Herzklopfen bei der Herzdruckmassage

Woche der Wiederbelebung : Herzklopfen bei der Herzdruckmassage

Aktion Wiederbelebung in der Innenstadt: Bei plötzlichem Herzstillstand kommt es auf jede Sekunde an.

Fünf Minuten können sehr lang sein – wenn man 100 Mal in der Minute auf einen Brustkorb drücken soll. Ganz ehrlich: Ohne die Hilfe von Dr. Nicola Rolff hätte ich die Zeit nicht durchgehalten. Sie ist keine Ärztin, sondern Betriebswirtin, kam zufällig des Wegs und hat sofort mit angepackt. Nur gemeinsam haben wir die Herzdruckmassage geschafft. Und dabei etwas ganz Wichtiges gelernt. Bei der Ersten Hilfe muss man sich ganz schnell Hilfe holen.

Zum Glück war unsere Reanimation kein echter Notfall, sondern nur eine Übung an einer Puppe. Zur „Woche der Wiederbelegung“ waren Chefarzt Dr. Oliver Axmann und sein Team aus der Zentralen Notaufnahme des St.-Josefs-Krankenhauses in die Fußgängerzone gekommen, um den Menschen Ängste zu nehmen und Mut zu machen. Bei Nicola Rolff und mir ist ihm das gelungen. „Viele potenzielle Ersthelfer haben Angst, etwas falsch zu machen“, weiß der Chefarzt: „Der größte Fehler ist, nichts zu tun. Das ist schlimmer für den Patienten als wenn man zu fest drückt.“

Zuerst den Notruf 112 (Feuerwehr) wählen und dann sofort mit der Wiederbelebung beginnen, erklärt Oliver Axmann. Bei seiner allerersten Herzdruckmassage war er um die 20 Jahre alt und machte ein Praktikum im Krankenhaus. „Ich kam ins Zimmer und der Patient, ein Mann Mitte 65, lag leblos im Bett“, erinnert sich der Leiter der Zentralen Notaufnahme des Hildener Krankenhauses: „Mein erster Gedanke war: Du musst jetzt mit der Wiederbelegung beginnen. Ich habe um Hilfe gerufen und dann mit der Herzdruckmassage angefangen.“ Hits wie „Atemlos“ von Helene Fischer oder „Highway to Hell“ von ACDC helfen, den richtigen Rhythmus von 100 Drücken pro Minute zu finden. Gedrückt wird mit beiden Händen übereinander auf das Brustbein, zeigt der Chefarzt. Durch den Druck auf den Brustkorb wird automatisch Luft in die Lunge gesaugt. „Das reicht, um das Gehirn mit Sauerstoff zu versorgen.“ Ohne Sauerstoff sei das Gehirn nach fünf Minuten unumkehrbar geschädigt. Deshalb sollten Ersthelfer bei Atemstillstand sofort mit der Herzdruckmassage beginnen: „Das erhöht die Überlebenschancen des Patienten deutlich.“

Bei der Straßenaktion am Mittwoch in der Innenstadt wird deutlich: Viele Menschen bleiben am Stand am alten Markt stehen, sind interessiert und wollen helfen lernen. Und Frauen sind dabei viel mutiger als Männer.

„Mein Onkel ist vor wenigen Tagen an Herzversagen gestorben“, erzählt eine junge Frau: „Hoffentlich komme ich nie in so eine Situation. Nicht zu helfen ist auf jeden Fall falsch.“

Nicola Rolff fand die Reanimationsübung mit der Puppe in der Fußgängerzone gut: „Das hilft in der Tat, Ängste abzubauen und macht Mut zu helfen. Ich möchte gerne Menschen helfen können.“

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