Helmholtz-Gymnasium besteht auf Kreidetafeln

Für das neue geplante Oberstufenzentrum : Helmholtz-Gymnasium besteht auf Kreidetafeln

Dafür muss die städtische Oberschule an anderer Stelle 50.000 Euro einsparen. Darauf haben sich Gymnasium und Stadt verständigt.

Schüler würden es vermutlich so ausdrücken: Kreidetafeln sind von gestern, voll verstaubt. Modern ist eine Schule, wenn sie „Smartboards“ vorweisen kann. Das sind digitale Tafelsysteme nach dem letzten Stand der Technik. Sie funktionieren wie ein Computer mit Anschluss ans Internet und können daneben aber auch mit Spezialstiften beschrieben werden. Rat und Verwaltung wollen für das neue Oberstufenzentrum des einzigen städtischen Gymnasiums nur das Beste – und die Oberschule deshalb mit Smartboards ausstatten. Doch sie erlebten eine Überraschung. Schulleitung und Elternvertreter bestehen auf Kreidetafeln.

Daran haben auch weitere Gespräche nichts geändert, bestätigt Schuldezernent Sönke Eichner. Kreidetafeln haben eine Reihe von Nachteilen. Sie sind teurer als digitale, weil sie einen Wasseranschluss brauchen. Und sie machen mehr Schmutz. Deshalb hatte Eichner Flügeltafeln mit einer hochwertigen Whiteboardbeschichtung vorgeschlagen – als Kompromiss. Damit ließe sich das Problem mit dem Kreidestaub und den zusätzlichen Wasseranschlüssen vermeiden.

Das sieht auch die Medienberatung NRW bei der Bezirksregierung Düsseldorf so – nicht aber Helmholtz-Leitung und Elternvertreter. Sie konnten sich mit der Stadt nur auf einen Kompromiss einigen. Das neue Oberstufenzentrum bekommt Kreidetafeln und Beamer. Die Mehrkosten für die Kreidetafeln von rund 50.000 Euro (für die Wasser- und Kanalanschlüsse) muss die Schule an anderer Stelle wieder einsparen. Die Stadt wollte die Oberschule nicht zu etwas zwingen, betont der Schuldezernent. „Für uns ist wichtig, dass es die gewünschte Zwei-Welten-Lösung gibt. Das Helmholtz-Gymnasium kann digital arbeiten und wird auch so ausgestattet.“

Auch Lehrer, Schüler und Eltern wünschten sich eine Zwei-Welten-Lösung, erläutert Schulleiterin Barbara Krieger. Die Schüler sollen digital mit eigenen Endgeräten arbeiten können: Kreidetafeln böten eine große Fläche, seien flexibler und mit staubfreier Kreide nachhaltiger als Whiteboards (Stifte produzieren Plastikabfall). Deshalb setzten Universitäten nach wie vor auf Kreidetafeln.

Mit dieser Entscheidung legt sich das städtische Helmholtz-Gymnasium auf die nächsten 20 Jahre fest. Denn so lange beträgt die Abschreibungsfrist. „Ein Umstellen auf neue digitale Lösungen wäre für diesen Zeitraum nicht möglich“, bestätigt Eichner. Wenn alles klappt und genug Geld in der Stadtkasse ist, können die Bauarbeiten für das neue Oberstufenzentrum Ende 2019 beginnen. Das Büro bgs-architekten (Düsseldorf) hat die sechs zusätzlichen Klassen für G9 bereits mit geplant. Das spart der Stadt gegenüber einem späteren Anbau rund 400.000 Euro. Der Haupteingang des hellen, zweistöckigen Innenhof-Gebäudes mit begrüntem Dach liegt zum Helmholtz hin, der zweite Zugang zur benachbarten Sekundarschule. Daneben wird auch die städtische Jugendförderung den Neubau nutzen. Er entsteht neben dem maroden Altbau (Kocks-Gebäude), der anschließend abgerissen wird.

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