Hilden: Heute startet das Monheimer Rats-TV

Hilden: Heute startet das Monheimer Rats-TV

Als erste kreisfreie Stadt steigt die Rheingemeinde heute in die Live-Übertragung von Ratsdebatten im Internet ein.

Ein bisschen ist es schon wie beim Fußball: Nur dass Zimmermann in diesem Fall keine Reporterlegende ist, sondern der Mittelfeldregisseur. Heute geht - nach einer Art Vorbereitungsspiel im Haupt- und Finanzausschuss (Hafi) vor knapp zwei Wochen, das Monheimer Rats-TV auf Sendung. Anpfiff um 17 Uhr, gesendet - korrekter: gestreamt - wird live aus dem Ratssaal unter www.monheim.de.

Wie beim Videobeweis in der Fußball-Bundesliga ist sogar ein Studio in Köln involviert. "Zwei Mitarbeiter der von uns beauftragten Firma sind im Rathaus zugegen, einer betreut die Übertragung von Köln aus", sagt Stadtsprecher Thomas Spekowius. Drei Kameras, mehr als 40 Kamerapositionen, ein Technikraum oberhalb des Ratssaals - all das zeigt schon: Beim Monheimer Rats-TV ist es nicht mit einer einfachen Webkamera getan. "Wenn wir mit dem Live-Streaming der Rats- und Ausschusssitzungen wirklich ein breiteres Publikum erreichen wollen, dann muss die Qualität stimmen", sagt Spekowius. Und zeigt sich zuversichtlich, dass sie stimmt: "Der Probelauf im Hafi war - wie jeder unter monheim.de sehen kann - beachtlich. Bei der Ratssitzung soll einiges noch besser klappen, etwa das zügige ,Einfangen' des jeweiligen Redners mit der Kamera, die Tonqualität und die Trennung der jeweiligen Tagesordnungspunkte."

Letzteres ist wichtig für die Archivierung. "Der Live-Faktor ist nur einer der Vorzüge der Aufnahmen", erklärt Edgar Lenz, Projektleiter im Rathaus: "Mindestens ebenso wichtig ist der Dokumentationsaspekt. Die Aufzeichnung ermöglicht einen schnellen Zugriff auf Wortbeiträge und erspart uns einiges an schriftlicher Protokollierung." Dies allerdings eben nur, wenn die Redebeiträge den einzelnen Tagesordnungspunkten eindeutig zugeordnet werden können. Und dafür sind Kunstpausen von wenigen Sekunden Länge nötig. Des Stadtrats gesammeltes Schweigen gewissermaßen.

Die Einsparungen bei der Protokollierung sollen die Ausgaben zu einem Teil wieder wettmachen. 2600 Euro zahlt die Stadt Monheim nach Lenzens Angaben pro übertragene Sitzung an die Kölner G&L Geißendörfer & Leschinsky GmbH (Referenzen: Landtage, ARD/ZDF, Großunternehmen). Insgesamt sind für dieses Jahr etwa 45.000 Euro veranschlagt. Übertragen werden die Sitzungen des Rates und seiner sechs Ausschüsse. "Das Komplettpaket war uns wichtig. Sonst entsteht ein falscher Eindruck, wenn einzelne Punkte im Stadtrat ruckzuck entschieden werden - nämlich die, die bereits auf Ausschussebene ausführlich beraten wurden", sagt Thomas Spekowius.

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Aufgabe des Übertragungsteams wird es unter anderem sein, den jeweiligen Redebeitrag dem richtigen Gremienmitglied oder Verwaltungsmitarbeiter zuzuordnen, im Zusammenspiel mit den Schriftführern der Stadt und unter Live-Bedingungen. Damit auch die Bürger am heimischen Computer im Bilde sind, bekommt der Redner eine "Bauchbinde" mit eingeblendetem Namen verpasst. Auch Bebauungspläne und andere für das Verständnis der Beratung wichtige Darstellungen sollen online zu sehen sein.

Manchmal wird es aber auch heißen: Der aktuelle Wortbeitrag wird aus rechtlichen Gründen nicht übertragen. Nämlich dann, wenn keine Einverständniserklärung des Redners für eine Übertragung vorliegt. Insgesamt wurden laut Lenz 223 Personen darum gebeten, 165 aus der Politik und 58 aus der Verwaltung. Von letzteren haben elf ausdrücklich nein gesagt, aus der Politik sechs, hinzu kommen etwa 20 ohne Rückmeldung. Von den 40 Ratsleuten verweigern sich drei der Video/Audio-Übertragung und Archivierung ihrer Redebeiträge. Die meisten dürfte die Sorge umtreiben, wie sie Stefan Emmler (Grüne) formuliert hat: nicht kontrollieren zu können, was mit dem eigenen Wort und Bild geschieht. Wer möchte schon zum Beispiel bei einem Stefan Raab und Konsorten vor Millionen Fernsehzuschauern bloßgestellt werden, wenn er zu einem Thema daherstammelt, das außerhalb von Monheim die Lachmuskeln aktiviert.

"Auch diejenigen, die ihr Einverständnis erteilt haben, können jederzeit verlangen, dass ihr bevorstehender Beitrag nicht gestreamt wird", sagt Edgar Lenz. Und natürlich würde auch die Bürgerfragestunde zu Beginn jeder Sitzung ohne das Okay der sich Äußernden nicht übertragen.

Gleichwohl: Die große Mehrheit spielt mit, wenn es heute im Ratsaal um fahrerlose Elektrobusse geht, um die Kulturraffinerie K714 und jede Menge Bebauungspläne. "Auch an einer möglichst geringen Zeitverzögerung bei der Übertragung ist uns gelegen", sagt Lenz. Damit nicht passiert, was manchmal Nachbarn mit unterschiedlichen TV-Eingängen die Freude am Fußballgucken vergällt: Während die einen schon jubeln, sehen die anderen den Stürmer erst aufs Tor zulaufen.

(gut)