Hilden/Haan: Heimat sorgt für ein gutes Gefühl

Hilden/Haan: Heimat sorgt für ein gutes Gefühl

Anne de Wendt und Lothar Weller erzählen, was Heimat für sie bedeutet.

Ohne Menschen wie Anne de Wendt wäre es um unsere Gesellschaft schlecht bestellt. Bürgermeisterin Birgit Alkenings hat die Presbyterin der evangelischen Gemeinde 2106 mit dem Förderpreis Integration ausgezeichnet - für ihren unermüdlichen Einsatz für Flüchtlinge. Und Bundespräsident Joachim Gauck hat sie deshalb im Schloss Bellevue empfangen und ausgezeichnet.

Anne de Wendt vor der Reformationskirche in Hilden. Hier stieß sie auf ihre Wurzeln. Foto: Christoph Schmidt

"Diese Arbeit hat meinen Blick auf Heimat verändert", sagt die 70-Jährige: "Ich bin dankbar, hier in Hilden leben zu dürfen - ohne Angst haben zu müssen, dass jemand aus der Familie oder Freunde umkommen." Heimat sei für sie "da, wo ich mein Herz niederlegen kann", wo liebe Menschen "mich so annehmen, wie ich bin". Die ehemalige Verkaufsleiterin einer schwedischen Werkzeugfirma ist in Hannover aufgewachsen und hat über Düsseldorf und Hochdahl vor 15 Jahren nach Hilden gefunden. Dabei hat sie ihre Wurzeln entdeckt: "Das war mir damals gar nicht bewusst. Meine Mutter und ihre Familie stammen nämlich aus Hilden, haben an der Gerresheimer Straße gelebt. Sie sind in der Reformationskirche getauft worden. Ich habe es in den Kirchenbüchern 1913-15 nachgeschaut - das hat mich berührt." Als ihr Mann starb, ließ sich die dreifache Mutter und vierfache Großmutter zur Notfallseelsorgerin ausbilden. Seit fünf Jahren steht sie bereit, wenn andere in Not sind: "Mit großer Freude. Ich helfe gerne Menschen. Man bekommt so viel zurück. In Hilden gibt es ein tolles Netzwerk wunderbarer Menschen."

Lothar Weller aus Haan beschreibt Heimat als "den Ort, in dem ich bis an mein Lebensende zu Hause sein möchte. Das ist seit fast 27 Jahren nicht der Ort, in den ich hineingeboren wurde und in dem ich mehr als mein halbes Leben gewohnt habe, sondern eine Wahlheimat: Gruiten." Dort habe er sich vom ersten Tage an heimisch gefühlt - und seine Frau und die Kinder ebenso. Weller weiter: "Nicht dass wir die Brücken zu unserer ,alten Heimat' im Ruhrgebiet abgebrochen hätten, nein, eher im Gegenteil: Verwandte und Freunde von dort schauen gern mal bei uns rein." Und dann spricht der Forscher und Entdecker, der er ist, aus ihm. Werbemodus an: "Wir haben ja auch einiges zu bieten: Verkehrstechnisch bestens zu erreichen, inmitten einer herrlichen Landschaft liegend, ein historisches Dorf mit mehr als 1000-jähriger Geschichte - und als Zugabe düsselabwärts das Neandertal."

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Das alles liege in Reichweite großer Städte, in denen alles zu finden ist, was der Heimatort nicht bieten kann. Seine enge Bindung an die "neue Heimat" habe dazu geführt, dass er sich seit dem Jahr 2003 intensiv mit der Gruitener Geschichte beschäftigt, seither auch Gruitener Archive betreut - und bei dieser Arbeit schon bedeutende Funde ans Licht der staunenden Öffentlichkeit gebracht hat. Da tauchten unerwartete Dokumente im Kirchenarchiv auf, da gaben die Steine rund um den Nikolausturm Geheimnisse preis. Zuletzt entzifferte Weller Inschriften an der Kirchhofmauer.

Im Jahr 2004 kam noch der öffentliche Stammtisch unter dem Titel "Geschichte & Geschichten" hinzu, der sich in wenigen Wochen zum 500. Male treffen wird, und den Weller zusammen mit Johann Peter Kratz und Otto Hinze begründete. Er baute gemeinsam mit ihnen das Archiv der evangelisch-reformierten Kirche auf. Zudem erstellte er ein digitales Archiv aller Bestände, darunter auch das Archiv der katholischen Gemeinde St. Nikolaus. "Eng verbunden bin ich auch dem Bergischen Geschichtsverein Haan, dessen Vorsitzender ich einige Zeit bis 2015 war", sagt Weller.

Zum Heimatgefühl gehört sicher auch, dass er bekannt ist im Ort wie der sprichwörtliche bunte Hund, er wiederum kennt Hinz und Kunz. Im September 2017 wurde Lothar Weller beim zehnten Düsselfest des CDU-Ortsvereins Gruiten per Düsseltaufe auch offiziell in den Kreis der Gruitener aufgenommen. Die CDU-Gruiten hat den Brauch vor zehn Jahren wieder eingeführt, nachdem die Düsseltaufe 1993 das letzte Mal vollzogen worden war. Jens Lemke taufte, Bundestagsabgeordnete Michaela Noll assistierte. Er war anschließend nass, ihm war kalt, "aber da muss ich durch, wenn ich ein Gruitener werden will".

(RP)