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Hilden: Gruitener schreibt EM-Song

Hilden : Gruitener schreibt EM-Song

In loser Folge stellt die RP Persönlichkeiten aus Hilden und Haan vor, die vielen bekannt sind. Heute: Der Songwriter Tom Albrecht. Aus seiner Zusammenarbeit mit Roger Cicero ist jetzt der offizielle EM-Song geworden.

Viele mögen seine Lieder und wissen es gar nicht. Wenn zum Beispiel die Fans von Christina Stürmer bei "Lebe lauter" oder "Scherbenmeer" mitsingen, dann singen sie, was der gebürtige Gruitener Tom Albrecht getextet hat. Der 32-Jährige schreibt die Texte für einige der Großen im deutschen Pop, zum Beispiel auch für Roger Cicero und Thomas Godoj. Seit neuestem legt er auch deutschen Fußballfans die Hymne für die Europameisterschaft in den Mund. Denn der Text zum offiziellen EM-Song des Deutschen Fußballbunds "Für nichts auf dieser Welt" stammt aus Albrechts Feder.

Die Musik hat Roger Cicero mit Jacob Vetter und Roland Spremberg geschrieben, für den Text hat Tom Albrecht sich mit Simon Triebel, dem Gitarristen der Band Juli, zusammengetan. Die Komponisten und Songwriter dachten ursprünglich nicht an Fußball, erzählt Tom Albrecht: "Roger Cicero hatte mich gebeten, einen Song für ihn zu schreiben. Es sollte ums Kämpfen gehen, darum, sich durchzubeißen und nicht aufzugeben, auch gegen Widerstände." Das Lied ist auf Ciceros aktuellem Album "In diesem Moment" enthalten, das im Oktober 2011 veröffentlicht wurde. Anfang Mai wählte der DFB "Für nichts auf dieser Welt" zum offiziellen deutschen Fansong zur Europameisterschaft. Seit dem 1. Juni ist die Single erhältlich.

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Tom Albrecht entdeckte die Meldung per Zufall im Internet und fiel aus allen Wolken: "Ich wusste nicht mal, dass der Song für die EM im Gespräch war." Über die Wahl des DFB freut er sich, bleibt aber auf dem Teppich: "Ich lasse nicht außer Acht, dass es nicht alleine mein Verdienst ist", sagt er. Außer den Textern seien Komponisten, Sänger, Musiker, Producer und so weiter am Erfolg eines Songs beteiligt. Er sei auch "kein Hardcore-Fußballfan", erzählt Albrecht. Aber als Fortuna Düsseldorf um ihren Aufstieg in die erste Liga kämpfte, sah auch er zu. Und er verfolgt die EM-Spiele der deutschen Mannschaft. Eigentlich ist Tom Albrecht selbst auch Sänger, Musiker und Komponist, nicht nur Songwriter. Zwei Alben hat er selbst veröffentlicht. Das erste, "Sing", kam 2003 heraus, da war Albrecht gerade 21. 2005 dann "Radio Tom". Beide Alben – Deutsch-Pop mit Hiphop- und Rap-Einflüssen – waren durchaus erfolgreich. Dennoch nahm Albrecht anschließend ganz bewusst seinen Abschied von der Bühne: "Das Musik-Business hat wie vieles seine Licht- und Schattenseiten. Aber für mich hatte es zu viele Schattenseiten." Viele wollten in der Branche teilhaben, da werde hart gekämpft. Die Bühnenexistenz fehlt ihm aber nicht, sagt Albrecht. Er habe jetzt mehr Zeit für seine Musik als früher. Im übrigen sei er als Songwriter gut beschäftigt und damit auch kreativ ausgelastet: "Ich gebe bei jedem Song so viel von mir selbst rein und reiße mir das Herz raus, da steckt viel von mir drin, auch wenn ich nicht selbst singe."

Aktuell arbeitet Albrecht am neuen Album von Barbara Schöneberger. Besonders stolz ist er aber auf die Zusammenarbeit mit Laith Al-Deen, den er für "einen der größten Sänger Deutschlands, wenn nicht Europas" hält. Zu Albrechts großer Freude habe Al-Deen ihn gefragt, ob sie einen Song zusammen schreiben könnten. Albrecht besuchte Al-Deen, der für ihn kochte und ihn bewirtete, als sei es das Normalste der Welt. "Ich glaube, er hat gar nicht realisiert, was das für mich bedeutete."

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(RP/rl)