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Haltestellen-Geschichten: "Horster Allee" in Hilden

Haltestellen-Geschichten : Rittergut wurde zur größten Hühnerfarm

Die Reihe der Haltestellen-Geschichten wird fortgesetzt. Heute geht es um die „Horster Allee“. Das Haltestellen-Schild steht an der Düsseldorfer Straße, einer direkten Verbindung zwischen Hilden und Benrath.

Die Düsseldorfer Straße ist die Bundesstraße 228, an der auf Hildener Seite zahlreiche bekannte Industriebetriebe liegen, wie das 3M-Werk Hilden, oder die ehemalige Wiederhold Farben- und Lack-Fabrik, auf deren Gelände heute das Logo des Akzo Nobel-Konzerns prangt.

Die Düsseldorfer Straße ist auf alten Karten als lange Allee eingezeichnet. Ihr östliches Ende befindet sich heute an der Eisenbahnbrücke, Ecke Otto-Hahn-Straße. Im Westen geht sie in die Hildener Straße über, die am Benrather Bahnhof vorbei bis an den Benrather Schlosspark heranführt.

Über diesen Weg nutzten die Hildener auch den Benrather Bahnhof, der schon Ende 1845 als Haltepunkt in Betrieb genommen wurde. Erst 1874 bekam Hilden einen eigenen Bahnhof. Über die Düsseldorfer Straße fuhren 1898 vom Straßenbahndepot Benrath bis Hilden die Bahnen der „Bergische Kleinbahn AG“. Ab Benrath konnte man „bequem“ bis nach Düsseldorf-Oberbilk fahren und weiter in die Innenstadt.

 Fotos zu den Haltestellengeschichten von Thomas Bernhardt - Haus Horst 1898
Fotos zu den Haltestellengeschichten von Thomas Bernhardt - Haus Horst 1898 Foto: Stadtarchiv Hilden

1899 wurde die Straßenbahn-Strecke von Hilden nach Vohwinkel (Linie V), bzw. Ohligs (Linie O) erweitert. Schräg gegenüber der Haltestelle hat der in Haan ansässige Bergisch-Rheinische Wasserverband eines seiner 22 Klärwerke gebaut.

 Der Flamingopark 1965 war eine große Attraktion. Der Betreiber verschwand jedoch über Nacht und ließ die armen Tiere zurück.
Der Flamingopark 1965 war eine große Attraktion. Der Betreiber verschwand jedoch über Nacht und ließ die armen Tiere zurück. Foto: Stadtarchiv Hilden

Die Horster Allee hat ihren Namen von „Haus Horst“. Die Allee führt von der Haltestelle in Richtung Süden umgeben von altem Baumwuchs und über die Itter zum heutigen „Wohnstift Haus Horst“ das zum Haus Lörick e.V. gehört. Im gegenüberliegenden Dorotheenviertel gibt es weitere Senioren-Einrichtungen der Graf-Recke-Stiftung, sowie Kinder- und Jugendangebote. Seit 2018 gibt es dort auch den ersten „Rollator-Park“ in NRW!

Haus Horst hat einen malerischen Park und einen Weiher, an dem ein alter Turm noch an die Zeiten des ehemaligen Rittersitzes erinnert. Die Ursprünge der befestigten und später als Wasserburg ausgebauten Anlage liegen im 11. Jahrhundert. Im Jahr 1404 gab der Kölner Erzbischof dem Ritter Konrad von der Horst, Erbe der Burganlage und mehrerer Höfe, und seiner Ehefrau Ida von Elverfeld, die erzbischöfliche Güterverwaltung der Höfe Hilden und Haan als Lehen. Idas Vater war zuvor Lehensträger der zusammengehörenden Höfe Hilden und Haan gewesen. Somit konnte das Erzbistum – und das für eine lange Zeit – über fast das gesamte heutige Hildener Gebiet verfügen. Im Lehensbrief wurden für das „Haus Horst“ Türme, Tore, Mauern, Gräben, Vorburgen oder Festungswerke aufgeführt. In den Folgejahrhunderten gab es zahlreiche Besitzerwechsel, strittige Erbregelungen („Horster Lehensstreit“), Prozesse und Klagen, was nicht nur hohe Kosten verursachte, sondern schließlich auch den Verfall des alten Rittersitzes zur Folge hatte. 1836 wird Haus Horst in einem Buch über rheinische Schlösser als Ruine bezeichnet. 1843 wurde Haus Horst aus der Liste der „landtagsfähigen Rittersitze“ gestrichen und war damit kein Rittergut mehr. 1866 erbte der spätere Ehrenbürger Hildens, Wilhelm Ferdinand Lieven, das alte Rittergelände. Er baute auf dem ehemaligen Burggelände 1892/93 einen „villenartigen Neubau“. Lieven verkaufte Haus Horst 1896 an die Familie Klingelhöfer. 1907 wurde auf dem Gelände von Haus Horst ein landwirtschaftlicher Großbetrieb geführt, der „tuberkelfreie Vollmilch zum Rohgenuss“ produzierte. 1927 hatte die größte Hühnerfarm Westdeutschlands hier ihren Sitz. Die Stadt Hilden erwarb 1951 die Ländereien und den Wirtschaftshof.

 Ländliche Idylle: Kühe grasen auf einer Weide vor Haus Horst.
Ländliche Idylle: Kühe grasen auf einer Weide vor Haus Horst. Foto: Stadtarchiv Hilden

1965 eröffnete im Horster Gelände für kurze Zeit ein „Flamingopark“. Damals tauchte ein zugereister Hotelier auf und richtete eine Restauration auf Haus Horst mit einer Durchgangsstation für den Handel mit exotischen Tieren. Der Park habe zahlreiche Besucher von nah und fern angelockt, berichtet Wolfgang Wennig. Bereits nach wenigen Monaten jedoch im November 1965 sei das Unternehmen gescheitert, weil keinerlei Möglichkeiten für das Überwintern der Tiere vorhanden waren. Der Bankrotteur sei bei Nacht und Nebel verschwunden und habe außer einem Berg Schulden seine armen Tiere zurückgelassen, um die sich dann der Tierschutzverein kümmern musste. Die Erbengemeinschaft Klingelhöfer verkaufte schließlich das marode Haus mit dem restlichen Besitz. 1977 entsteht das Wohnstift „Haus Horst“ auf dem einst so bedeutenden Rittersitz. Einziger Zeuge der wechselvollen Geschichte ist der unter Denkmalschutz stehende Turm im Park. Der Park wird auch genutzt für kulturelle Veranstaltungen, wie beispielsweise während der jährlichen Hildener Jazztage.