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Haan-Gruiten: Gruiten versteht nur noch Bahnhof

Haan-Gruiten : Gruiten versteht nur noch Bahnhof

Stadt, VRR und Bahn halten den barrierefreien Bahnhofsumbau für eine gute Sache. Aber in welcher Form, ist unklar.

Wer mit Koffer, Kinderwagen oder Rollator in Gruiten in einen Zug steigen will, braucht Helfer oder kräftige Arme. Denn beide Bahnsteige sind nur über Treppen zu erreichen. Der ein oder andere Fahrgast kann den Bahnhof deshalb überhaupt nicht nutzen. Um diese missliche Lage nach 25 Jahren (Eröffnung der S-Bahn war 1988) endlich zu ändern, hat der Bürger- und Verkehrsverein (BVV) Gruiten über 3000 Unterschriften gesammelt und dem Verkehrsministerium in Düsseldorf eingereicht. Er scheint damit Erfolg gehabt zu haben. Denn der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) schlägt jetzt vor, dass Gruiten mit auf die Liste der zusätzlichen 100 Bahnhöfe gesetzt wird, die die Deutsche Bahn mit ihrem Fördertopf "Modernisierungsoffensive 2" barrierefrei umbauen will.

Deshalb in Jubel auszubrechen, wäre allerdings verfrüht. Denn: "Der Gruitener Bahnhof steht auf unserer Prioritätenliste nicht an erster Stelle", sagt VRR-Sprecher Johannes Bachteler. "Er ist zwar kein unbedeutender Bahnhof, aber auch nicht richtig bedeutend." Auf welchen Listenplatz es Gruiten geschafft hat, will er nicht sagen. Zwei weitere Verkehrsverbünde — NVR und NWL — reichen ebenfalls Umbauvorschläge für Bahnhöfe aus ihrem Beritt ein. Diejenigen mit den besten Kosten-Nutzen-Verhältnissen hätten die größten Chancen auf Umsetzung.

Und hierin liegt der zweite Grund für nur verhaltene Freude: Es ist völlig unklar, wie der Gruitener Bahnhof umgebaut wird, wenn er denn den Zuschlag erhalten sollte. Die SPD um den Landtagsabgeordneten Manfred Krick hatte einen Plan entwickelt, wie nicht nur der erste, sondern auch der zweite Bahnsteig mit Aufzügen und Rampe barrierefrei an die Thunbuschstraße angebunden werden könnten. Und die Stadt hatte sich bereit erklärt, ihren bisherigen Vorschlag mit der Anbindung nur des ersten Bahnsteigs über den Haufen zu werfen und mit dem Vorschlag von SPD und Verkehrsverein ins Rennen zu gehen. Das hatte sogar ein VRR-Mitarbeiter dem Haaner Verkehrsausschuss so angeraten. Doch dann erhielt die Stadt vom VRR die Mitteilung, dass die Erfolgsaussichten dieses Plans wegen der höheren Kosten schlechter seien im Vergleich zum Anschluss von nur einem Bahnsteig. Man werde daher die ursprünglichen Pläne für die Prioritätenliste berücksichtigen.

"Bei der Übergabe der gesammelten Unterschriften habe ich den VRR inständig gebeten, über die neue Variante nachzudenken", berichtet Manfred Krick. "Sollte es nur an den Kosten hängen, könnte man zunächst nur den S-Bahnsteig anbinden und den Aufzug für den hinteren Bahnsteig später bauen." Die S-Bahngleise über den Park-and-Ride-Parkplatz anzubinden, hält Krick für weniger günstig. "Diese Variante könnte ja niemals auf den zweiten Bahnsteig ausgeweitet werden." Bei der von ihm vorgeschlagenen Variante könne man dagegen den bereits vorhandenen Tunnel nutzen. Die Deutsche Bahn habe ihm in Gesprächen signalisiert, diese Lösung ebenfalls für die bessere zu halten.

Beim VRR kann man nur die Verwirrung erklären: "Es ist ein kompliziertes Verfahren. Und in unserem Unternehmen ist nicht nur eine Stelle mit dem Thema befasst", berichtet Bachteler. "Beim Nahverkehrsmanagement werden die verkehrlich sinnvollsten Lösungen gesucht, bei der Bewilligungsstelle die mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis." Daher könne es zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen.

Der VRR habe ohnehin nicht das letzte Worte über die umzubauenden Bahnhöfe. "Die Liste wird dem Verkehrsausschuss des Landtags vermutlich Mitte Januar zur Diskussion vorgelegt", kündigt Bachteler an. "Ob dann tatsächlich schon darüber entschieden wird, lässt sich nicht sagen."

(RP)