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Hilden: Hat das Schutzsystem Lücken?

Hilden : Hat das Schutzsystem Lücken?

Zum Sicherheitskonzept der von Bayer geplanten CO-Leitung gehören Geo-Grid-Matten, die vor Verletzungen der Leitung durch Bagger schützen sollen. Pipeline-Gegner kritisieren, dass diese Matten nicht stabil sind.

Marlis Elsen ist schon oft an der CO-Pipeline von Bayer spazieren gegangen. "Die Baugruben sind ja leicht zu erkennen. Mich hat nur immer gewundert, dass man zwar die Rohre, aber nie die Geo-Grid-Matten zu sehen bekommt", berichtet sie.

Diese Matten sollen — so sieht es das Sicherheitkonzept von Bayer vor — rund 40 Zentimeter über der Pipeline verlegt werden und diese vor Verletzungen durch Bagger schützen. Die Schaufel würde sich in der Matte verfangen und den Baggerführer warnen.

TÜV hält Schutz für ausreichend

Am Wochenende hat Elsen eine Baugrube entdeckt, in der das Geo-Grid deutlich zu sehen war. "Wir haben es uns aus der Nähe angesehen und ich habe versucht, einen Streifen mit der Gartenschere abzuschneiden. Das ging völlig problemlos", berichtet die erklärte Pipeline-Gegnerin. In einem zweitem Versuch rissen die Damen mit bloßen Händen einen Streifen der Schutzschicht ab. "Und so kräftig haben wir da gar nicht gezogen", sagt Elsen.

Diesen Teil des Sicherheitskonzeptes hatte der TÜV Essen im Auftrag des Bayer-Konzerns getestet. Mit einem kleinen und einem großen Bagger hatten die Ingenieure versucht, die Widerstandsfähigkeit der Matten zu messen. Das Ergebnis: "Die Versuche haben gezeigt, dass ein umfassender Schutz der Rohrfernleitung vor großen Baggern durch die verwendeten Materialien nicht erreicht werden kann."

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Nach Auffassung des TÜVs sei ein vollständiger Schutz nur durch eine Abdeckung mit Betonplatten oder Stahlgewebe möglich. Weiter heißt es in dem Gutachten: "In Verbindung mit zusätzlichen Trassenwarnbändern in Signalfarbe, die oberhalb des Geo-Grids verlegt werden, sind aus unserer Sicht ausreichende Maßnahmen zum Schutz der Rohrfernleitung getroffen worden." Auf diesen Absatz beruft sich auch die Bayer-Sprecherin. "Die Matten sind nur ein Baustein in einem mehrstufigen Sicherheitskonzept. Sie sollen Baggerfahrer warnen und nicht Schnitte durch Gartenscheren abwehren", sagt Kerstin Nacken.

Bayer nimmt Stellung

Marlis Elsen hat bei ihrer Recherche noch etwas entdeckt: An manchen Stellen sei das Geo-Grid direkt auf die Rohre gelegt worden und nicht 40 Zentimeter über der Leitung. Auch das kann Nacken erklären: "Wenn das Rohr verlegt wird, rollen die Arbeiter das Geo-Grid zunächst ab. Erst später wird die Baugrube in zwei Schritten verfüllt und dann stimmt auch der Abstand."

(RP)