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Haus Kolksbruch: Herrenhaus auf morastigem Grund

Baugeschichte : Herrenhaus auf morastigem Grund

Unternehmer Paul Spindler liebte das Landleben. Und ließ sich deshalb Haus Kolksbruch an der Hochdahler Straße errichten.

Oft hielt Meta Spindler abends auf der herrschaftlichen Treppe ihres Hauses inne und genoss den Blick nach Norden. Eine „mondbeglänzte Zaubernacht“ breitete sich vor ihr aus. Der Blick ging durch den Park über den Teich mit Seerosen über die Insel mit der Trauerweide in die Weite bis zu den Hochdahler Bergen. So beschreibt die Ehefrau des Hildener Tuch- und Garnfabrikanten Paul Spindler in ihren Erinnerungen „Auf der Höhe meines Lebens“ das Leben in Haus Kolksbruch an der Hochdahler Straße.

Über das Grundstück floss der Sandbach, das Gelände war morastig. „Segelbroich“ hieß es daher schon im Mittelalter. „Segeln“ oder „Sigelen“ waren Wasserrinnen in einer Wiese. Lange Zeit war hier eins der vielen Lehnsgüter, die der Kölner Erzbischof in Hilden besaß. Die Pächter mussten dem kirchlichen Verwalter, der im „Kückeshaus“ an der Schwanenstraße residierte, regelmäßig Abgaben zahlen. Im 17. Jahrhundert erschien erstmals der Beiname „Kolk“, was so viel bedeutet wie Teich oder Tümpel. 1809 wurde das Lehnswesen aufgehoben, der Kolksbruch war fortan in privatem Besitz.

Das Anfang des 20. Jahrhunderts recht heruntergekommene Gut Kolksbruch kannte das Ehepaar Spindler vom Blumen- und Spargelkauf. 1910 erwarben sie das Anwesen. Für insgesamt eine halbe Million Mark bauten sie ein neues Haus und legten den Park an. Meta Spindler, Fabrikantentochter aus Gummersbach, wäre mit den drei Kindern Tita, Judith und Gert auch gerne ins lebhaftere Düsseldorf gezogen: „Aber Paul war verliebt in das Landleben. Immer wieder nahm er sich vor, den Rasen zu mähen, fand dann aber doch nie die Zeit dazu“, berichtet seine Frau.

In den 1920er Jahren zog die Familie näher zu den Fabriken in die Stadtmitte, in die Villa im heutigen Stadtpark, damals der private Park der Industriellen-Familie. Das schöne Herrenhaus vermietete Paul Spindler an Karl Hauck, Direktor bei den Bergischen Stahlwerken. 1934 feierte die Firma Kampf und Spindler ihr 100-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wurde bekannt, dass Paul Spindler Haus Kolksbruch, das inzwischen leer stand, dem „Führer“ schenkte. Warum, ist offen. Vielleicht wollte sich die Unternehmer-Familie mit den neuen Machthabern gut stellen. Ostern 1935 eröffnete dort ein Mütter- und Säuglingsheim der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 wurde das Haus von der US-Army beschlagnahmt, später wurde es britische Offiziersmesse. 1958 gaben die Alliierten das Haus wieder frei. Es fiel der Bundesvermögensverwaltung zu. Die Stadt Hilden wollte das Anwesen vom Land erwerben und dort ein Altenheim einrichten. Der Kauf scheiterte 1959 allerdings an dem zu hohen Kaufpreis. Zwar lagen seinerzeit bereits zwei Stiftungen in Höhe von 300.000 D-Mark vor, aber das Land Nordrhein-Westfalen hatte schon lange vorher erwogen, dort eine Verwaltungsschule einzurichten. Wegen der schwierigen Grundwasserverhältnisse sei der nötige Neubau nur an der Stelle des alten Hauses möglich, hieß es. Gegen den Protest der Hildener fiel Haus Kolksbruch im Mai 1961 dem Abrissbagger zum Opfer. Mit dem Neubau wurde im Mai 1961 begonnen. Das Ergebnis ist das am 13. Oktober 1965 eröffnete Institut für öffentliche Verwaltung (Hochdahler Straße 280), das heute wieder den Namen „Haus Kolksbruch“ trägt.

Es ist zweifellos eine der ungewöhnlichsten Verwaltungsschulen im Land. Sie liegt verborgen mitten in einem Naturparadies voller seltener Tiere und Pflanzen – direkt am Autobahnkreuz Hilden. Ihre Öko-Wildnis steht voll mit moderner Kunst, die das Land einst ankaufte. Die Außenmauer ist Hildens größte Graffiti-Galerie. Das Landschaftsschutzgebiet Kolksbruch hat fünf verschiedenen Biotope. Hier gibt es noch Süßwassermuscheln und Bachkrebse. Seltene Tiere und Pflanzen haben einen Rückzugsraum gefunden. Zaunkönig, Kleiber, Dompfaff, Grün- und Buntspecht sind schon beobachtet worden und selbst der scheue Eisvogel.

Der frühere Institutsleiter Hans van de Water begann schon in den 1980er Jahren mit dem ökologischen Umbau des einst „englischen Gartens“. Nur die notwendigsten Pflegemaßnahmen wurden gemacht. Ansonsten durfte die Natur sich entfalten. Kunstfreund Hans van de Water dekorierte den urwüchsigen Park mit moderner Kunst. Die Plastiken und Skulpturen sind in der Regel Leihgaben der Kunstsammlungen des Landes. Nach der Ausstellung „D-88“ in der Landeshauptstadt wusste niemand so recht, wohin mit den großen Exponaten. de Water brachte Hilden ins Spiel. Die Edelstahl-Skulptur „Stereomid beta a/1/3“ des Düsseldorfer Künstlers Karl-Ludwig Schmaltz steht am Eingang. So fanden auch Imre Kocsis (Düsseldorf) Granit-Dreiecke oder ein Werk des Bildhauers Reinhard Omir (Düsseldorf) ein dauerhaftes Domizil. Auch Kurt Zimmermann, Heinz Kreutz, Kurt-Wolf von Borries, Hannelore Köhler, Eberhard Viegener, Georg Grulich und Gabriele Grosse sind mit Arbeiten vertreten. Einziger Wermutstropfen: Das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich.

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