Gessert und Sohn, Schmieröl-Hersteller, Fahrradputz

Hilden : Schmieröl-Hersteller putzt jetzt auch

Die auf Schmiermittel spezialisierte Firma Gessert und Sohn aus Hilden hat jetzt erstmals ein Produkt im Sortiment, das kein Öl beinhaltet. Es ist eine Putzschnur.

Die Idee ist so simpel wie genial: Ein aus Mikrofaser bestehender, etwas zu dick geratener Schnürsenkel, der perfekt dafür geeignet ist, die Antriebskette und weitere, sonst eher schwer zugängliche Stellen am Fahrrad zu reinigen. Die neue Putzschnur „Velo Floss“ hat das Hildener Traditionsunternehmen Gessert und Sohn im Rahmen seiner Markengruppe Hanseline gerade erst bei einer Zweiradmesse vorgestellt.

Bisher hat sich der Familienbetrieb, der seit über zehn Jahren von Jan Gessert in dritter Generation geführt wird, auf die Herstellung von Schmiermitteln für Fahrräder spezialisiert. 1947 gründete Jans Großvater Hans die Firma, die damals noch in Düsseldorf angesiedelt war. Der gelernte Kaufmann importierte schon damals das Öl für seine Produkte in großen Holzfässern aus Venezuela. „Weil schon zu dieser Zeit das feinste Öl aus Venezuela stammte“, weiß Enkel Jan aus Berichten seines Opas zu erzählen.

Opa Hans war es auch, der den Markennamen „Hanseline“ prägte. Oder besser seine Frau, Jans Großmutter. Sie nahm den Vornamen ihres Mannes und hängte den zweiten Teil des damals schon bekannten Gleitmittels Vaseline an. Fertig war „Hanseline“, gefolgt von dem eingängigen Werbespruch „Mit Hanseline saust die Maschine“.

Für die verschiedenen Anwendungen erhält das Öl bei Gessert und Sohn die unterschiedlichsten Zusätze, um Eigenschaften wie Geschmeidigkeit oder Haftfähigkeit zu verbessern. Die Rezepturen werden im firmeneigenen Labor regelmäßig überprüft und verfeinert. Doch das Unternehmen stellt nicht nur eigene Produkte her sondern übernimmt auch Lohnabfüllungen für andere Firmen, deren große Maschinen nicht mehr für kleine Chargen oder Spezialrezepturen ausgelegt sind. Hier besetzt Gessert einen Nischenmarkt und profitiert von langjähriger Erfahrung und hoher Flexibilität.

Sein größtes Kapital sind seine Mitarbeiter, sagt Jan Gessert. Die meisten sind seit vielen Jahren, mitunter gar Jahrzehnten, im Unternehmen tätig. Sie identifizieren sich mit ihrer Arbeit und kümmern sich um die Firma, als wäre es ihre eigene, findet der Chef nicht ohne Stolz.

Am alten Düsseldorfer Standort wurde es irgendwann zu eng, also zog das Unternehmen nach Hilden um, zunächst zur Miete. 1982 entstand dann die Produktionsstätte an der Siemensstraße. Jans Vater Dieter stieg 1973 in die Firma ein, übernahm aber erst elf Jahre später die Leitung. „Diese Zeit war nicht immer konfliktfrei“, erzählt Sohn Jan. Bis kurz vor seinem Tod 1999 war Hans Gessert noch im Unternehmen aktiv, da war er bereits 89 Jahre alt.

Jan Gessert studierte zunächst Betriebswirtschaft und wollte das Unternehmen ursprünglich eigentlich gar nicht weiterführen. Doch 2002 stand die Zukunft der Firma auf der Kippe, große Kunden brachen weg und der Vater Dieter konnte seinen Sohn überreden, doch einzusteigen. Jan Gessert gelang es, die Kunden zurückzugewinnen und 2007 übernahm er dann die Leitung. Heute steht das Unternehmen auf gesunden Füßen und kann sich über mangelnde Aufträge nicht beklagen. Die werden ja nach Anforderungen an modernen Abfüllstationen oder an über 60 Jahre alten Maschinen erledigt, die dank ihrer soliden Bauweise wohl auch noch 100 Jahre weiterlaufen.

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