„Gewerbesteuer-Einnahmen in Hilden auf 7-Jahre-Hoch“

Interview Christian Schwenger : Gewerbesteuer-Einnahmen steigen

Der 40-jährige Hildener ist seit 1. August Teamleiter. Er arbeitet seit zehn Jahren für die Wirtschaftsförderung.

Herr Schwenger, der Erfolg ihrer Arbeit wird auch an der Höhe der Gewerbesteuer-Einnahmen gemessen. Wie sieht es damit aus?

Schwenger Im vergangenen Jahr hat die Stadt 43,2 Millionen Euro eingenommen. Das ist der höchste Wert seit 2012. Die Gewerbesteuereinnahmen hängen wesentlich von der Gewinnentwicklung der hier ansässigen Unternehmen ab. Geht es den Unternehmen gut, profitieren davon die Stadt und die hier lebenden Menschen.

Warum ist die Gewerbesteuer für die Stadt so wichtig?

Schwenger Weil sie die wichtigste Einnahmequelle der Stadt ist. Sie machte im vergangenen Jahr 25,9 Prozent der ordentlichen Erträge aus. Hilden verfügt über eine hohe Steuerkraft und bekommt deshalb keine Transferleistungen vom Land wie sie „arme“ Kommunen erhalten. Deshalb kann die Stadt ein Minus bei der Gewerbesteuer nicht so einfach ausgleichen.

Wer zahlt eigentlich Gewerbesteuer?

Schwenger Grundsätzlich wird jeder Gewerbebetrieb veranlagt, beispielsweise Unternehmen aus Industrie,  Handwerk, Einzelhandel oder dem Dienstleistungssektor. Einerseits leisten damit sehr viele Betriebe einen Beitrag zum Steueraufkommen, andererseits konzentriert sich der überwiegende Teil auf einige Dutzend Betriebe.  Wenn einige von diesen Großzahlern plötzlich ausfallen oder deutlich weniger zahlen, kann das dramatische Auswirkungen haben. Wie hoch die Gewerbesteuer tatsächlich ausfällt, weiß die Stadt Hilden aber erst, nachdem die Unternehmen ihre Geschäftsjahre abgeschlossen haben. Vorher ähnelt dies einer Wundertüte. Dank der Branchenvielfalt in Hilden sind die Steuereinnahmen vergleichsweise stabil. Wichtig sind mir alle Betriebe, auch die, die mal keine Gewerbesteuer zahlen. Sie bieten den Menschen Arbeitsplätze, zahlen Löhne und auch Beiträge in die Sozialversicherung.

   Hat Hilden noch ausreichend Gewerbeflächen zur Verfügung?

Schwenger Wir leben in einer dicht besiedelten Region. Flächen sind zunehmend knapp. Auf den verbliebenen freien Gewerbeflächen streben wir eine hohe Arbeitsplatzdichte und einen zukunftsfähigen Branchenmix an. Wegen der Flächenknappheit erhalten betriebliche Veränderungen und Flächenvermittlungen innerhalb Bestandsimmobilien ein stärkeres Gewicht.

Wie läuft das Gründungszentrum, das die Stadt zusammen mit dem Gewerbepark-Süd betreibt?

Schwenger Sehr gut. Das Hildener Gründungszentrum ist voll vermietet. Zuletzt hat sich dort ein Gründer mit einer Kaffee-Rösterei angesiedelt. Vergangene Woche habe ich ihn besucht. Er ist gut gestartet und hat bereits jemanden angestellt. Im Gewerbepark-Süd starten die jungen Unternehmen in einem funktionierenden Netzwerk kleiner und mittlerer Unternehmen. Mit dem Mietzuschuss für Gründerinnen und Gründer hat die Stadt Hilden außerdem ein Alleinstellungsmerkmal in der Region.

Sie arbeiten bereits seit zehn Jahren in der städtischen Wirtschaftsförderung. In welcher Verfassung ist die Hildener Wirtschaft?

Schwenger In einer guten Verfassung. Die Beschäftigungslage erreichte in 2018 eine neue Höchstmarke: Mehr als 23.000 Menschen werden in den hiesigen Unternehmen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Wenn allerdings der Freihandel weiter gestört wird und die Auftragslage in den deutschen Schlüsselindustrien zurück geht, wird dies auch an Hilden nicht spurlos vorbei gehen. Positiv stimmt mich, dass viele mittelständische Unternehmen in Hilden bereits ihre Flexibilität bewiesen und Probleme gemeistert haben.

Was ist für Sie ihre wichtigste Aufgabe?

Schwenger Die eine wichtige Aufgabe gibt es in der Wirtschaftsförderung nicht. Allgemein die Kontaktpflege zu den Hildener Unternehmen. Praktisch stehen derzeit einige Projekte parallel an. Deswegen werde ich baldmöglichst ein ausgewogenes Team zusammenstellen. Umso mehr können wir anpacken.