasere am 10. Dezember 1938 auf dem HAT-Sportplatz Hochdahler-/Hummelsterstraße. Foto: Stadtarchiv Hilden
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4) Sohn Carl Bergmann (1846-1909) übernimmt die Geschäftsführung. Aus dem Unternehmen Carl Bergmann & Cie. geht 1883 die Gesellschaft für Baumwoll-Industrie AG hervor. Bei der Neuaufstellung der Gesellschaft für Baumwoll-Industrie AG wird das Hildener Unternehmen zu einer Tochtergesellschaft des in Bilk ansässigen Unternehmens Ludwig & Gustav Cramer mit Sitz in Düsseldorf, ab 1896 in Hilden. Die deutsche Wirtschaft erlebt einen Aufschwung, auch die Gesellschaft für Baumwoll-Industrie. Sie beschäftigt zu ihren besten Zeiten in etwa 370 Mitarbeiter. In den Gebäuden der stillgelegten Gesellschaft für Baumwoll-Industrie zwischen Hochdahler Straße und Elberfelder Straße errichtet 1931 das Unternehmen Kampf & Spindler eine Bleicherei, Stückfärberei und Appreturanstalt. Gert P. Spindler betreibt sie dort bis 1970. Die Unternehmensgruppe Haniel führt noch 1932 die Gesellschaft für Baumwoll-Industrie als Beteiligung auf.

 Beate Linz-Eßer (r.) ist Geschäftsführerin der Seniorendienste Stadt Hilden, zu dem auch das Wohn- und Pflegezentrum Hummelster Straße (mit 93 Plätzen)  gehört.  Foto: teph
Beate Linz-Eßer (r.) ist Geschäftsführerin der Seniorendienste Stadt Hilden, zu dem auch das Wohn- und Pflegezentrum Hummelster Straße (mit 93 Plätzen)  gehört. Foto: teph Foto: "Köhlen, Stephan (teph)"/Köhlen, Stephan (teph)

5) Ende 1931 stimmt die Generalversammlung der Hildener Allgemeinen Turnerschaft von 1864 dem Kauf eines Geländes an der Hochdahler Straße von der Gesellschaft für Baumwollindustrie zu. Die Kaufsumme beträgt 10.000 Reichsmark und wird in Raten bezahlt. Am 9. /10. Juli 1933 wird der neue Sportplatz eingeweiht, verbunden mit dem Kreisturnfest des Niederbergischen Turnkreises.

 Der Sportplatz der HAT an der Hochdahler-/Hummelsterstraße. 
  Foto: Stadtarchiv
Der Sportplatz der HAT an der Hochdahler-/Hummelsterstraße. Foto: Stadtarchiv Foto: Stadtarchiv Hilden

6) 2005 eröffnet die Hildener Allgemeine Turnerschaft von 1864 das Gesundheitszentrum „HAT fit“ am Holterhöfchen. Investitionskosten: rund 4,3 Millionen Euro. Dafür verkauft der Verein seinen nicht mehr nutzbaren Sportplatz an der Hochdahler Straße und erwirbt ein städtisches Grundstück am Holterhöfchen.

7) Auf dem 16.000 Quadratmeter großen, ehemaligen Sportplatz entsteht ein attraktives Wohngebiet. Geplant ist auch ein Neubau der Klinik im Park (auf 6000 Quadratmeter). Beide Vorhaben stoßen bei den Anwohnern auf wenig Gegenliebe. Als der Klinikbetreiber mitteilt, dass er den Neubau doch nicht verwirklichen könne und in der Klinik im Park an der Hagelkreuzstraße bleibt, errichten die Seniorendienste Stadt Hilden dort ein Wohn- und Pflegeheim. Am 6. November 2006 ziehen die ersten Bewohner ein. Bei Beginn der Arbeiten erleben die Bauherren eine böse Überraschung. Der Baugrund ist teilweise mit Schwermetallen kontaminiert, jedoch keine Altlast. Vermutlich sei das belastete Material beim Bau des Sportplatzes 1933 eingebracht worden. Mehrkosten: Mindestens 256.000 Euro.