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Hilden: Gefühlter Frühling

Hilden : Gefühlter Frühling

Seit die Temperaturen die Zehn-Grad-Plus-Grenze überschritten haben, tun Mensch und Tier, als sei der Lenz schon da. Die Außenterrassen der Cafés sind gut besetzt. Singvögel stecken ihre Reviere ab.

Für die Meteorologen beginnt der Frühling am 1. März. Gefühlt ist er für viele Menschen bereits da – daran ändert selbst die Aussicht auf einen neuen Frosteinbruch nichts. Viele Garten- und Balkonbesitzer würden am liebsten die ersten Tulpen, Narzissen und Krokusse aus der Erde gucken. Für alle, die im Herbst versäumt haben, Blumenzwiebeln in Garten oder Balkonkästen zu setzen, damit es im Frühling üppig blüht, ist Stefan Hosten ("Der Marktflorist") der Mann für verpasste (Pflanz)Gelegenheiten. Schneeglöckchen, Tulpen und Narzissen – in Töpfen vorgezogen – entwickeln schon jetzt Knospen und Blüten. Und weil sie "im Kaltbeet" gezogen wurden, machten ihnen auch noch aufkommender Schnee und Frost nichts aus, beteuert der Fachmann.

Café-Gäste haben die Freiluftsaison bereits eingeläutet. Pavlina Petreska, Inhaberin des "New York Coffee" an der Mittelstraße, kennt ihre Pappenheimer: "Es gibt Gäste, die das ganze Jahr über vor der Türe sitzen. Aber seit zum ersten Mal die zehn Grad überschritten wurden, ist die Terrasse regelmäßig voll." Die ganz Hartgesottenen hat sie unter den Rauchern ausgemacht, die in den Innenräumen nicht mehr paffen dürfen. Besonders kälteresistent zeigen sich aber auch die Champagner-Trinker. "Warum die grundsätzlich draußen sitzen, weiß ich nicht", sagt die junge Frau lachend. – Vielleicht ist es ja das Düsseldorfer Prinzip: sehen und gesehen werden.

Ernst Sander, Einsatzleiter beim Grünflächenamt der Stadt Hilden, und seine Truppe, die zurzeit die Gehölze in städtischen Anlagen zurückschneiden, dürften eher wärmende Getränke in der Thermoskanne haben. "Wir müssen uns ranhalten, damit wir bis Ende Februar fertig sind," sagt Sander. Ab 1. März verbietet nämlich das Landschaftsgesetz den Gehölzrückschnitt, weil sonst Nist- und Brutplätze gefährdet wären. Der frühe Wintereinbruch ist Schuld, dass die Gärtnertruppe ihrem ursprüngliche Zeitplan etwas hinterher hinkt. "Als der heftige Schneefall einsetzte, hatten wir noch nicht alles Herbstlaub beseitigt. Das mussten wir jetzt erst mal nachholen", erläutert Sander.

Wenn der Gehölzrückschnitt beendet ist, beginnt für die Mitarbeiter des Grünflächenamtes der Frühjahrsputz der Parkbänke. Rund 500 gibt es in der Stadt, und 50 Tische. "Viele werden leider immer wieder zerstört und beschmiert und müssen repariert oder ausgewechselt werden", bedauerte Sander. Während die Natur so langsam in die Pötte kommt, sorgt Sander am Schreibtisch dafür, dass es im Sommer in den Beeten und Kübeln blühen wird. "Wir schreiben jedes Jahr die Lieferung von rund 5000 Pflanzen aus", erläutert der Stadtgärtner. Geranien, Begonien, Betunien, Ziertabak sind besonders beliebt. Eingepflanzt werden sie aber erst nach der Kalten Sophie, der letzten Eisheiligen. Denn – alte Gärtnerweisheit – bis dahin könnte immer noch Frost drohen.

(RP)