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Hilden/Ratingen: Gema-Gebühren: Vereine sind in Sorge

Hilden/Ratingen : Gema-Gebühren: Vereine sind in Sorge

Ärger über "Abzocke": Was die Musikrechteverwerter vorhaben, belastet Brauchtumsveranstaltungen schwer.

Gaby Stefes nimmt kein Blatt vor den Mund: "Wenn es mit den Gema-Gebühren so kommt, wie es vorgesehen wird, dann wird das alles sehr schwer zu stemmen sein." Seit 2011 ist Stefes Schatzmeisterin der Roten Funken in Ratingen — und das mit viel Freude. Was aber im Moment auf Rot-Wiss zukommt, das treibt ihr die Sorgenfalten auf die Stirn. Genauso wie dem Carnevals Comitee Hilden (CCH). "Wir machen uns Gedanken", sagt CCH-Schatzmeister Christof Schmidt. Denn die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) will die Gebühren für Musiknutzung erhöhen.

Die Karnevalsgesellschaften haben für die nächste Session eine Menge Veranstaltungen geplant. Neben der Miete für die Räume und die Gagen der eingekauften Künstler schlagen eben auch die Gema-Gebühren zu Buche. Das war schon immer so, doch was die Musikrechteverwerter nun vorhaben, belastet nicht nur Diskotheken- und Gaststättenvereine, sondern auch viele Vereine des Brauchtums.

"Es ist natürlich in Ordnung, dass Künstler für ihre Musik, die verwertet wird, Geld bekommen. Aber was hier im Moment läuft, hat schon fast ein bisschen den Anschein von Abzocke", sagt Stefes, die die Belastungen, die durch die anstehenden Veränderungen für ihren Verein noch nicht ansatzweise absehen kann: "Erst im Sommer entscheidet sich, wie es genau weiter gehen wird. Aber eines steht schon fest, besser wird es nicht. Entweder bleibt es so wie es bisher war, oder es wird wesentlich schlimmer." Und deshalb sind die Eintrittspreise, die die die Funken veranschlagen, nur vorläufig, so Stefes: "Kommt die Gema-Reform, müssen wir das umlegen und werden einen Gema-Aufschlag nehmen müssen."

Ein Problem, das alle Gesellschaften treffen wird: "Ich kann mir gut vorstellen, dass das bei Gesellschaften, die vielleicht finanziell nicht so gut aufgestellt sind wie wir, zu erheblichen Problemen und sogar zur Absage von Veranstaltungen kommen kann." Die Gema will ihre Abgaben nun nach der Größe der Veranstaltung und den zu erwartenden Einnahmen staffeln. Dafür legt sie aber immer den höchstens Preis für eine Karte zugrunde. "Wenn eine Karte vorne an der Bühne zum Beispiel rund 30 Euro kostet, alle anderen aber nur zehn, wird trotzdem für alle Tickets mit dem höchsten Preis gerechnet. Das finde ich unverschämt", sagt die Schatzmeisterin.

CCH-Schatzmeister Schmidt ist dagegen noch entspannt. "Mit dem Bund deutscher Karnevalisten laufen zurzeit Gespräche", sagt er. "Bevor wir da keine konkreten Ergebnisse kennen, werden wir nichts unternehmen." Denn der Widerstand gegen die Reform ist groß. Auf breiter Front begehren ganze Landesverbände der Karnevalisten gegen die Pläne auf. Ende Juli soll es Gespräche mit der Gema geben. Keine Alternative ist es übrigens, der Gema die Veranstaltungen zu verschweigen, weiß Stefes: "Die schauen sich die Kalender der Veranstaltungsorte ganz genau an."

(RP/ac)