Hilden: Grünpflege: Letzte Chance für einen Winterschnitt

Hilden: Grünpflege: Letzte Chance für einen Winterschnitt

Die Uhr tickt. Ganze sechs Tage lang dürfen Hecken, Sträucher und Bäume noch den Winterschnitt bekommen. Dann fällt das Bundesnaturschutzgesetz Gartenbaumeister Bernd Wolf und allen anderen in den Arm, die mit grobem Gerät und manchmal noch gröberem Vorsatz Facon in ihren Garten bringen möchten. Die Vogelschutz-Periode naht. Vom 1. März bis zum 30. September ist nur noch sanftes Beischneiden erlaubt.

Der derzeit klirrkalte Winter ist kein Grund, an den seit Jahren feststehenden Schutzzeiten etwas zu ändern, sagt Bernd Wolf, Mitinhaber des Gartenbauunternehmens Wolf & Jäger: "Erst ab Dauertemperaturen unterhalb von minus fünf Grad Celcius bestünde die Gefahr, dass bei einem Winterschnitt das Holz splittern und wir die Pflanze somit verletzen würden." Derzeit ist Wolfs Terminkalender prall gefüllt. Denn natürlich haben wieder einmal nur die wenigsten Gartenbesitzer den Herbst genutzt, um zu stutzen, was vom Sommer übrigblieb.

Karin Blomenkamp ist eine, die diese Saumseligkeit gar nicht so schlecht findet. Die Leiterin des Naturschutzzentrums Bruchhausen ist eine, die sich dem mehr alternativen Garten- und Landschaftsbau verschrieben hat: "In den trockenen Stielen von Staudengewächsen beispielsweise überwintern zahlreiche Insekten." Und da deren Population ohnehin unnatürlich deutlich geschrumpft ist, nimmt sie jeden Last-Minute-Gärtner mit Schnitt-Schluss-Panik dankend an. Im Naturschutzzentrum gibt es jede Menge Rat für Hobbygärtner. "Aber auch im Internet finden sich gute Webseiten und Foren, in denen man seine Fragen stellen kann und Menschen Saat und Knollen miteinander tauschen", rät Blomenkamp.

Wer den Winterschnitt jedoch allzu ahnungslos angeht, kann eine Menge falsch machen, warnt Gartenbaumeister Bernd Wolf. Um Frühjahrsblüher wie Forsythien macht er derzeit einen Bogen, um nicht die Knospen und damit die meist gelbe Farbenpracht in einigen Wochen zu kappen. "Wir haben es hier mit lebendiger Natur zu tun", sagt Wolf, der als überbetrieblicher Ausbilder und Mitglied im Prüfungsausschuss der Landwirtschaftskammer allzu radikalen Schnittaufträgen erst einmal eine Fachberatung entgegensetzt.

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Einzelne, in einem Hausgarten stehende Bäume fallen nicht unter das Schnittverbot des Bundesnaturschutzgesetzes, so die untere Landschaftsbehörde bei der Kreisverwaltung. Dies bedeute jedoch nicht, dass dort jederzeit und nach Belieben gesägt und beschnitten werden darf. Denn der Artenschutz gilt dennoch. Sobald Nester oder Bruthöhlen an einem Baum sichtbar sind, ist dieser als Lebensraum geschützt - völlig unabhängig vom Standort.

Zudem verweisen die Experten darauf, dass bei dem Beschneiden von Bäumen häufig weitere rechtliche Vorschriften einzuhalten sind. Hierzu gehören die Baumschutzsatzungen der Städte, das Landschaftsgesetz oder der Landschaftsplan. Es können auch Not-Fällungen oder -Schnitte genehmigt werden.

(RP)
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